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STRICKTAG: Eine Zugfahrt für die Handarbeit

Die Rorschacherin Erika Müller lancierte am Internationalen Stricktag eine besondere Zugfahrt: 34 Frauen fuhren mit ihren Handarbeiten rings um den Säntis. Ihre Aktion stiess bei bei Passagieren auf Interesse.
Gabi Heussi
Fleissige Hände: Für manche ist Stricken Meditation. (Bild: Gabi Heussi)

Fleissige Hände: Für manche ist Stricken Meditation. (Bild: Gabi Heussi)

Um 9.27 Uhr fährt die S4 im Bahnhof St. Gallen ein. An zwei Wagenfenstern kleben Zettel, Strickzug ist darauf zu lesen. Eine Gruppe von Frauen mit bunten Taschen steigt ein und wird von der Rorschacherin Erika Müller von Handarbeiten Müller herzlich begrüsst. Schnell finden die Damen einen Sitzplatz zwischen weiteren Frauen, die in ihre Handarbeiten vertieft sind.

Schönste Handarbeiten in allen Farben und Formen sind am Entstehen. Ob für sich oder die Kinder, Enkel oder ganz Fremde – das spielt den fleissigen Frauen keine Rolle. Hauptsache Handarbeiten, damit etwas Sinnvolles gestalten und Ruhe finden. «Für mich ist das wie meditieren. Da kann ich mich völlig entspannen», sagt die Dame im hellblauen Strickpullover mit passender Stickjacke. Alles selber gestrickt natürlich.

Idee entstand vor einem Jahr

Vor dem Fenster ziehen das Appenzell, der Ricken und schon bald die Linthebene vorbei. Ein weiterer Halt steht bevor und schon steigen in Ziegelbrücke weitere Frauen mit Stricknadeln ein. Dank der Plakate an den Fenstern finden auch sie die Strickrunde sofort und packen ihre Handarbeiten aus. Nun sind alle beisammen. 34 Frauen, ein Mann und zwei Jugendliche fahren mit. Die beiden Jugendlichen jedoch ohne Strickzeug, lediglich als Begleitung der Mutter. Und die Hoffnung, einen strickenden Mann anzutreffen, verfliegt schnell. «Nein, ich begleite einfach meine Frau und geniesse die tolle Rundfahrt.» Die Idee des Strickzuges hatten die beiden Atelierbesitzerinnen Erika Müller aus Rorschach und Regula Mächler aus Kaltbrunn bereits vor einem Jahr. Erika Müller führte in den vorangegangenen Jahren Anlässe zum Stricktag durch. Mehrmals strickte sie in der Rorschacher Badhütte für einen guten Zweck. Im Laufe der Zeit kamen aber immer weniger Frauen und so ist sie froh, nun diese neue Idee umgesetzt zu haben. «Der Rundzug bringt dem ganzen Stricktag eine völlig neue Möglichkeit», sagt Erika Müller. So stiegen die ersten Frauen morgens um neun Uhr in Rorschach ein, und wenn sie genug hatten verliessen sie den Zug nach der ersten Runde um zwölf Uhr wieder in Rorschach. Dazwischen liegen unzählige Kilometer mit wunderschönen Landschaften und natürlich ganz vielen Metern verarbeiteter Wolle oder Garn.

Der Boom, den das Handarbeiten wieder erlangt hat, bringt es mit sich, dass auch jüngere Teilnehmerinnen im Strickzug mitfahren. Die junge Zürcher Oberländerin häkelt im Zug eine Decke und erzählt, wie sie im Internet Plattformen nutzt, um Muster zu suchen, knifflige Fragen erklärt erhält oder sich einfach mit anderen Handarbeits-Freaks austauscht. Eine weite Anreise nahm eine Dame aus Deutschland in Kauf. Sie reist über eine Stunde an, um in St. Margrethen den Strickzug zu besteigen. «Via Internet bin ich auf dieses Angebot gestossen und freue mich, nun mitreisen zu können.» Die Zeit fliegt so schnell wie die Landschaft am Zug vorbei. Da kommt eine frische Abwechslung sehr willkommen. Regula Mächler offeriert ein Gläschen Sekt und freut sich, mit ihren vielen Gästen und ihrer Mitorganisatorin anzustossen – was im fahrenden Zug nicht ganz einfach ist. Schon ist der Zug bereits wieder in Rorschach. Die ersten Damen steigen aus. Fast etwas traurig, dass ihr Strick-Erlebnis schon beendet ist.

Im Zug wurde viel gestrickt und gehäkelt an diesem Internationalen Stricktag. Aber es wird auch viel gelacht und geplaudert. «Es ist etwas lauter als sonst im Wagen», sagt der junge Herr, der sich vorbei an den strickenden Frauen schlängelt. Die beiden Organisatorinnen planen, den Strickzug auch im nächsten Jahr wieder anzubieten.

Gabi Heussi

redaktionot@tagblatt.ch

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