SVP bläst zum Rückzug

GOSSAU. Per Inserat wollte die SVP Gossau-Arnegg «eine ausgewiesene Persönlichkeit fürs Stadtpräsidium» suchen. Jetzt sagt die Partei, alles sei «ein Missverständnis» gewesen.

Corinne Allenspach
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GOSSAU. Es war ein brisantes Papier, das in den Gossauer Parteivorständen die Runde machte. In einer Art Stelleninserat kündigte die SVP Gossau-Arnegg an, auf die kommunalen Wahlen 2012 hin eine «ausgewiesene Persönlichkeit als Kandidat fürs Stadtpräsidium» zu suchen (Tagblatt vom 10. November). Nachdem Stadtpräsident Alex Brühwiler vergangene Woche im Tagblatt unmissverständlich zu verstehen gab, dass er sich 2012 zur Wiederwahl stellen wird, hat die SVP ihre Meinung nun geändert. «Wir werden kein Inserat schalten und auch die angekündigte Sitzung mit den Ortsparteien wird nicht stattfinden», sagt Markus Rosenberger, Präsident der SVP Gossau-Arnegg, auf Anfrage.

SVP nimmt Sache in die Hand

Überhaupt sei das Ganze «ein Missverständnis» gewesen. Die SVP habe nie beabsichtigt, den amtierenden Stadtpräsidenten anzugreifen. «Alex Brühwiler sagte immer, er werde im März 2012 entscheiden, was er mache», sagt Rosenberger. «Wäre er nicht mehr angetreten, wäre es sehr spät gewesen, für Herbst einen qualifizierten Kandidaten zu finden.» Darum habe die SVP die Sache in die Hand genommen. «Nach Rücksprache mit den anderen Parteien werden wir die ganze Sache nun abblasen», so Rosenberger.

Brühwiler nicht angreifen

Hätte die SVP an ihrer Suche nach einem Kandidaten fürs Stadtpräsidium festgehalten, wäre sie sowieso allein dagestanden, wie eine Rückfrage bei den Ortsparteipräsidenten zeigt. Weder CVP noch FDP oder SP hätten an der angekündigten Sitzung der SVP teilgenommen. Nachdem Brühwiler zwischenzeitlich klar kommuniziert habe, dass er wieder antrete, sei die Sache klar, sagt SP-Präsident Ruedi Blumer: «Die SP will Brühwiler nicht angreifen. Wir haben kein Interesse, einen neuen Präsidenten zu suchen.» Eine Sitzung mit den anderen Ortsparteien sei deshalb hinfällig. Ähnlich tönt es von Seiten der FDP. «Wir haben nichts gegen den amtierenden Stadtpräsidenten», sagt Daniel Weiss, Präsident der FDP Gossau-Arnegg. Mit den anderen Parteien zusammenzusitzen wäre sinnvoll gewesen, wenn Brühwiler nicht mehr angetreten wäre. Um überparteilich und frühzeitig einen Kandidaten zu suchen. «Damit wir nächstes Jahr nicht in eine <Hetzete> kommen.»

Die Flig begrüsst es, «dass der Stadtpräsident seine Entscheidung schon jetzt publik gemacht hat», wie Flig-Präsident Stefan Harder mitteilt. So seien die Verhältnisse geklärt und jede Partei könne somit ihre eigene Planung im Hinblick auf die Wahlen 2012 vorantreiben.

«Unschweizerisches Vorgehen»

Auch für die CVP Gossau-Arnegg ist die Ausgangslage nun geklärt. «Es gibt keine Vakanz, eine überparteiliche Sitzung ist deshalb hinfällig», sagt CVP-Präsident Stefan Häseli. Es sei nie darum gegangen, Brühwiler anzugreifen. Die CVP sei für konstruktive Lösungen. Das könne durchaus auch eine gemeinsame Suche nach einem geeigneten Stadtpräsidenten sein. «Sofern dieses Amt denn neu zu besetzen ist.» In einer Mitteilung distanziert sich die CVP aber klar von diesem «unschweizerischen Vorgehen», mit Stelleninseraten einen Kampfkandidaten zu einem amtierenden Amtsinhaber aufzutreiben. Das widerspreche «den allgemein gültigen Regeln der Fairness», die aus CVP-Sicht «auch in der Politik gelten sollten».