STIFTUNG: Die stillen Gönner

St. Gallen hat dank der Walter-und-Verena-Spühl-Stiftung ein prächtiges neues Naturmuseum. Das Ehepaar Spühl setzte sich stark für das Gemeinwesen ein, blieb aber stets im Hintergrund.

Elisabeth Reisp
Drucken
Teilen
Ohne die Spühl-Stiftung wäre der Neubau nicht möglich gewesen. (Bild: Urs Bucher)

Ohne die Spühl-Stiftung wäre der Neubau nicht möglich gewesen. (Bild: Urs Bucher)

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp@tagblatt.ch

40 Millionen Franken hat der Bau des neuen Naturmuseums gekostet. 13 Millionen hat die Walter-und-Verena-Spühl-Stiftung dazu beigesteuert. Ohne diesen stattlichen Beitrag wäre der Neubau nicht möglich gewesen. Das Geld war eigentlich für die Erweiterung des Kunstmuseums gedacht. Ein Urnenentscheid machte diese Pläne aber zunichte. Mit der Unterstützung eines Neubaus für das Naturmuseum ist das Anliegen, der Kunst mehr Platz zu verschaffen, doch noch realisiert worden. Wer aber steht hinter der Stiftung, der Kunst so am Herzen liegt, dass sie dem Naturmuseum ein neues und grossräumiges Gebäude ermöglicht?

Eine gute Anlagestrategie und ein schlauer Plan

Die Spühl-Stiftung wurde vor 44 Jahren vom Ehepaar Walter und Verena Spühl ins Leben gerufen. Ein älteres, vermögendes Ehepaar mit grosser Affinität zu Kunst und Musik, das der Überzeugung war, dass die Förderung von Kultur und die Erhaltung der Natur für ein starkes Gemein­wesen unabdingbar sei.

In diesem Sinne wollte der Kunstliebhaber Walter Spühl dem Kunstmuseum eine Erweiterung ermöglichen, ein entsprechender Vorschlag wurde jedoch 2003 vom Stimmvolk abgelehnt. Die Mehrheit wollte den Stadtpark mit seinen zwei Museumshäusern in seiner bisherigen Form bewahren, ohne eine weitere Baute. Da aber Walter Spühl bereits zehn Millionen eigens zum Zweck der Platzschaffung für die Kunst in seine Stiftung eingespiesen hatte, tasteten die Stiftungsräte das Geld auch dann nicht an, als die Frist für die Zweckbindung abgelaufen war. Mittlerweile war der Betrag aufgrund erfolgreicher Anlagestrategie bereits auf 13 Millionen Franken angestiegen.

Das Kunstmuseum sollte also keinen Neubau erhalten. Wenn das Naturmuseum aus dem Gebäude, das sich beide Museen teilen, ausziehen würde, hätte das Kunstmuseum aber endlich genug Platz. So entstand die Idee, das Naturmuseum hinaus ins Neudorf zu zügeln.

Verdienen, um zu dienen

Den Neubau indes durfte Walter Spühl nicht mehr erleben, er ist 2006 gestorben, seine Frau Verena aber lebt noch. Sie bewohnt mit 91 Jahren immer noch die Villa, die sie und ihr Mann vor Jahrzehnten bauen liessen. Das Paar blieb kinderlos.

Selbst in ihrem hohen Alter nehme sie noch an jeder Sitzung der Stiftung teil, sagt Präsident Erwin Stickel. Die alte Dame, mittlerweile gesundheitlich etwas angeschlagen, meidet die Öffentlichkeit. «Bescheidenheit ist dem Ehepaar Spühl stets sehr wichtig gewesen», erzählt Stickel. Ihr Credo war stets: Diene, um zu verdienen und mit dem Verdienten wieder zu dienen. Verena Spühl sei eine äusserst angenehme Stiftungsherrin. «Wenn ein Entscheid nicht in ihrem Sinne gefällt wird, dann ‹korrigiert› sie das mit ihrem Privatvermögen», sagt Stickel schmunzelnd. Für die Unterstützung von Kultur und sozialen Institutionen gebe sie Geld aus, ansonsten habe das Ehepaar trotz des Vermögens immer zurückhaltend gelebt. Bezeichnend für jene Generation, die den Krieg und die Entbehrungen erlebt und nie vergessen hat.

Walter Spühl war ein erfolgreicher Unternehmer, ein Patron alter Schule, «mit absoluter Loyalität und Verpflichtungsgefühl seinen Mitarbeitern gegenüber», sagt Stickel. Spühl konnte die Firma seines Vaters übernehmen. «Einen Betrieb, den die Familie mit dem Privatvermögen durch den Zweiten Weltkrieg gerettet hatte, um kaum einen Angestellten entlassen zu müssen», sagt Stickel. Zu Beginn produzierte die Firma Matratzenfedern, entwickelte sich weiter und stellte später Maschinen zur Herstellung von Federkernen her. Matratzen- und Polstermöbelhersteller sind die Abnehmer. Mittlerweile ist die Firma Spühl in amerikanischen Händen.

Endlich Platz für die Perlen der Sammlung

Obwohl die Spühl-Stiftung diverse Institutionen berücksichtigt, ist die Unterstützung des Kunstmuseums ein besonderes Anliegen. Walter Spühl war Kunstliebhaber und hat zu Lebzeiten selbst eine wertvolle Sammlung angelegt. Ihm sei es ein besonderes Bedürfnis gewesen, dass das Kunstmuseum die mangels Platz kaum ausgestellte Sammlung irgendwann der Öffentlichkeit zeigen kann. Dies ist nun endlich so weit: Ab 21. Januar zeigt es die Perlen der Sammlung. Möglich ist dies dank der Grosszügigkeit von Walter und Verena Spühl – und eines schlauen Schachzuges der Spühl-Stiftung.

Verena und Walter Spühl (2. v. r.) 2001 an einer Preisverleihung ihrer Stiftung mit alt Ständerat Carlo Schmid, Max Frenkel und Ernst Rüesch. (Bild: Meinrad Schade (20. Februar 2001))

Verena und Walter Spühl (2. v. r.) 2001 an einer Preisverleihung ihrer Stiftung mit alt Ständerat Carlo Schmid, Max Frenkel und Ernst Rüesch. (Bild: Meinrad Schade (20. Februar 2001))