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STREITPUNKT: Zwei Windräder im Gegenwind

Zwei Windkraftanlagen sollen beim St. Anton in Oberegg errichtet werden. Die Fronten zwischen Initianten und Gegner sind längst verhärtet. Sie streiten über Landschaftsschutz und Schattenwurf.
Mit der Windenergie von St. Anton könnte Strom für 40 Prozent der ­Innerrhoder Haushalte erzeugt werden.Visualisierung: PD

Mit der Windenergie von St. Anton könnte Strom für 40 Prozent der ­Innerrhoder Haushalte erzeugt werden.Visualisierung: PD

Das umstrittene Vorhaben mit dem Bau zweier Windkraftanlagen beim St. Anton steht vor wegweisenden Wochen. Zurzeit prüfen die kantonalen Behörden die Machbarkeitsstudie und den Bericht zur Umweltverträglichkeitsprüfung. «Wir erwarten bis spätestens im Frühling einen Entscheid», sagt Markus Ehrbar, Verwaltungsrat der Appenzeller Wind AG.

Bei einem positiven Bescheid des Kantons liegt der Ball anschliessend beim Grossen Rat. Er muss darüber befinden, ob der vorgesehene Standort Honegg/Oberfeld definitiv in den Richtplan aufgenommen werden soll. Auch ein Nutzungsplan wird noch erstellt. Danach könne die Baueingabe beim Bezirk Oberegg erfolgen, sagte Ehrbar. Er hebt die Vorteile des rund 20 Millionen Franken teuren Projekts hervor. Die gemessenen Windverhältnisse auf der Honegg seien für Schweizer Verhältnisse sehr gut, betonte Ehrbar. Zudem lasse sich der Standort optimal erschliessen. Windstrom werde vor allem im Winter erzeugt, wenn der Strombedarf höher ist. Dieser werde trotz aller Sparanstrengungen künftig eher steigen. Als Grund dafür nannte Ehrbar unter anderem die Elektromobilität.

Umliegende Gemeinden leiden, andere profitieren

Gegen die Nutzung der Windenergie im Gebiet Honegg ist Dino Duelli. Er gehört der IG Pro Landschaft AR/AI an. Duelli hält den Standort für ungeeignet. Der Energieertrag sei im Vergleich zu den Eingriffen in die Natur ungenügend, sagt er. Duelli erwähnte zudem den Abstand der Wind­räder zu den umliegenden Häusern. Mit nur 300 Metern sei dieser zu klein. Duelli zählte in diesem Zusammenhang Beispiele aus dem benachbarten Ausland aus. Dort müssten Windenergieanlagen bis zu 1,2 Kilometer von bewohnten Gebieten entfernt sein.

Duelli kritisierte auch die unfaire Verteilung der Vor- und Nachteile des Vorhabens. Die umliegenden Gemeinden würden die Hauptlasten in Form von Emissionen, einer Verschandelung der Landschaft und tieferen Häuserpreisen tragen. «Diese Gemeinden gehen finanziell jedoch leer aus», gab Duelli zu bedenken.

15 Prozent des Stromverbrauchs decken

Katja Breitenmose, Geschäftsführerin der Standortorganisation Appenzellerland über dem Bodensee (AüB) mit Rober Giger, Anwohner und Mitbegründer der Anlage Calandawind, und Heidi Schweizer haben selbst bereits Erfahrungen mit Windenergie gesammelt. Letztere wohnt in der Nähe des Windparks Saint Brais. Die Gemeinde im Jura ist bis heute gespalten. Schweizer führt dies auf die seinerzeit fehlende Mitsprache der Einwohnerinnen und Einwohner beim Energieprojekt zurück. In Haldenstein hingegen konnte die Gemeindeversammlung darüber abstimmen. Als grösstes Problem von Grosswindkraftanlagen bezeichneten Giger und Schweizer den Schattenwurf. Beim Lärm hingegen spiele die Windrichtung eine Rolle, sagte die Gastrednerin aus dem Jura.

Ausserrhoden könnte rund 15 Prozent des aktuellen Stromverbrauchs mit Windstrom decken. Dafür müssten allerdings die drei potenziellen Windenergiestandorte Hochhamm, Hochalp und Suruggen genutzt werden, wie Regierungsrat Dölf Biasotto sagt. Es brauche eine Konzentration auf wenige, dafür möglichst geeignete Gebiete. Eine «Verspargelung des Appenzellerlands mit vielen Windenergieanlagen dürfe es nicht geben. (cal)

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