Streetworkout, ein sinnvoller Sport

Hoffen auf neue alte Schönheitsideale Ausgabe vom 19. Mai 2015

Merken
Drucken
Teilen

Mit etwas Erstaunen habe ich den Text «Hoffen auf neue alte Schönheitsideale» gelesen. Darin äussert der Autor Johannes Wey seinen Unmut darüber, dass Streetworkout-Anlagen in Ostschweizer Städten «wie Pilze aus dem Boden schiessen». Zum einen, weil diese von der öffentlichen Hand finanziert werden, zum anderen, weil er das Streetworkout mit dem Nacheifern des aktuellen Schönheitsideals gleichsetzt. Ich bin der Meinung, diese Sichtweise wird dem Konzept von Streetworkout, den Menschen, die diesen Sport betreiben und den Gemeinden, die sich dafür engagieren, nicht ganz gerecht. Schliesslich geht es hier darum, mit dem eigenen Körpergewicht zu arbeiten anstatt Gewichte zu stemmen. Streetworkout (auch genannt: Calisthenics, Freeletics oder Body-Weight-Workout) erfordert ein hohes Mass an Koordination, Balance und Körpergefühl und ist damit ein ideales Training für die Muskulatur und die Haltung.

Knapp drei Jahre nach der Eröffnung in St. Gallen ist der Streetworkout-Park neben dem Volksbad ein sehr beliebter Treffpunkt und stösst oft an seine Kapazitätsgrenzen. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind: das Angebot ist gratis, im Freien, es gibt keine Öffnungszeiten und das Training ist sehr effizient. Die Kultur des Miteinanders von Anfängern und Könnern, jungen und älteren Menschen und quer durch die sozialen Schichten ist ebenfalls typisch für diese Sportart. Hier gilt jeder als gleichwertig, und man hilft sich gegenseitig.

Sie wissen ja: Immer wieder werden Klagen laut über Jugendliche, die an öffentlichen Plätzen herumhängen, sich betrinken, lärmen oder vandalieren. Streetworkout-Anlagen können gesellschaftliche Probleme zwar nicht lösen, sie bieten aber sinnvolle und gesundheitsfördernde Alternativen für die Freizeitbeschäftigung. Die Jugendlichen bewegen sich, machen etwas für ihre Gesundheit; das ist doch das Entscheidende. Zudem sind Platzbedarf und Baukosten für einen solchen Park sehr gering – das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist ausgezeichnet. Konstruiert werden die Anlagen übrigens von Alder und Eisenhut in Ebnat-Kappel, einem Traditionsunternehmen aus der Region – oder erinnern Sie sich nicht mehr an die orangen und blauen Matten aus dem Turnunterricht?

Ich begrüsse das Engagement aller Gemeinden, die sich für das Streetworkout stark machen. Und ich bin stolz darauf, dass die Stadt St. Gallen den ersten Streetworkout-Park der Schweiz errichtet hat. Vielleicht folgt bald ein zweiter in der Gallusstadt?

Stefan Grob, St. Galler Stadtparlamentarier CVP/CSP, Falkensteinstrasse 52, 9000 St. Gallen