Stich um Stich der Vision entgegen

Seit gestern rattern die Nähmaschinen in der Olma-Halle 7. Das «Bignik»-Nähfestival der Brüder Frank und Patrik Riklin ist bisher gut besucht. Jung und Alt helfen mit, eine überdimensionierte rot-weisse Picknick-Decke zusammenzusetzen.

Anina Rütsche
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Mit Freude dabei: Am Nähfestival stellen Freiwillige weitere Teile für die riesige «Bignik»-Decke her. (Bild: Hanspeter Schiess)

Mit Freude dabei: Am Nähfestival stellen Freiwillige weitere Teile für die riesige «Bignik»-Decke her. (Bild: Hanspeter Schiess)

Eine Picknick-Decke, so gross wie 100 Fussballfelder, ausgelegt im öffentlichen Raum – dies ist die Vision «Bignik» der Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin. Um ihren Traum zu verwirklichen, setzen die beiden Betreiber des Ateliers für Sonderaufgaben seit 2012 auf die Hilfe der Bevölkerung. In 19 Ostschweizer Gemeinden haben die Künstler über 200 000 Tücher gesammelt, die nun zu Modulen vernäht werden. Daraus entsteht schliesslich die Picknick-Decke.

Hochbetrieb am Freitagmorgen

Während der aktuellen Aktion, dem Nähfestival in der Olma-Halle 7, soll die Decke bis morgen abend um weitere 7290 Quadratmeter wachsen. Das Ziel ist hoch gesteckt, doch darin, sagt Patrik Riklin, liege die Spannung von «Bignik». «Fürs Festival haben sich bisher rund 250 Personen angemeldet», freut sich sein Zwillingsbruder Frank. «Natürlich ist es auch möglich, spontan beim Nähen mitzuhelfen.»

Von den 50 Arbeitsplätzen sind bereits am Freitagmorgen die meisten besetzt. Viele Frauen und Mädchen, aber auch einige Männer und Knaben beugen sich über die Stoffe und lassen die Nähmaschinen rattern. Die Stimmung ist fröhlich, es wird geplaudert, ab und zu ist ein Lachen zu hören. Instruktionen und Unterstützung bekommen die Freiwilligen von Mitarbeitenden der Bernina International AG. Die Firma hat den Riklin-Brüdern auch sämtliche Nähmaschinen fürs Festival zur Verfügung gestellt.

Freiwillige sind begeistert

Eine der Helferinnen ist Carmela Fried aus Goldach. «Ich nähe sehr gerne, doch leider komme ich im Alltag nur selten dazu», sagt sie. Einen Tisch weiter befestigt Britta Cerf soeben einen Klettverschluss an einem weissen Tuch. Die Abtwilerin ist auf Empfehlung einer Kollegin hergekommen. Nun gefalle ihr das Festival so gut, dass sie länger bleibe als geplant.

«Ich sött no Fade ha», ruft einer der wenigen Männer im Saal. Es ist Rolf Schmitter, der sich einige Stunden zuvor zum allerersten Mal im Leben an eine Nähmaschine gesetzt hat. Mittlerweile schaffe er zwei Module pro Stunde, sagt Schmitter, und er lacht: «Zum Glück müssen die Nähte nicht auf den Millimeter genau stimmen.»

Geübter im Umgang mit Stoff und Faden ist Martina Jocham. Sie habe früher viel genäht, erzählt die Pensionärin, daher gehe ihr die Arbeit ring von der Hand. Auch die Sechstklässlerinnen Lisa-Marie Dreussi und Carmen Konrad, die mit ihrer Klasse bei «Bignik» mitmachen, sind begeisterte Näherinnen. «Wir finden das Projekt cool und freuen uns auf den Tag, an dem die Picknick-Decke ausgebreitet wird.»

«Bignik»-Nähfestival Olma-Halle 7 Sa und So, jeweils 9–16 Uhr www.bignik.ch

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