«Stromgitarren» im Talhof

In der Jugendbeiz Talhof können Jugendbands auftreten. Damit will das Jugendsekretariat Newcomern die ersten Bühnenerfahrungen ermöglichen. Morgen tönt es französisch und rockig.

Janina Gehrig
Drucken
Teilen
Mirabeaux im Proberaum: Isabelle Rordorf und Dominik Burkolter geben ihren Songs den letzten Schliff. (Bild: Ralph Ribi)

Mirabeaux im Proberaum: Isabelle Rordorf und Dominik Burkolter geben ihren Songs den letzten Schliff. (Bild: Ralph Ribi)

Kabel und Songtexte liegen auf dem Boden, das Mikrophon wird eingestellt, die Töne abgestimmt. Im Keller der Geltenwilenstrasse 2 richten sich Isabelle Rordorf und Dominik Burkolter für die letzte Probe vor dem morgigen Konzert ein. Zusammen sind sie Mirabeaux, und sie legen an diesem Dienstagabend mit Gitarre und Klavier los. Dann setzt die melodiöse Stimme von Isabelle Rordorf ein. Zuerst melancholisch und schwermütig, dann kraftvoll und bestimmt. Die französischen Lieder handeln von Enttäuschung und verlorenem Vertrauen, verwelkten Blumen und gebrochenen Herzen – aber auch von Freiheit unter grauem Himmel.

Am liebsten unbekannte Bands

Mirabeaux ist eine der drei «jungen» Bands, die morgen auf der Bühne der Jugendbeiz Talhof stehen werden. Unter dem Konzept «Newcomer» holt das Jugendsekretariat seit August jedes dritte Wochenende im Monat junge Bands auf die Bühne. «Am liebsten sind uns unbekannte Gruppen ohne Bühnenerfahrung», sagt der Sozialpädagoge Virgil Ebneter. Im Vorfeld werde ein Vertrag mit den Jugendlichen abgeschlossen, Plakate und Flyers gedruckt. Für das Verteilen und Aufhängen sind die Bandmitglieder selbst verantwortlich. Denn Ebneter ist wichtig, «dass die Jugendlichen den Anlass mittragen und selbst dazu beitragen, bekannt zu werden».

Bisher hätte «Stromgitarrenmusik» die Konzertabende dominiert. Das Jugendsekretariat und die Betriebsgruppe seien aber offen für vieles: «Es kann auch mal ein DJ-, Hip-Hop- oder Jazz-Abend werden», sagt Ebneter. Pro Abend treten zwei bis drei Bands auf. Er hoffe auf viele weitere Anmeldungen. «Ich bin überrascht, wie es den Jugendlichen gelingt, mit wenigen technischen Mitteln gute Musik zu machen.» Er habe selber mal Musik gemacht und wisse, wie wichtig es sei, Erfahrungen zu sammeln und sich vor Publikum zu präsentieren.

Froh um Plattform

Tatsächlich «sehr froh darum» sind Mirco Walser, Felix Schwalbe, Patrik Haslauer und Marco Isele von der Band Sherlock and the Homeless. Die 18jährigen Lehrlinge aus Wil stehen morgen als zweite Band auf dem Programm und treten mit selbst geschriebenen Texten, Schlagzeug, E-Gitarren und Bass auf.

Als dritte Band ist in letzter Minute Expensive Trash Club dazugekommen, die Indierock spielt.

«Es ist cool, dass wir diese Plattform zum Auftreten bekommen haben», findet auch Isabelle Rordorf von Mirabeaux. Die 27-Jährige hat bereits in einem Jazztrio als Rhythmusgitarristin gespielt. Nun treten sie und Dominik Burkolter erstmals unter dem Namen Mirabeaux auf. «Unsere Musik ist von Jazz, Blues und Rock inspiriert», sagt Rordorf.

Paris begleitet durch St. Gallen

Ein bisschen nervös sei er schon vor dem Auftritt, sagt Pianist Burkolter. Dann tun sie wohl das Beste, was man tun kann in dieser Situation: Mirabeaux probt weiter. Beim Gang durch das winterliche St. Gallen klingt «Paris mon amour», das auf einen sommerlichen Spaziergang durch Paris entführt, nach.

Aktuelle Nachrichten