SUPPE: Ein einfaches Mahl

Die Fastenzeit ist in vielen Kirchgemeinden der Region ein Anlass dafür, sich der Überflussgesellschaft bewusst zu werden – wie am gestrigen Suppenzmittag in Engelburg.

Katja Blöchlinger
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Am Suppenzmittag in Engelburg standen Gersten-, Tomaten- oder Buchstabensuppe zur Wahl. (Bild: Hanspeter Schiess)

Am Suppenzmittag in Engelburg standen Gersten-, Tomaten- oder Buchstabensuppe zur Wahl. (Bild: Hanspeter Schiess)

Katja Blöchlinger

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Gegen Sonntagmittag füllt sich die Mehrzweckhalle in Engelburg langsam aber sicher mit hungrigen Gästen. Einige kommen von zu Hause, andere haben zuvor die ökumenische Predigt anlässlich des Suppentages besucht. Die Besucherinnen und Besucher stellen sich in die Schlange, um dann mit einem Teller Suppe an einem Tisch Platz zu nehmen.

Das Publikum ist bunt gemischt. Die älteren Besucher wählen mehrheitlich Gersten- oder Tomatensuppe, die jüngeren entscheiden sich für Buchstabensuppe. Sie legen begeistert Wörter mit den Teigwarenbuchstaben auf den Tellerrand. Seit Samstagmorgen standen die Helfer in der Küche, um die Suppen vorzubereiten.

Jeder zahlt so viel, wie er will

Pfarrerin Gila Heimbucher, die die Predigt in der evangelisch-reformierten Kirche Engelburg gehalten hat, geht durch die Tischreihen und begrüsst die Gemeindemitglieder persönlich. «Ich finde den Suppentag eine super Sache», sagt sie. In Deutschland, wo sie aufgewachsen sei, gebe es einen solchen Anlass nicht. Aber sie sei «von der Idee begeistert».

Besonders der Gedanke, gemeinsam Suppe zu essen, sage ihr zu. «Es ist eine Gelegenheit, sich bewusst zu werden, in welchem Reichtum wir leben.» Das Zusammenkommen zu einem schlichten Mahl mache bewusst, in welchem Überfluss man lebe. Hier widerspiegle sich der Fastengedanke: Man verzichte auf ein reiches Mahl. Auch der Solidaritätsgedanke werde durch das Spendensammeln – jeder zahlt für die Suppe so viel, wie er möchte – betont.

Bernd Ruhe, der Pfarreibeauftragte der Katholischen Kirchgemeinde Mörschwil, schliesst sich diesen Aussagen an: «Die Solidarität und das Teilen stehen im Vordergrund.» In Wittenbach heisst es deshalb nicht Suppen-, sondern Solidaritätstag. «Es ist ein Tag, an welchem man sich mit der ungerechten Verteilung von Reichtum in der Welt konfrontiert», sagt Daniel Kiefer, evangelischer Pfarrer in Wittenbach.

Heilige Elisabeth verteilte Suppe

Im Sinne des Zusammenkommens werden die Suppentage in der Region ökumenisch gefeiert. In den genannten Gemeinden wechselt das Zepter für die Organisation jährlich zwischen der katholischen und der reformierten Kirchgemeinde. Den offiziellen ökumenischen Suppentag gibt es bereits seit 1976, seinen Ursprung hat er in den 1960er-Jahren im Kanton Freiburg. Schon damals ging es darum, die Bevölkerung auf die christlichen Werte des Teilens und der Solidarität aufmerksam zu machen. Dass es ausgerechnet Suppe sein sollte, geht auf die Heilige Elisabeth von Thüringen zurück: Sie soll ihrerseits Suppe an die Bedürftigen verteilt haben.

Mit dem gesammelten Geld werden jeweils Projekte von Fastenopfer und Brot für alle unterstützt. Dieses Jahr ist das Thema «Land Grabbing»: Durch Grossinvestoren verlieren in Drittweltländern Bauern ihr Land an Plantagenbesitzer oder Grossbauern. Das Land sei ihre Lebensgrundlage, erklärt Pfarrerin Gila Heimbucher. Deshalb sei es wichtig, die Kleinbauern zu unterstützen. «Land soll dem Leben dienen und nicht dem Profit» ist die zentrale Aussage der ökumenischen Kampagne dieses Jahres.

Zum dritten Mal gehen der Erlös des Suppentages und die Kollekte der folgenden Wochen aus Engelburg nach Kolumbien. Klar, sagt ein Herr, das gesammelte Geld sei nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber: «Für den einzelnen Menschen bedeutet unsere Gabe sehr viel.»