Stimmungsmache befremdet

«Öffentliche Information zu spät», Leserbrief, 14.3.2013

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«Öffentliche Information zu spät», Leserbrief, 14.3.2013

Aus persönlichem Interesse und als beruflichen Gründen habe ich Entstehung und Entwicklung des Projekts zur Neugestaltung des Altarraums in der Kathedrale verfolgt. Bereits vor rund zwei Jahren hatte ich wie alle Interessierten Gelegenheit, alle Modelle der von der Jury beurteilten Projekte zu begutachten, als sie während zweier Wochen ausgestellt waren. Dies war breit angekündigt worden. Vor meiner Bürotüre (Kommunikationsstelle des Bistums St. Gallen) begutachteten Hunderte von Personen die Projekte.

Ich bin überzeugt, dass die Jury eine gute Wahl getroffen hat. Seit zwei Jahren und bis Anfang 2013 gab es mehr als ein Dutzend Artikel in der Presse und ebenso viele Leserbriefe zum Projekt – zum Beispiel, als das Katholische Kollegium im letzten Sommer den Projektkredit bewilligte. Interessierte Zeitgenossinnen und Zeitgenossen waren also lange vor dem Informationsabend vom 24. Januar durch die katholische Administration gut über das Projekt informiert.

Meine Erinnerung an diesen Informationsabend deckt sich nur in Teilen mit der Schilderung von Martin Schregenberger. Von den vielleicht 60 bis 70 Anwesenden äusserten sich je etwas mehr als eine Handvoll positiv oder negativ zum Projekt. Etwa hälftig war auch der Applaus verteilt. Die negativen Voten bezogen sich immer wieder vor allem auf den Reif, der gar nicht Teil des bewilligten Projekts ist. Vom Reif – und nur von diesem – distanzierte sich auch der städtische Denkmalpfleger. Die Aussage, die Bauherrschaft wolle am Reif festhalten, hat Administrationsratspräsident Hans Wüst in dieser Informationsveranstaltung nicht gemacht. Im Gegenteil: Er betonte mehrmals, der Reif sei nicht Teil des Projekts und zumindest auf Eis gelegt.

Ich bin verwundert: Eine öffentliche Körperschaft (der katholische Konfessionsteil) informiert ihre weit mehr als 200 000 Mitglieder während mehr als eines Jahres immer wieder via Medien über ein Projekt, das einen öffentlichen demokratischen Prozess durchläuft und mit grosser Mehrheit im katholischen Kollegium verabschiedet wird. Dann, wenige Wochen vor der Umsetzung, laufen Personen, die zum Teil sogar in den Prozess involviert waren, dagegen Sturm.

Dass ein Projekt nie allen Leuten gefällt, liegt auf der Hand. Aber die Art und Weise, wie nun dagegen Stimmung gemacht wird, befremdet mich. Zählen die Stimmen der Fachleute in der Jury sowie Denkmalpflege von Stadt, Kanton und Bund plötzlich nichts mehr? Sind die wahren Fachleute nur in der Altarraum-Gegnerschaft zu finden? Und ist es fair, mit einer Bildmontage/Zeichnung auf der Petitions-Website Unterschriften zu sammeln, die das Projekt nicht korrekt abbildet?

Sabine Rüthemann

Wiesenstrasse 44, 9000 St. Gallen

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