STREIT: Pfarreirat wirft den Bettel hin

Die kirchlichen Fronten sind verhärtet: Der Goldacher Pfarreirat wirft dem Kirchenverwaltungsrat vor, nur die Finanzen im Blick zu haben. Das sei seine Aufgabe, wehrt sich dieser. Auch das Pastoralteam erntet Kritik.

Jolanda Riedener
Drucken
Teilen

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Nur knapp anderthalb Jahre nach der Neuorganisation ist Schluss: Der gesamte Pfarreirat der St. Mauritiuspfarrei Goldach tritt zurück. «Die Fronten sind verhärtet», sagt Pfarreiratspräsident Manuel Gygax. Eine Zusammenarbeit mit der Kirchenverwaltung sowie dem Pastoralteam sei nicht mehr möglich.

Die Seelsorgeeinheit Region Rorschach wird seit 2016 unter einem Dach verwaltet, dazu gehören die Pfarreien St. Mauritius (Goldach), St. Magdalena (Untereggen) und St. Kolumban (Rorschach). Dies haben die katholischen Stimmbürger Ende 2014 entschieden.

Die Finanzen zählen, nicht der Mensch

Mit dem Fusionsprozess ist die Arbeit laut Gygax in der Pfarrei Goldach stark tangiert worden. Es habe Spannungen zwischen dem Pfarreirat und der Kirchenverwaltung sowie dem Pastoralteam gegeben. «Unsere Werte haben sich in verschiedene Richtungen entwickelt. Der Kirchenverwaltungsrat und das Pastoralteam haben sich immer mehr in die Arbeit des Pfarreirates eingemischt», sagt Gygax. Das sei er sich nach beinahe zehnjähriger Tätigkeit im Pfarreirat nicht gewohnt. Es sei wie bei einer Firma, man sei nur noch auf die Finanzen fixiert und nicht mehr nahe beim Bürger. «Unser Handlungsspielraum ist geschrumpft, und die Menschlichkeit geht immer mehr verloren», sagt Gygax. Etwas mehr als vier Jahre war er Vizepräsident von Guido Rupp, der kurz nach der Neuorganisation aus nahezu gleichen Gründen abgetreten sei. Nun tritt auch Gygax – seit Mai 2016 Pfarreiratspräsident – zurück.

«Jedes Pfarreiratsmitglied hat selber für sich entschieden, abzutreten», betont Gygax. Dieser Entscheid sei ein langer Prozess gewesen, der den Mit­gliedern schwer gefallen sei, da ihnen das Pfarreileben wichtig sei. Es spreche aber auch für sich, dass zwei Pfarreipräsidenten innerhalb von 13 Monaten zurückgetreten seien. «Davor hat es jahrelang funktioniert», sagt der Pfarreiratspräsident.

Die Aufgabe der Pfarrei ist laut Gygax, die Vielfalt an Organisationen innerhalb der Pfarrei zu pflegen und zu unterstützen: «Viele Freiwillige setzen sich mit viel Herzblut für die Pfarrei ein.» So sei dies zum Beispiel in der Jugendarbeit, im Kirchenchor oder in der Hospiz-Gruppe der Fall. «Bei uns stehen die Menschen an erster Stelle und nicht das Steuernsparen.» Es sei aber nicht alles schlecht, und es gebe auch Dinge, die gut laufen. Die abtretenden Räte hoffen auf einen Neuanfang: «Wir wünschen den Verantwortlichen der katholischen Kirche alles Gute und Gottes Segen», sagt Gygax. Immerhin mit dem Pastoralteam habe man sich noch ausgesprochen.

Verwaltung bedauert Rücktritt des Rats

«Es ist gemäss Verfassung Aufgabe der Kirchenverwaltung, haushälterisch mit den Finanzen umzugehen», sagt Stefan Meier, Verwaltungsratspräsident der Katholischen Kirche Region Rorschach. Auch mit der neuen Organisation stehen den drei Pfarreien gleich viel Mittel zur Verfügung. «Wir konnten bei einer guten Schlussrechnung einen Ertrag ausweisen, dieser soll in naher Zukunft der Pfarrei zur Verfügung gestellt werden», sagt Meier. Dem Kirchenverwaltungsrat sei es ein grosses Anliegen, auf die Interessen und Bedürfnisse der Kirchbürger einzugehen.

Die Aufgabenbereiche zwischen den Pfarreiräten und der Verwaltung seien entsprechend aufgeteilt. Diese Trennung hält Meier für sinnvoll. «Ich finde es schade, dass wir die Zusammenarbeit nicht fortführen können. Der Pfarreirat hat gute Arbeit geleistet», sagt Stefan Meier. Vom Rücktritt des Pfarreirats hat die Kirchenverwaltung vergangene Woche in einem Schreiben erfahren. Man habe den Dialog mit dem Pfarreirat gesucht, aber dazu sei es nicht mehr gekommen. Mit dem Rorschacher Pfarreirat und der Drehscheibe, dem Unteregger Pfarreiorgan, verläuft die Zusammenarbeit laut Meier in «hervorragendem Einvernehmen». So habe man sich Anfang Mai auch an einer Tagung austauschen können.

Nun ist es Aufgabe des Pastoralteams und Pfarreibeauftragten, einen Pfarreirat zu suchen.

Aktuelle Nachrichten