Suche nach Lehrlingen geht weiter

ST.GALLEN. Noch immer sind in der Stadt diverse Lehrstellen frei – mit Stellenantritt nach den Sommerferien. Besonders Sanitärbetriebe und Coiffeurgeschäfte suchen noch Nachwuchs. Es sei schwieriger geworden, die Stellen zu besetzen.

Christina Weder
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Nicht nur dieses Coiffeurgeschäft in der Stadt bietet noch eine freie Lehrstelle an. (Bild: Peer Füglistaller)

Nicht nur dieses Coiffeurgeschäft in der Stadt bietet noch eine freie Lehrstelle an. (Bild: Peer Füglistaller)

Kurz vor den Sommerferien sind in St.Gallen viele Lehrstellen noch frei – und zwar in diversen Berufen. Besonders gesucht sind angehende Coiffeure, Köche und Sanitäre, wie ein Blick in den Lehrstellennachweis «Lena» zeigt. Nicht weniger als 13 Coiffeur-Lehrstellen sind in der Stadt ausgeschrieben – mit Lehrbeginn nach den Sommerferien. Nadja Stalder, welche bei «Hairstylist Pierre» für die Lehrlinge zuständig ist, sagt: «Wir sind sehr spät dran.» In den letzten zwei Jahren sei es schwieriger geworden, die Lehrstellen zu besetzen.

Geburtenschwache Jahrgänge

Mauro Tiberi, Präsident des kantonalen Verbands Coiffure-suisse, bestätigt die Mühen bei der Lehrlingssuche. Er macht mehrere Gründe dafür verantwortlich – allen voran die geburtenschwachen Jahrgänge, die nun aus der Schule kommen.

Hinzu komme, dass bei vielen Bewerbern die schulischen Leistungen nicht ausreichten. «Auch als Coiffeur braucht es ein gewisses Bildungsniveau», sagt er, «wir sind keine Alibi-Übung.» In seiner Branche müsse man gut reden können, dürfe nicht zu schüchtern sein. Er hat das Auswahlverfahren in seinem Geschäft verschärft, stellt nur noch Sekundar- und sehr gute Realschüler ein.

Tiberi nimmt aber auch die Eltern in die Pflicht. Viele würden den eigenen Nachwuchs überschätzen und ihn antreiben, die Schulbank zu drücken. «Sie sehen in ihm eher den Akademiker als den Handwerker.» Handwerksberufe gerieten dabei ins Hintertreffen.

Die geburtenschwachen Jahrgänge machen sich auch in der Gastrobranche bemerkbar. Mindestens acht städtische Betriebe suchen noch Kochlehrlinge. René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St.Gallen, ist zuversichtlich, dass einige Lehrstellen noch besetzt werden. «Es gibt viele Jugendliche, die sich für den Beruf als Koch begeistern» – trotz Arbeitszeiten am Wochenende und am Abend.

Hohe Anforderungen

Mindestens zwölf Lehrstellen sind bei den Sanitären noch offen, fünf bei den Heizungsmonteuren. Stefan Wirth, Co-Geschäftsleiter der Sanitär Wirth AG, hört rundherum, dass der Nachwuchs fehlt. Für die beiden offenen Lehrstellen in seinem Betrieb haben sich vor allem Absolventen einer Klein- oder Realklasse beworben. Doch die Anforderungen seien höher, sagt Wirth: «Mathematik und räumliches Denken sind unentbehrlich.» Statt zwei Lehrlingen hat er bis jetzt erst einen Praktikanten gefunden und eingestellt.

Remo Spescha, Präsident des Gebäudetechnikverbands Suissetec St.Gallen, bestätigt die Mühen bei der Nachwuchssuche. Er vermutet ein Imageproblem dahinter. Montageberufe seien zu wenig anerkannt. Zu Unrecht, sagt er. «Wir werden massiv unterschätzt.» Klima und Energie seien aktuelle Themen.

Doch die Berufsbezeichnungen seien wohl «zu wenig sexy». Schulabgänger könnten sich nur wenig darunter vorstellen. Deshalb habe man begonnen, die Berufe in den Schulen vorzustellen. Spescha ist überzeugt: «Wer gut ist, kann viel erreichen.» Es brauche nur den Willen dazu.