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Stottern auch als Chance sehen

RORSCHACH. Heute ist Welttag des Stotterns. Für Beat Meichtry, Dozent im Nebenamt an der Schweizer Hochschule für Logopädie in Rorschach (SHLR), eine gute Gelegenheit, um auf diese Störung des Redeflusses aufmerksam zu machen.
Gisela Tobler
Beat Meichtry: «Stottern soll man als Chance sehen, an sich zu arbeiten.» Das Bild zeigt einen Buben in der logopädischen Therapie. (Bild: SHLR)

Beat Meichtry: «Stottern soll man als Chance sehen, an sich zu arbeiten.» Das Bild zeigt einen Buben in der logopädischen Therapie. (Bild: SHLR)

Beat Meichtry weiss, wovon er spricht, denn er selbst hat bis ins Erwachsenenalter gestottert. Im Gespräch merkt man davon so gut wie nichts. Engagiert und bildhaft erzählt der SHLR-Dozent von der Problematik der Redeflussstörung und wie es ihm gelungen ist, seine ehemalige Schwäche in eine Stärke zu verwandeln.

Film hat sensibilisiert

Wie soll man sich eigentlich einem Stotternden gegenüber verhalten? «Am besten so, wie man es sich selber wünschen würde», rät Beat Meichtry, «in die Augen schauen, um Interesse und Lust an der Kommunikation zu signalisieren, und durch langsames, vokalbetontes Sprechen zeigen, dass man sich die Zeit nimmt.» Einen hervorragenden Dienst habe der Film «The King's Speech» erwiesen, «ein grossartiges Werk, das die Bevölkerung weltweit für das Stottern sensibilisiert hat und sehr gut aufzeigt, dass man dieser Sprachstörung nicht machtlos ausgeliefert ist.»

Selbstbewusstsein stärken

Weltweit sind rund drei Prozent der Bevölkerung betroffen, unabhängig von der Muttersprache, allerdings mehr Buben als Mädchen. Die Ursachen sind immer noch unklar. Genetisch und seelisch bedingte Faktoren kommen ebenso in Frage wie neurologische. Im Alltag wird man mit Stotternden jedoch eher selten konfrontiert. Das liege zum einen an den vielfältigen und erfolgversprechenden Therapiemöglichkeiten; zum andern aber auch daran, dass Betroffene ihre Beeinträchtigung gut zu verstecken wissen, erklärt Meichtry und fügt an: «Es ist wichtig, nicht nur die Sprachstörung zu behandeln, sondern die Betroffenen als Ganzes zu stärken.»

Bedürfnisse wahrnehmen

Neben seinem kleinen Lehrauftrag in Rorschach, wo man innert dreier Jahre das schweizerisch anerkannte Logopädie-Diplom inklusive den Titel «Bachelor of Arts SHLR in Speech and Language Therapy» erlangen kann, ist Beat Meichtry auch Geschäftsführer von Versta, der vom Bundesamt für Sozialversicherung anerkannten Vereinigung für Stotternde und Angehörige. «Wir nehmen die Bedürfnisse von Betroffenen wahr und setzen uns für eine nachhaltige Verbesserung ihrer Lebenssituation ein», sagt er und betont: «Stottern soll man nicht nur als Problem, sondern auch als Chance sehen. Als Chance, an sich zu arbeiten und zu lernen, das Leben trotz dieser Beeinträchtigung zu meistern.»

Weiterbildung an der SHLR

Versta veranstaltet laufend Fachvorträge über den neusten Stand der Wissenschaft und jährlich einen öffentlichen Informationstag, der 2014 in St. Gallen durchgeführt wird. Ferner hat sich Beat Meichtry dafür eingesetzt, dass im Januar 2014 an der SHLR eine Weiterbildung stattfindet, welche Logopäden befähigt, bei Kindern im Vorschulalter das sogenannte Lidcombe-Programm anzuwenden, dessen Wirksamkeit breit durch neurologischen Studien abgestützt ist. Bei dieser verhaltenstherapeutischen Methode werden die Eltern aktiv einbezogen. Begrüsst und unterstützt hat der Versta-Geschäftsführer auch den Zertifikatslehrgang «Stottern, Poltern, Mutismus», der eben an der SHLR begonnen hat und zweieinhalb Jahre dauert.

www.shlr.ch; www.versta.ch

Beat Meichtry SHLR-Dozent und Geschäftsführer von Versta (Bild: git)

Beat Meichtry SHLR-Dozent und Geschäftsführer von Versta (Bild: git)

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