Stimme der Bevölkerung hören

Fast 150 Personen haben sich am Montagabend in der Lokremise zu einer öffentlichen Diskussion über die Zukunft des Areals Hauptbahnhof Nord eingefunden. Im Zentrum müssten «die Menschen» stehen und nicht die Rendite, so der Tenor.

David Gadze
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Rückmeldungen der Bevölkerung aus Umfragen waren in den vergangenen Wochen im ganzen Gebiet Hauptbahnhof Nord zu sehen und zu lesen. (Bild: Urs Bucher)

Rückmeldungen der Bevölkerung aus Umfragen waren in den vergangenen Wochen im ganzen Gebiet Hauptbahnhof Nord zu sehen und zu lesen. (Bild: Urs Bucher)

Die Stimme der Bevölkerung hören. Erfahren, wo diese bei der Weiterentwicklung des Areals Hauptbahnhof Nord den grössten Handlungsbedarf ortet. Das wollte die Stadt mit einem öffentlichen Themenforum erreichen, das am Montagabend in der Lokremise stattgefunden hat. Die Bevölkerung war eingeladen, ihre Ideen und Wünsche in den weiteren Planungsprozess einzubringen. Fast 150 Personen sind dieser Einladung gefolgt, darunter auch Exponenten aus der Stadtverwaltung sowie einige Stadtparlamentarier. Letztere sind an diesem Abend in der Lokremise allerdings ziemlich einseitig verteilt: Während das rot-grüne Lager gut vertreten ist, glänzen die Bürgerlichen bis auf ganz wenige Ausnahmen durch Abwesenheit.

In kleinen Gruppen diskutieren

Im ersten Teil teilen sich die Anwesenden in die Gruppen «Anwohner», «interessierte Stadtbewohner» – die grösste Gruppe – oder «Kulturschaffende und Gewerbe» auf. Für die anschliessenden drei Diskussionsrunden sitzen fünf bis sechs Personen zusammen an einem der Tische. In kleinen Gruppen tauschen sich so Studenten, Politiker und Anwohner in Blöcken von jeweils 20 Minuten zu den Fragen aus, was an der jetzigen Situation und den Ergebnissen verschiedener Untersuchungen zum Gebiet gefällt, was für die Zukunft des Areals wichtig ist und was man den Verantwortlichen für die weitere Planung auf den Weg geben möchte. Ihre Notizen halten sie auf grossen Blättern fest. Nach jeder Runde wechseln alle bis auf den «Gastgeber» den Tisch beziehungsweise die Gruppe.

Die Diskussionen sind lebhaft. Meist drehen sie sich um bereits in der Vergangenheit diskutierte und kritisierte Punkte: den SBB-Parkplatz vor der Lokremise, den «Fremdkörper» Fachhochschule oder die Situation an der Lagerstrasse. Viele stören sich etwa daran, dass dort Cars halten und «die Strasse verstopfen». Dass andere Teilnehmer ausgerechnet in den wartenden Passagieren ein belebendes Element für das Areal sehen, sagt viel über dessen heutigen Zustand aus.

Wie weiter mit dem Klubhaus?

Ein wichtiges Thema in den Diskussionen ist auch die Zukunft des Spanischen Klubhauses. Praktisch in allen Gruppen herrscht Einigkeit darüber, dass es für die Belebung des Gebietes zentral ist. Keinen Konsens gibt es jedoch bei der Frage, ob es saniert oder abgebrochen werden soll. «Das Klubhaus muss als Institution erhalten werden, nicht aber das Gebäude», ist eine Meinung, die immer wieder zu hören ist. Das eine bedinge das andere, sagen andere. Sie befürchten, es lasse sich nicht in einen Neubau am selben Ort verpflanzen. Dadurch ginge es als Institution ebenso verloren.

Ob mit oder ohne Klubhaus: Der öffentliche Raum hinter dem Hauptbahnhof müsse belebt und zu einem «Ort zum Verweilen» werden, lautet der Tenor an den Tischen. Durchmischtes Wohnen wird dabei ebenso ins Spiel gebracht wie ein Park anstelle des SBB-Parkplatzes. «Menschen vor Profit», lautet dabei die Maxime.

Resultate folgen Ende November

Die Stimme der Bevölkerung hat die Stadt nun gehört. Einmal mehr gehört, nachdem es bereits eine Sozialraumanalyse der Fachhochschule und eine Onlineumfrage der Stadt zu diesem Thema gab. Gestern wurde die Sorge geäussert, der ganze Prozess berge ein «riesiges Frustrationspotenzial», da diverse Rahmenbedingungen «nicht dehnbar» seien. Wie das Echo ausfallen wird, zeigt sich am 30. November, wenn die Resultate der Testplanung vorgestellt und an einem weiteren Themenforum diskutiert werden.