Strom-Bauern müssen warten

ST. GALLEN. Die kostendeckende Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbarer Energie löste einen Boom aus – auch bei den Bauern im Kanton St. Gallen. Doch nun ist vorläufig Pause: Dem Bund ist bereits das Geld ausgegangen.

Andreas Kneubühler
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Einnahmen aus Solarstrom als Altersversorgung: Die Landwirte entdecken den Strom auf dem Scheunendach. (Bild: pd)

Einnahmen aus Solarstrom als Altersversorgung: Die Landwirte entdecken den Strom auf dem Scheunendach. (Bild: pd)

Seit 2009 zahlt der Bund für Strom aus erneuerbarer Energie eine kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Sie wird über einen Zuschlag auf den Strompreis finanziert. Die Einführung ist eine Erfolgsgeschichte – eine allerdings, die jäh ins Stocken geraten ist.

Bereits anfangs Februar gab nämlich der Bund bekannt, dass die dafür vorgesehenen Mittel von 250 Mio. Franken für Strom aus Wasserkraftanlagen, Photovoltaik, Windenergie, Geothermie oder Biomasse bereits ausgeschöpft sind. Alle nicht berücksichtigten Projekte kämen auf eine Warteliste – und die ist bereits sehr lang. Bei den Photovoltaikanlagen erhält beispielsweise nur etwa ein Drittel aller bewilligungsreifen Projekte eine Einspeisevergütung. Die Nachfrage war sogar derart gross, dass die Mittel, die für Solaranlagen reserviert waren, bereits am ersten Anmeldetag ausgeschöpft waren.

Boom auch im Kanton St. Gallen

Zu einem Boom kam es auch im Kanton St. Gallen. Dort unterstützt die Landwirtschaftliche Kreditkasse (LKK) Bauernbetriebe, die auf den Dächern der Häuser oder Scheunen Solaranlagen installieren wollten. Bis zum Sommer 2008 hatten sich 25 Interessenten angemeldet, dann war klar, dass dem Bund das Geld ausgegangen war.

Die Landwirte gehörten zu denjenigen neuen Produzenten von grünem Strom, mit denen die Planer beim Bund offensichtlich nicht gerechnet hatten. Bei diesen Projekten geht es nämlich nicht um kleine Anlagen: Investiert würden jeweils zwischen 200 000 bis 300 000 Franken. Dafür kämen nur Betriebe in Frage, die eine gute Vermögenslage ausweisen und die Mittel nicht für andere Investitionen benötigen, erklärt Roger Peterer, Leiter des Landwirtschaftsamtes.

Die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) ist auch ein entscheidender Faktor für den Ausbau von Kleinwasserkraftwerken. Dies zeigt sich beispielsweise bei der Anlage der Glattstrom Buchholz AG. Sie läuft seit 2006, doch die Stromproduktion blieb bisher unter den Erwartungen. Der Grund: Ein Zufluss bringt weniger Wasser als angenommen. Seit 2009 erhält nun die Betreiberin für die kommenden 25 Jahre dank der Einspeisevergütung netto 24 Rappen statt wie bisher 15 Rappen pro Kilowattstunde. Der Effekt: Ohne KEV würde die Anlage sieben bis acht Jahre länger brauchen, bis sie rentabel ist, erklärt Ivo Scherrer, Geschäftsleiter der Entegra AG.

Das Potenzial für die Nutzung für Wasserkraft ist weiterhin gross. Es gebe gleich mehrere Projekte im Toggenburg, die momentan in Planung seien, weiss Scherrer. Doch auch hier stocken die Arbeiten, weil der Bund keine Zusagen für Einspeisevergütungen mehr machen kann. Dabei wäre eine kontinuierliche Planung wichtig. Die Vorlaufzeiten für neue Anlagen sind lang. Bereits beim Vorprojekt muss die Zusage für die Einspeisevergütung eingeholt werden. Danach bleiben vier Jahre Zeit, um das Kleinwasserkraftwerk zu realisieren, sonst verfällt der Vertrag.

Bald wieder Mittel?

Einiges spricht allerdings dafür, dass der Bund bald zusätzliche Gelder bereitstellen wird und damit die Erfolgsgeschichte weitergehen könnte. Es gibt dazu breit abgestützte Vorstösse im Parlament und den Auftrag von Bundesrat Leuenberger an sein Departement, mögliche Lösungen vorzubereiten. Entscheide stehen allerdings noch aus.

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