Studentinnen ohne Rolex-Uhr

Unterwegs mit dem Porsche von Daddy, eine teure Uhr am Handgelenk und ja nicht selber für den ganzen Luxus arbeiten. Diese Vorurteile gegenüber HSG-Studenten treffen aber längst nicht auf alle zu.

Nadine Hitz
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Maiko Reutimann (Bild: Nadine Hitz)

Maiko Reutimann (Bild: Nadine Hitz)

ST. GALLEN. Für die Assessmentstudenten der HSG brach diese Woche eine neue Ära an. Viel Selbststudium und zugleich oftmals auch der Auszug aus dem «Hotel Mama» verlangt von ihnen ab jetzt eine erhöhte Selbständigkeit. Entgegen den Vorurteilen vieler werden dabei aber längst nicht alle weiterhin von den Eltern finanziell unterstützt. Nicht wenige HSGler müssen oder möchten neben der Uni arbeiten. Besonders für die neuen Studenten ist es aber nicht leicht, abschätzen zu können, wie viel Arbeiten neben dem Studium drinliegt. Zwei Studentinnen, die bereits von Beginn weg arbeiteten, erzählen, wie dies für sie war.

Selbstdisziplin ist gefragt

Die erste heisst Maiko Reutimann und ist 21 Jahre alt. Sie arbeitet, damit ihre Eltern nicht gänzlich für ihren Lebensunterhalt aufkommen müssen. Letzte Woche fing sie ihren Nebenjob in einem St. Galler Club an, wo sie einen Abend pro Woche bei der Garderobe arbeitet. Daneben hat sie als Promoterin durchschnittlich zwei Einsätze und als Betreuerin bei einem Freizeitprogramm für behinderte Kinder jeweils einen Arbeitstag pro Monat. Letztes Jahr arbeitete Reutimann zudem 20 Prozent als Serviceangestellte. Einen Job zu finden, bei dem man praktische Erfahrungen zum Studium sammeln kann, sei im Assessmentjahr ohne gute Kontakte nicht möglich, meint sie. Und bei Praktika sei das Problem, dass diese meistens erst ab einem 80-Prozent-Pensum angeboten würden.

Grundsätzlich ist Reutimann der Meinung, man könne schon im ersten Jahr neben dem Studium arbeiten, 40 Prozent sollten mit einer guten Portion Selbstdisziplin machbar sein. «Es hängt aber immer davon ab, wie stark man sich sonst noch in Vereinen engagiert», sagt sie. Gleich bei drei Vereinen der Uni St. Gallen war sie im letzten Jahr stark aktiv.

Teufelskreis mit Stipendien

Jessica Jordi stand schon mit jungen 18 Jahren komplett auf eigenen Beinen: Miete, Studium und alles drumherum muss sie aus der eigenen Tasche finanzieren. Zurzeit durchläuft sie die ersten Arbeitstage als Verkäuferin in einem Möbelhaus, wo sie eine 30-Prozent-Stelle hat. Zudem ist auch sie bei einer Promo-Agentur angestellt. Letztes Jahr arbeitete sie zwischen 60 und 80 Prozent, hauptsächlich als Kellnerin in einer Beiz in der St. Galler Altstadt. Dort ist sie nun nur noch ab und zu als Aushilfe tätig. Empfehlen tut sie aber kein Pensum über 40 Prozent. Sie selber hatte vor einem Jahr jedoch keine andere Wahl. «Noch bevor mein Stipendiengesuch überprüft wurde, war ich bereits auf ein gesichertes Einkommen angewiesen.»

Für Sport und andere Hobbies war kaum Zeit, oder die Müdigkeit am Abend war schlicht zu gross. Die Stipendien hat Jordi wegen Komplikationen erst rund neun Monate nach Einreichung des Gesuchs erhalten. Da sie aber zu diesem Zeitpunkt schon gearbeitet hatte, wurden ihr rund 14 000 Franken wieder abgezogen, übrig blieben gerade mal 5200 Franken. «Ein Teufelskreis, aus dem ich nun mit einem möglichst kleinen Pensum auszubrechen versuche», sagt Jordi. Ein Praktikum wäre zwar spannender, liege aber wegen des geringen Lohns nicht drin.