STREICHELEINHEITEN: Schlangen, Spinnen, ­Schnecken und Senioren

Am Seniorennachmittag in Eggersriet war der Walter-Zoo zu Gast. Die exotischen Tiere kamen nicht nur bei den Grosskindern gut an.

Noemi Heule
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Kinder und ihre Grosseltern zeigten beim Besuch des Walter-Zoos keine Berührungsängste. (Bild: Michel Canonica)

Kinder und ihre Grosseltern zeigten beim Besuch des Walter-Zoos keine Berührungsängste. (Bild: Michel Canonica)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Für einmal sinkt das Durchschnittsalter des Seniorennachmittags weit unter 50 Jahre. Grund dafür ist ein ganz spezieller Gast. Oder besser gesagt, deren vier. Der Walter-Zoo ist nämlich mit vier exotischen Tieren im Gepäck nach Eggersriet gereist. Viele Senioren haben zu diesem Anlass ihre Grosskinder mitgenommen. Sie nehmen in den vordersten Reihen Platz, während die älteren Semester einen grösseren Sicherheitsabstand zu Schnecken, Schlangen und Spinnen einlegen.

Männerfresser, Zwitter und kitzelige Echsen

Die Kinder dagegen kennen keine Berührungsängste und bringen sich sofort ein. «Wie heisst wohl diese Schnecke?», fragt Oliver Buchmann vom Walter-Zoo und hält – begleitet von «oohs», «iiihs» und «wäähs» – ein faustgrosses Exemplar in die Höhe. Er gibt einen Tipp: «Ihr Name beginnt mit A.» Sofort recken sich unzählige Hände in die Höhe. Die Antwort scheint klar: «Eine Aasfresserschnecke», sagt ein Junge ohne zu zögern. Tatsächlich handelt es sich um eine afrikanische Achatschnecke, auch Riesenschnecke genannt. Buchmann gibt viele Anekdoten über «Karli», den Hermaphroditen preis; er erzählt von Zähnen auf der Zunge, von Hausbaukünsten und 500 Babys, während die Schnecke selbst langsam die Stielaugen ausfährt. Der zweite weit gereiste Gast ist «Antonia», die männerfressende Vogelspinne aus Mexiko, genauer eine Rotknievogelspinne. Das haarige Exemplar trumpft mit acht Augen und ebenso vielen Beinen auf. Was prompt zur Frage führt: «Kann sie auch Fussball spielen?»

Während die Kinder Schnecke und Spinne aus der Ferne betrachten, dürfen sie den australischen Bartagamen anfassen. Nicht alle trauen sich; auch Tränen der Angst fliessen. «Achtung, an den Füssen ist er kitzlig», sagt Buchmann. Auch beim nächsten Tier dürfen sie zugreifen. Vier Helfer müssen gar kräftig zupacken, um die fast vier Meter lange Tigerpython aus der Kiste zu bugsieren.

Angst vor Schlangen hält Senioren fern

Die Würgeschlange war bereits im Vorfeld des Seniorennachmittags Thema. «Einige haben aus Furcht abgesagt», sagt Organisatorin Monika Grob. Dafür sind neben der üblichen Klientel weitere Gesichter dazugestossen. «Wir wollten mit Hilfe des Walter-Zoos mehrere Generationen ansprechen», ergänzt Kollegin Daniela Fäh. Gerade 70-Jährige fühlten sich teilweise noch zu jung, um zweimal jährlich an den Seniorennachmittagen teilzunehmen. Nicht so an diesem Mittwoch: Über 30 Senioren sind – zusammen mit rund 20 Grosskindern – gekommen. Der 68- jährige Ernst Fiechter etwa ist zum ersten Mal dabei und hat sogleich fünf Enkel mitgenommen.

Für Oliver Buchmann vom Walter-Zoo ist dies der erste Mehr-Generationen-Anlass. Rund 35-mal im Jahr ist der Lieferwagen mit dem charakteristischen Schimpansenkopf an Schulen zu Besuch. Die Schultierschau hat beim «Tierli-Walter» Tradition. Noch bevor der Tiergarten ins Leben gerufen wurde, hielt Gründer Walter Pischl Vorträge und stiess dabei vor allem an Schulen auf Interesse. «Der Mix der Generationen ist erfrischend», sagt Buchmann. Die Anwesenheit der Kinder lockere die Atmosphäre auf, sagt er. Die Senioren hingegen zeigten deutlich mehr Scheu. Dennoch liessen sich einige die Gelegenheit nicht entgehen, Echse oder Schlange anzufassen. «Sie ist so weich, eine Schlangenledertasche ist nichts dagegen.», sagt eine 75-jährige Dame. Der siebenjährige Pascal Tobler ergänzt: «Sie fühlt sich rau und trocken an, als wäre sie aus Pailletten.»