Stille löst Irritation aus

Speicherer Kirchbürger fühlen sich vom Gemeinderat übergangen. Der hatte im Oktober das tägliche Frühläuten um 6 Uhr abgestellt. Die Kirchgemeinde will nun intervenieren.

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SPEICHER. Die Kirchenglocken der evangelischen Kirche sollen per sofort wieder täglich um 6 Uhr den Werktag einläuten; später will man mit der Politischen Gemeinde über Anpassungen am traditionellen Frühläuten sprechen. Diesen Antrag, den die Kirchenvorsteherschaft stellte, genehmigten die rund 40 Kirchbürger diese Woche einstimmig.

Irritation und Unverständnis löst das Verhalten des Speicherer Gemeinderates bei der Kirchbürgerschaft und über diese hinaus aus. Auf Druck von Neuzuzügern hatte der Rat im Oktober das Frühläuten aus dem Läutprogramm der Kirche gelöscht. Er glaubte, dies liege in seiner Kompetenz, weil ja der Kirchenbau in seinem Eigentum steht. Und er hoffte offenbar, dass niemand das fehlende Frühläuten vermissen würde. Eine krasse Fehleinschätzung, wie sich an der Kirchgemeindeversammlung zeigte.

Unklare rechtliche Situation

Nicht nur die Eigenmächtigkeit, mit der der Gemeinderat die Sache anging, löste Irritation aus. Dass er die Kirchenvorsteherschaft nicht einmal über die Änderung informiert hatte, provozierte weitherum Kopfschütteln. Zuhanden der Versammlung formulierten die abwesenden Margrit und Eugen Auer einen Brief, in dem auch sie sich über das Vorgehen des Gemeinderats wundern und die Prüfung der Rechtslage rund um das Läuten fordern. Dieser Forderung gab die Versammlung mit dem eingangs erwähnten Antrag statt.

Wie es rechtlich ums Läuten in Speicher steht, ist tatsächlich nicht ganz einfach zu beantworten. Eine Läutordnung regelt zwar, wann welche Glocke wie oft oder lange zu schlagen sei. Über das Verfügungsrecht über das Läuten aber sagt sie nichts aus. In dieser Weise informierte Kivo-Präsidentin Natalia Bezzola Rausch die Anwesenden. Sie sagte aber: «Die Kirche gehört der Politischen Gemeinde. Das Glockenläuten aber ist Teil des Kirchenlebens.» Das Recht, darüber zu entscheiden, müsste damit bei der Kirchgemeinde liegen. Wie die Kivo-Präsidentin sagte, sei für den Gemeinderat etwa eine Verschiebung des Frühläutens auf 7 Uhr «keine Option». Anders für die Kivo, die auch über das Dämpfen der Glocken oder das Schliessen der Fensterlamellen nachdenken will. Denn: «Wir sind ja nicht von vorgestern und verstehen, wenn sich manche am Läuten stören.»

Nicht alle fühlen sich gestört

Der anwesende Gemeinderat Heinz Naef räumte ein, der Rat habe die Reaktionen in der Bevölkerung unterschätzt. «Und es ist nicht in Ordnung, dass die Kivo nicht in den Entscheid mit einbezogen wurde.» Dies seine persönliche Meinung. Er warb dennoch für Verständnis für den Gemeinderat und warnte davor, den Konflikt zwischen Bisherigen und Neuzugezogenen zu schüren. Natalia Bezzola bestätigte, das Läuten störe offensichtlich längst nicht alle Neuzuzüger. «Für andere gehört das Frühläuten zum ländlichen Leben dazu.» (gbe)

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