Streit um das Schulhaus-Projekt

Am Informationsabend zur Abstimmung über das Berger Schulhaus-Projekt am 30. November herrschte ein scharfer Ton. «Schönfärberei» lautete ein Vorwurf der Gegner, den Behördenvertreter mit «Ahnungslosigkeit» konterten.

Johannes Wey
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Bei einem Nein zur Schulhaus-Erweiterung muss ab 2016 auch in Provisorien unterrichtet werden. (Bild: Michel Canonica)

Bei einem Nein zur Schulhaus-Erweiterung muss ab 2016 auch in Provisorien unterrichtet werden. (Bild: Michel Canonica)

BERG SG. Die Fragen, die zum Ende der Informationsveranstaltung über den Schulhaus-Umbau gestellt wurden, waren mehrheitlich rhetorischer Natur. Antworten waren am Montagabend in der Berger Turnhalle kaum gefragt, vielmehr waren die Fragen Teil einer heftigen, teils gehässigen Diskussion vor rund 150 Zuhörern. Die Meinungen darüber, ob Berg sein Schulhaus für 6,4 Millionen Franken sanieren soll, gingen weit auseinander.

Diskussion spitzt sich zu

Ihren Höhepunkt erreichte die Diskussion, als Andreas Frei von der Gruppe Berg Plus die Finanzplanung des Gemeinderats als «Schönfärberei» ansah. Er kam bis zur Feststellung «Für mich ist dieser Finanzplan nicht viel wert», ehe er von Riccardo Frick, Präsident der Geschäftsprüfungskommission (GPK), unterbrochen wurde, weil es diesem «den Hut gelupft» habe vor so viel «Ahnungslosigkeit». Die Zahlen im Finanzplan habe er selber Stunden zuvor kontrolliert. «Man muss nicht immer schwarz- malen.» Und durch den Wackelkontakt, der die Lautsprecheranlage immer wieder verstummen liess, fühlte sich Frick darin bestätigt, dass man mit der Schulhaus-Sanierung und -Erweiterung nicht mehr länger zuwarten könne.

Auch Gemeindepräsident Paul Huber verteidigte das Projekt und die Finanzplanung. Den Vorwurf von Frei bezeichnete er als «böswillige Unterstellung». Bei einer Anfrage wäre er gerne bereit gewesen, die Zahlen in einem privaten Gespräch zu erklären. «Bis jetzt wurde uns von der GPK jeweils höchstens vorgeworfen, zu konservativ zu budgetieren.»

Effizient bei Energieeffizienz

Nebst den Kosten, die nach Meinung mehrerer Votanten zu hoch waren, wurde auch bemängelt, dass am Schulhaus zu wenig für die Energieeffizienz getan werde. Zum Beispiel, weil die Fassade des Altbaus keine Aussendämmung bekommen soll. Architekt Markus Bühler verteidigte das Vorhaben. «Die Fassade ist bei den meisten Schulhäusern nicht das Problem.» Die effizienteste Massnahme sei der Ersatz der Fenster, zumal viele Dächer schon gedämmt worden seien. Im übrigen würden der geplante Anbau und die sanierte Turnhalle Minergie-Standards genügen.

Obwohl die Mehrheit der Wortmeldungen kritisch war, erntete ein Befürworter des Projekts den lautesten Beifall. «Lassen wir uns von diesen unqualifizierten Aussagen nicht blenden», sagte der ehemalige Lehrer. Und bat den Gemeinderat inständig darum, die Werke des Berger Künstlers Walter Burger im Schulhaus zu erhalten.

«Es wird etappiert»

Vor dem Start der hitzigen Diskussion waren beim Informationsabend auch Neuigkeiten im Zusammenhang mit dem Schulhaus-Projekt zu hören gewesen. Etwa, dass die grosse Bautätigkeit, welche die Abstimmung Ende November überhaupt nötig macht, durchaus etappiert werden kann. Nachdem die Bauvorhaben im Dorf bekannt geworden waren, musste ein bereits an der Bürgerversammlung genehmigtes Sanierungsprojekt auf Eis gelegt werden. Das jetzige Projekt soll auch dem zu erwartenden Bevölkerungszuwachs genügen, sofern dieser nicht auf einen Schlag erfolgt. «Es wird eine Etappierung geben», sagte Paul Huber. Dies zeigten Verhandlungen mit einer der Bauherrschaften, der Gossauer Livum AG. Ob diese allerdings wie gewünscht über zehn Jahre geschehen könne, müsse sich noch zeigen. Das Projekt, über das die Berger am 30. November abstimmen, geht jedenfalls von einer Etappierung aus.

Und Schulratspräsidentin Anneliese Leitner hatte nochmals veranschaulicht, wie dringend zusätzlicher Schulraum in Berg ist. Ab 2016 brauche es unbedingt mehr Raum. Bei einem Nein zum vorliegenden Projekt müssten dann Provisorien errichtet werden. Schon heute «platzt die Schule aus allen Nähten». So finde etwa der Religionsunterricht im Pfarreiheim und der Schlagzeugunterricht in der Lehrer-Garderobe statt.