Streetwear-Pionier nimmt den Hut

Er hat das Snowboard und die Sneakers nach St.Gallen gebracht und damit den Weg für weitere Streetwear-Läden geebnet. Nun schliesst Dani Burkhart nach über 20 Jahren sein Sportgeschäft Actdis. Die Hürden sind zu hoch geworden.

Janique Weder
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«Der Sportartikelmarkt ist ein undankbarer geworden», sagt Dani Burkhart, Inhaber von Actdis. (Bild: Ralph Ribi)

«Der Sportartikelmarkt ist ein undankbarer geworden», sagt Dani Burkhart, Inhaber von Actdis. (Bild: Ralph Ribi)

Manche Menschen sprechen gerne in Möglichkeitsformen. Sollte. Hätte. Könnte. Würde. Sie verbringen ihr Leben im ewigen Konjunktiv, ändern tun sie wenig bis nichts.

Dann gibt es die anderen, die Macher. Zu dieser Kategorie zählt Dani Burkhart, Noch-Inhaber des Sportgeschäfts Actdis. Anstatt sein Familienunternehmen langsam vor die Hunde gehen zu lassen, greift er vor und schliesst das traditionelle Sportgeschäft diesen Sommer (Tagblatt von gestern).

«Wir hatten 20 tolle Jahre. Aber jetzt ist es Zeit für etwas Neues», sagt Burkhart. Das Aus seines Geschäfts bezeichnet der 49-Jährige denn auch als «Happy End». Er wolle positiv zurück- und vorausschauen. Doch bei allem Optimismus kommt Burkhart nicht drumherum, die Steine zu erwähnen, die ihm in den Weg gelegt wurden. Und weswegen er sich nun ein Herz gefasst hat.

Streetwear-Vorreiter

Eigentlich hatte Dani Burkhart andere Pläne für sein Leben. Der St.Galler ist gelernter Hochbauzeichner. 1992 aber überzeugt ihn Mutter Ursula, bei Hongler Sport einzusteigen. Sie hat das Unternehmen, das seit 1951 an der Neugasse steht, gerade gekauft. Mit Dani Burkhart kommt frischer Wind ins Traditionsgeschäft. 1994 gibt er ihm einen neuen Namen, Actdis, und bringt nicht nur das damals angesagte Snowboard nach St.Gallen, sondern auch Skateboards und Sneakers. «Wir waren die ersten», sagt Burkhart, stolz und im Wissen, dass er den Weg geebnet hat für Streetwear-Läden wie Doodah oder Shaka.

Goldene Zeiten bescheren Actdis Jahre später die Inlineskates. «Das war der Brüller», sagt Burkhart und lacht. Sogar Leute, die nicht Rollschuh fahren konnten, hätten ein Paar gekauft. «Also haben wir Kurse angeboten.» Auf dem Höhepunkt hat Actdis 15 Inlineskate-Lehrer aufgeboten.

Nach der Jahrtausendwende konzentriert sich das Sportgeschäft auf den Verkauf von Sneakers. Gleichzeitig kündigt sich eine neue Zeit an, wenn auch schleichend. Sie beginnt damit, dass sich immer mehr Filialen grosser Ketten in der St.Galler Innenstadt einnisten. Dann kommt das Internet auf.

Actdis, das St.Galler Sportgeschäft schlechthin? Tempi passati. Der Wandel ist ein Schlag für das erfolgsverwöhnte Sportgeschäft. «Heute gibt es online alles im Überfluss. Da können wir nicht mithalten», sagt Burkhart. Actdis konkurriert mit seinen eigenen Lieferanten, die ihre Ware lieber selber im Netz anbieten. Auch die Bedürfnisse der Kunden verändern sich. Sie erwarten vom kleinen Fachgeschäft dasselbe wie vom Online-Warenhaus: ein riesiges Sortiment. «Der Sportartikelmarkt ist ein undankbarer geworden», sagt Burkhart. Nicht zuletzt wegen Kursschwankungen und Einkaufstouristen.

Wegen Team gezögert

Im Sommer gehen die Lichter von Actdis für immer aus. Das Unternehmen aufzugeben, laste schwer auf seinen Schultern, sagt Burkhart. Auch, weil es das Werk seiner Familie ist. 2008 hatte er mit Schwester Andrina den Laden von Mutter Ursula übernommen. Dani Burkharts Frau Nadia, mit der er zwei Kinder hat, ist seit fast 20 Jahren dabei. Dazu kommen fünf Angestellte und zwei Lehrlinge.

Seine Mitarbeiter seien es denn auch gewesen, die ihn hatten zögern lassen. «Sie sind der Grund, warum ich gerne zur Arbeit gehe», sagt Burkhart. Nun müssen sie sich einen neuen Job suchen. «Erst wenn alle irgendwo untergekommen sind, fällt mir die Last von den Schultern», sagt Burkhart.

Noch keine Zukunftspläne

Einen neuen Job wird sich auch Dani Burkhart suchen müssen. Konkrete Pläne hat er keine. «Ich habe 1000 Ideen», sagt er, und Angebote habe er auch schon einige bekommen. «Ich bin aber in der glücklichen Lage, dass ich mir noch etwas Zeit nehmen kann.»

Dass Burkhart nach dem Aus von Actdis untätig wird, steht kaum zur Debatte. Er gehört ja zu den Machern.