Strom und Wärme gleichzeitig

Blockheizkraftwerke sind höchst effizient und helfen, den Energieverbrauch zu senken. Die Stadt würde gerne mehr davon bauen und betreiben. Um dies zu finanzieren, beantragt der Stadtrat einen Kredit von fünf Millionen Franken.

Roger Berhalter
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Pilotprojekt Birnbäumen: Die neue Überbauung wird schon jetzt mit zwei Blockheizkraftwerken geheizt. (Bild: Urs Jaudas)

Pilotprojekt Birnbäumen: Die neue Überbauung wird schon jetzt mit zwei Blockheizkraftwerken geheizt. (Bild: Urs Jaudas)

Noch scheint das Jahr 2050 weit weg. Und doch ergreift die Stadt schon jetzt Massnahmen, um den Energieverbrauch bis dahin zu halbieren (siehe Kasten). Eine Schlüsseltechnologie in diesem Zusammenhang sind die sogenannten Blockheizkraftwerke. Diese produzieren gleichzeitig Strom und Wärme, und sie tun dies mit einem sehr hohen Wirkungsgrad. Dabei treibt ein Motor einen Generator an, der Elektrizität erzeugt. Die Abwärme der Anlage wird für Heizung und Warmwasser genutzt.

Aktuell 20 Blockheizkraftwerke

Heute sind in der Stadt schon etwa 20 solcher Kraftwerke in Betrieb, wie der Stadtrat in einer Vorlage an das Stadtparlament schreibt. Sie sind mit Erdgas betrieben und kommen dort zum Einsatz, wo Fernwärme fehlt und in den nächsten Jahren auch nicht geplant ist. Gemäss dem Energieplan der Stadt ist dies zum Beispiel in Teilen von Winkeln, Bruggen, St. Georgen, Riethüsli und Rotmonten der Fall.

Um mehr von diesen Anlagen zu bauen und als Dienstleister zu betreiben – sei es als Grossanlage für eine ganze Überbauung oder als «Mini-Kraftwerk» in einem Mehrfamilienhaus – beantragt der Stadtrat einen Rahmenkredit von fünf Millionen Franken. Dieser soll den Investitionsbedarf bis 2016 decken. Für die Legislatur 2017 bis 2020 ist ein weiterer Kredit vorgesehen.

Bei Neubauten sinnvoll

Zwei Pilotprojekte – im Quartier Birnbäumen und an der Sonnmattstrasse in Russen – stimmen den Stadtrat positiv, was Blockheizkraftwerke betrifft. Eine Heizzentrale mit zwei solchen Kraftwerken sowie einem Gaskessel versorgt die Mehrfamilien- und Reihenhäuser an der Meienbergstrasse und am Taeuberweg mit Wärme. Dieses Pilotprojekt habe bewiesen, dass ein solcher Nahwärmeverbund «für eine Neuüberbauung eine technisch, energetisch und wirtschaftlich geeignete Lösung darstellt», schreibt der Stadtrat. Zwar sei der Betrieb «aktuell knapp nicht kostendeckend», doch zeichne sich für die Zukunft «ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen klar ab».

Technisch anspruchsvoll

Ein Blockheizkraftwerk zu bauen, ist gemäss Stadtrat «technisch und betrieblich anspruchsvoll». Die St. Galler Stadtwerke hätten aber mittlerweile das nötige Know-how und möchten künftig häufiger solche Anlagen planen, bauen und betreiben: Energie-Contracting wird die Dienstleistung genannt.

Wer sich einem Nahwärmeverbund anschliessen oder die Stadtwerke als Energie-Contractor engagieren möchte, für den hat die Stadt entsprechende Geschäftsmodelle entwickelt. Der Kunde verpflichtet sich dabei für 15 Jahre und hat danach die Wahl, ob er einen weiteren Vertrag mit der Stadt abschliessen oder die Anlage selber betreiben möchte. Abgerechnet wird ähnlich wie bei der Fernwärme. Die Stadt rechnet pro Jahr mit fünf bis zehn neuen Verträgen und zählt mehrere Vorteile auf: So seien die Anlagen wartungsarm, ein sicherer Betrieb sei gewährleistet, und nicht zuletzt heize man mit einem umweltfreundlichen System.

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