St.Gallerin will Gemüse vor dem Kübel retten

ST.GALLEN. Lea Fuchser will nach St.Gallen bringen, was in Winterthur seit einem Jahr Erfolg hat: Die RestEssBar. Das Projekt rettet unverkäufliches Essen davor, in den Abfall zu wandern. Stattdessen kann es gratis abgeholt werden.

Kathrin Reimann
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Würden eigentlich im Müll liegen: Gemüse und Früchte im Kühlschrank in Winterthur. (Bild: pd)

Würden eigentlich im Müll liegen: Gemüse und Früchte im Kühlschrank in Winterthur. (Bild: pd)

Schweizweit werden rund ein Drittel der Lebensmittel nicht gegessen, sondern weggeworfen. Das entspricht zwei Millionen Tonnen Esswaren. Der Verein RestEssBar wirkt dieser Verschwendung seit einem Jahr mit einem Kühlschrank-Projekt mitten in der Winterthurer Altstadt entgegen. Dessen Prinzip ist einfach: Freiwillige sammeln mit dem Velo bei Lebensmittelläden und Restaurants Gemüse und Früchte ein, die sonst im Abfall landen würden. Danach werden diese in den öffentlich zugänglichen Kühlschrank gestellt. Dieser ist zwar mit einem Zahlenschloss verriegelt, via Mail kann man beim Verein den Code dafür aber anfordern.

Die Idee steht, der Wille ist da

Das Projekt ist ein voller Erfolg, mittlerweile füllen 26 freiwillige Helfer zwei Kühlschränke mittels 50 Abholtouren im Monat. Und immer mehr Engagierte aus anderen Städten interessieren sich für das aussergewöhnliche Projekt. So auch Lea Fuchser. Die 26jährige St.Gallerin steht zwar, wie sie sagt, noch ganz am Anfang mit diesem Projekt. Die ersten Schritte seien aber getan: «Ich habe mit allen nötigen Ämtern, der Stadt, der Polizei, verschiedenen Grossverteilern, Geschäften, Bäckereien, Restaurants und potenziellen Helfern gesprochen.» Die Reaktionen seien dabei durchs Band positiv gewesen. «Allerdings beteiligen sich einige der angefragten Geschäfte bereits an anderen Projekten wie etwa den Schweizer Tafeln.»

Einer der wichtigsten Punkte ist allerdings noch offen: Der Standort für den Kühlschrank fehlt. «Er darf nicht auf öffentlichem Grund stehen, er sollte gedeckt sein, über einen Strom- und einen Wasseranschluss verfügen und Platz für ein Paar Veloanhänger bieten.» Auch der Kühlschrank selber, die Veloanhänger sowie mehrere flexible Helfer fehlen Lea Fuchser noch. Doch die Hotelkauffrau ist nicht nur idealistisch, sie ist auch zuversichtlich. «Die Idee für das Projekt steht, der Wille ist da. Und sobald sich ein motiviertes Team gebildet hat und wir einen Ort gefunden haben, kann es losgehen.» Sie hofft, dass bereits diesen Sommer zum ersten Mal der RestEssBar-Kühlschrank in St.Gallen aufgefüllt werden kann. Die Idee, das Anti-Verschwendungs-Projekt in St.Gallen zu starten, entspricht Lea Fuchsers Grundeinstellung. «Ich bin so erzogen worden, dass man nichts wegwirft. Bei uns zu Hause wurden sämtliche Resten verwertet.» Als sie dann im vergangenen Jahr an einem Filmfestival den Dokumentarfilm «Taste The Waste» sieht, der den Umgang der Industriegesellschaften mit Nahrungsmitteln und die globalen Ausmasse von Lebensmittelabfall aufzeigt, ist für sie klar: Hier muss sich etwas ändern. «Kurz darauf lernte ich die Winterthurer RestEssBar kennen, war begeistert und wollte sie deshalb nach St.Gallen bringen.»

An dem Projekt gefällt ihr einerseits, dass es ein Zeichen gegen Verschwendung setzt, andererseits, dass es ein Angebot für jeden, «egal, ob arm oder reich», ist. «Ausserdem ist es eine Nonprofit-Angelegenheit, anonym, konfessionell und parteipolitisch unabhängig und haltet alle Hygiene- und Gesundheitsstandards ein.» Aus dem Grund will sie vorerst auch nur Esswaren ohne Ablaufdatum, wie Gemüse oder Früchte, anbieten. In einem weiteren Schritt soll Brot hinzukommen.

Zurückhaltende Ostschweizer

Bei all ihrer Begeisterung hat sich Lea Fuchser auch Gedanken darüber gemacht, wie die St.Galler auf ihr Angebot reagieren werden. «Winterthur ist bezüglich solcher Sachen sicher offener, aber wenn der Kühlschrank erst steht, finden ihn die St.Galler bestimmt super. Hinter der Verschwendung kann ja wohl kaum jemand stehen», sagt sie. Ostschweizer seien vielleicht etwas zurückhaltend, wenn es darum gehen würde, die Initiative zu ergreifen. «Aber irgendjemand muss damit anfangen.» Damit Lea Fuchser fortan nicht mehr alleine jeden Hinterhof nach einem geeigneten Standort für den Kühlschrank durchforsten muss und Hilfe bei der Suche nach Spendern und Unterstützern und Teilnehmern bekommt, ist sie auf die Hilfe von freiwilligen Helfern angewiesen.

st.gallen@restessbar.ch / www.facebook.com: RestEssBar St.Gallen