Strom und Wärme aus Müll

Das Kehrichtheizkraftwerk im Sittertobel wird gegenwärtig umfassend modernisiert. Die Arbeiten dauern noch ein Jahr und kosten 53 Millionen Franken. Ein Rundgang auf der Baustelle.

Hasan Can Tutal
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Die Bunker wird bis zur ARA (links) erweitert und der Annahmeprozess für Grosskunden automatisiert. Der alte Kamin (l.) muss deshalb weichen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Bunker wird bis zur ARA (links) erweitert und der Annahmeprozess für Grosskunden automatisiert. Der alte Kamin (l.) muss deshalb weichen. (Bild: Ralph Ribi)

Das Kehrichtheizkraftwerk (KHK) im Sittertobel wird derzeit saniert. Parallel dazu läuft der Betrieb weiter. Bagger und Verbrennungsöfen verrichten ihre Arbeit nebeneinander. «Die neuen Maschinen und Systeme werden schrittweise in Betrieb genommen und an die neuen Arbeitsprozesse angepasst», erklärt Andreas Beer. Der pensionierte Ingenieur ist im Kehrichtheizkraftwerk als Besucherführer tätig.

Steigende Anforderungen

Bis im Juni nächsten Jahres soll die Anlage mit erweitertem Bunker, grösserer Logistikhalle und neuer Trafostation, einem neuen Kamin und neuem Elektrogebäude fertiggestellt sein. Die Erweiterungen dienen zum einen der Steigerung der Effizienz, andererseits sind auch die 43 Jahre alten Einzelteile den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Mit 2500 Kubikmetern ist der Bunker relativ klein. Damit im Kehrichtheizkraftwerk künftig auch Abfälle zwischengelagert werden können, wird der Bunker auf 5700 Kubikmeter, auf mehr als das Doppelte seiner heutigen Grösse, ausgebaut. «Dies ist wichtig, weil je nach Saison die Nachfrage nach thermischer Energie aus dem Heizkraftwerk stark variiert, Abfall aber mehr oder weniger konstant angeliefert wird», sagt Beer. Die Arbeiten schreiten plangemäss voran. 2016 soll der neue Bunker stehen.

Die beiden Brennöfen wurden bisher manuell mit einem Kran beschickt. Kranführer hoben dabei das Brennmaterial aus einer Mischung aus Haushalts- und Industriemüll heraus. Hier wurden bereits grundlegende Veränderungen vollzogen, unter anderem ist der neue Shredder schon im Einsatz. Er zerkleinert Abfälle zu homogenem «Futter» (Brennmaterial) mit konstantem Brennwert. Möglichst bald soll auch der Kran, der momentan noch manuell bedient wird, computergesteuert die Öfen mit diesem «Futter» versorgen.

Neubau oder Ausbau?

Wäre bei so viel Aufwand ein neues Kehrichtheizkraftwerk nicht die einfachere Lösung gewesen? Das KHK abzureissen und von Grund auf neu zu bauen wäre in vielerlei Hinsicht, doch vor allem wegen der Kosten, ein kompliziertes Unterfangen. «Nebst der Konzipierung einer neuen Anlage müsste in dieser Zeit auch der Abfall der Region anderswo entsorgt werden», sagt Andreas Beer. Das käme, ganz zu schweigen von der Umweltbelastung, die der Transport verursachte, teurer zu stehen.

Nach Ende des Umbau's soll das Kehrichtheizkraftwerk jährlich an die 100 Gigawattstunden (GWh) Heizenergie erzeugen. Das sind knapp 50 Prozent mehr als bis anhin. 1972 wurde das Werk im Sittertobel als Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) erbaut und 17 Jahre später zu einem Kraftwerk erweitert, um die Stadt mit elektrischer und thermischer Energie zu versorgen. Das Kraftwerk erzeugt unter Normalbedingungen durch die Verbrennung von 75 000 Tonnen Abfall 65 GWh Heizenergie und 35 GWh Strom. Das macht fünf beziehungsweise sieben Prozent des Verbrauchs der Stadt aus und erspart den Verbrauch von 6500 Tonnen Heizöl.

Andreas Beer Besucherführer auf der KHK-Baustelle (Bild: Ralph Ribi)

Andreas Beer Besucherführer auf der KHK-Baustelle (Bild: Ralph Ribi)