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SUCHT: Gesichter der Stadt

Die Stiftung Suchthilfe zeigt an der Offa 99 Porträts – unkommentiert. Die Besucher sollen die Schicksale der abgelichteten Menschen erahnen: 33 davon sind süchtig.
Christoph Renn
99 St.Gallerinnen und St.Galler an der Offa: Die Schwarz-Weiss-Bilder stammen von Fotografin Franziska Messner-Rast. (Bild: Urs Bucher)

99 St.Gallerinnen und St.Galler an der Offa: Die Schwarz-Weiss-Bilder stammen von Fotografin Franziska Messner-Rast. (Bild: Urs Bucher)

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

99 Gesichter blicken aus Fotografien in die volle Messe-Halle 9.1. Einige lachend, andere nachdenklich, mit leerem Blick oder traurig. Jedes Porträt strahlt Kraft aus, zusammen wirken sie stark. Hinter jedem Bild steckt eine ­andere Lebensgeschichte. Die St.Galler Fotografin Franziska Messner-Rast hatte für die Sonderschau der Stiftung Suchthilfe Politiker, Grafiker, Pharma-Assistentinnen und Heroinabhängige vor der Linse. Dem Messebesucher steht frei, ob er die Schicksale und Tiefschläge, die die Porträtierten erlebt haben, erfahren will.

33 Personen sind Klienten der Stiftung Suchthilfe, 33 sind Mitarbeiter. Die restlichen 33 Personen wurden laut Jürg Niggli, Leiter der Stiftung Suchthilfe, zufällig ausgewählt. Jedoch arbeiten oder wohnen alle in St.Gallen. «Mit der Sonderschau wollen wir zeigen, dass alle Menschen einen Wert haben.» Die Besucher der Sonderschau «Wer bin ich? Du bist ich. Wir sind wir.» sollen beim Betrachten der Fotografien über ihr eigenes Dasein reflektieren. «Ihnen soll bewusst werden, dass es oft an einem seidenen Faden hängt, zu welchem Drittel man zählt», sagt Niggli. Niemand habe als Kind je den Wunsch geäussert, einmal heroinabhängig zu sein.

Welche Geschichte steckt hinter welchem Gesicht?

Inmitten der Porträts steht ein Spiegel. «Darin kann man sehen, wie man sich in der Reihe der Bilder einordnen könnte», sagt Nigg­li. Und wieder stehen zwei Fragen im Zentrum: «Wer bin ich? Wie passe ich in das Konzept?»

Mit der Sonderschau versuche die Stiftung, ihre Wertehaltung zu vermitteln. Obwohl die Suchthilfe bereits zum 19. Mal an der Offa dabei sei, liege ihm diese Schau besonders am Herzen, sagt Niggli. «Sie zeigt, dass alle eine Persönlichkeit haben und alle Gesichter der Gesellschaft sind.» Er hoffe, dass bei einigen der Aha-Effekt eintritt, wenn sie sehen, welche Geschichten die Bilder begleiten.

Das Ergebnis überrascht

Die Idee hinter dem Projekt scheint aufzugehen: «Hey, da ist ja mein Götti», sagt ein Mädchen zu ihrer Mutter, während sie Hand in Hand durch den Porträt-Dschungel gehen. «Diesen Mann kenne ich. Den habe ich schon oft am Marktplatz gesehen», sagt ein älterer Mann zu seiner Frau. Immer mehr Besucher bleiben vor den Bildern stehen, beginnen Gespräche. Eine Frau nimmt die ­Liste mit den Namen und den ­dazugehörigen Berufsbezeichnungen zur Hand. «Ich wundere mich, ob ich die Leute richtig eingeschätzt habe.» Hat sie nicht, wie sich kurze Zeit später herausstellt. «Spannend», kommentiert sie das Ergebnis.

Was mit den 99 Fotografien nach der Offa passiert, weiss Jürg Niggli noch nicht. «Wir führen bereits Gespräche mit verschiedenen Organisationen, ob wir die Bilder nach der Messe bei ihnen ausstellen können.»

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