Süchtig schon seit dem 13. Altersjahr

Eine 20jährige Frau wurde verurteilt, weil sie mit ihrem Freund in der gemeinsamen Wohnung einen Heroinhandel betrieben hat.

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Laut Anklageschrift hat die junge Schweizerin zwischen Juni 2008 und Januar 2009 zusammen mit ihrem damaligen Freund einen florierenden Heroinhandel betrieben. Sie kauften rund 15 kg Heroingemisch, verkauften in der gemeinsamen Wohnung rund 13 Kilogramm an Abnehmer und konsumierten den Rest selber.

Ein schwerer Fall

Die Staatsanwaltschaft forderte für die Angeklagte eine Freiheitsstrafe von 32 Monaten, die Verteidigung von 24 Monaten.

Beide Parteien bezeichneten ihr Vergehen als qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz. Angesichts der Menge der gehandelten Drogen könne man nicht anders als von einem schweren Fall sprechen. In den Plädoyers gingen die Untersuchungsrichterin und der Verteidiger kaum auf die Details der Tat ein. Sie legten ihr Augenmerk vielmehr auf die schwere Sucht der jungen Frau. «Die Drogen bestimmten ihr Leben und Handeln. Sie war nicht mehr in der Lage, ihr Tun zu überdenken», sagte die Untersuchungsrichterin.

Im Untersuchungsverfahren habe sie jedoch alle Beteiligten positiv überrascht, habe sich kooperativ gezeigt und gegen ihre Drogensucht gekämpft. Zwar sei ihr anzulasten, dass sie gemeinsam mit ihrem viel älteren Partner die Idee eines Heroinhandels verwirklicht habe. Die damals 18-Jährige habe aber immer mehr eine untergeordnete Rolle gespielt.

14 Monate nach ihrem Therapiebeginn sei sie noch nicht über den Berg und habe mehr als einen Rückfall erlitten. Doch gehe sie ihre Probleme engagiert an und habe nicht zuletzt durch ihre Intelligenz und ihre gewinnende Art eine Lehrstelle erhalten.

Gründe für die Sucht

Der Verteidiger pflichtete den Ausführungen der Anklage bei. Der Wandel seiner Mandantin grenze an ein kleines Wunder. Kurz nach der Verhaftung habe er eine kranke Frau ohne spürbaren Lebenswillen angetroffen.

Heute strahle sie wieder Zuversicht aus. Die frühe massive Drogensucht sei in der Kindheit zu suchen. «Sie hat so ziemlich alles mitgemacht, was man einem Kind nicht wünscht», erklärte er. In ihrem Elternhaus habe sie Todesdrohungen und Gewalt erlebt.

Sie werde noch viel an sich arbeiten müssen, um die Sucht endgültig zu verbannen und gegen Rückfälle gefeit zu sein, betonte die junge Frau.

Das Kreisgericht verurteilte sie zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten, die zugunsten der stationären Drogentherapie aufgeschoben wird. Während der Verhandlung wurde betont, dass sie einem Gefängnisaufenthalt nur entgehe, wenn sie sich keiner weiteren Straftat schuldig mache. (cis)