Streit um einen verhagelten Wohnwagen

Die Meldung eines angeblichen Hagelschadens war Versicherungsbetrug. Das Kantonsgericht stützt ein entsprechendes Urteil des Kreisgerichts St. Gallen.

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Der 54jährige Eigentümer eines Wohnwagens ist im März vom Kreisgericht wegen versuchten Betrugs mit einer unbedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 130 Franken bestraft worden. Da er im November 2013 bedingt aus dem Strafvollzug wegen eines anderen Delikts entlassen worden war, beschloss das Gericht zudem die Rückversetzung ins Gefängnis. Von den acht Monaten Freiheitsstrafe hatte er rund fünf Monate abgesessen. Nun sollte er die restlichen 80 Tage auch noch verbüssen.

Berufung gegen Urteil eingelegt

Gegen das Urteil reichte der Schweizer Berufungsklage ein und verlangte vom Kantonsgericht einen Freispruch von Schuld und Strafe. Die Anklage warf dem Mann vor, dass er seiner Versicherung einen Hagelschaden am Dach des Wohnwagens meldete, obwohl der schon beim Kauf bestanden hatte. Im Kaufvertrag war der Schaden berücksichtigt worden. Der Versicherung gab er an, der Hagelschaden sei auf einer Reise in Russland entstanden. Ein Experte schätzte, dass eine Entschädigung von 6000 bis 7400 Franken gerechtfertigt sei. Die Versicherung schöpfte jedoch Verdacht und verweigerte die Zahlung.

Wann meldet man einen Schaden an?

Der vorsitzende Richter hielt dem Beschuldigten in der Berufungsverhandlung vor, er habe einen Schaden gemeldet, obwohl er vorher nicht abgeklärt habe, dass tatsächlich ein neuer entstanden sei. Gerade weil er eine einschlägige Vorstrafe wegen Versicherungsbetrugs habe, sei sein Vorgehen unverständlich. Man müsse doch zuerst sicher sein, dass überhaupt ein Schaden existiere, bevor man ihn der Versicherung melde.

Der Beschuldigte stellte sich auf den Standpunkt, das habe er beim Wohnanhänger gar nicht tun können. In Russland habe es tatsächlich gehagelt, was er mit Bildern beweisen könne. Er habe gedacht, er müsse dies der Versicherung melden, nicht dass er im Nachhinein einen Anhänger mit undichtem Dach habe. Er habe es als eine Art Dienstleistung der Versicherung verstanden, dass sie abkläre, ob ein neuer zum bereits bestehenden Schaden hinzugekommen sei.

Als er eine erneute Expertise eingeholt habe, bei der festgestellt worden sei, dass die Hagelkörner in Russland nur sehr geringe Schäden hinterlassen hätten, habe er die Schadensmeldung zurückgezogen. Das Kreisgericht St. Gallen hatte dem Mann allerdings vorgeworfen, er habe dies erst getan, als er von der Untersuchung gegen ihn erfahren habe.

Verteidigerin kritisiert Vorgehen der Versicherung

Die Verteidigerin plädierte auf Freispruch. Ihr Mandant habe die Versicherung nicht betrügen wollen. Hinter seinem Vorgehen stecke keine Arglist. Als Laie habe er nicht abschätzen können, welche Schäden vom neuen Hagel herrührten. Mit der vorsorglichen Schadensmeldung habe er sich absichern wollen. Die Versicherung habe ihren Mandanten wegen der Vorstrafe vorverurteilt. Auch sie treffe aber Schuld, da sie vor dem Abschluss der Police keine Abklärungen über den alten Schaden getätigt habe.

Das Kantonsgericht wies die Berufung in allen Teilen ab und bestätigte das Urteil der Vorinstanz. Die Verfahrenskosten von 2700 Franken muss der Beschuldigte bezahlen. (cis)