ST.GALLER STADTREGIERUNG: Der Schuldirektor hat alle überrascht

Er bleibt Schuldirektor. Der parteilose Markus Buschor hat die Parteipräsidentinnen und Parteipräsidenten in der Stadt überrascht. Das Verständnis für den Entscheid des Architekten ist nicht überall gleich gross.

Daniel Wirth
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Maria Pappa und Markus Buschor nach der Direktionsverteilung: Unfrieden sieht anders aus. (Bild: Ralph Ribi)

Maria Pappa und Markus Buschor nach der Direktionsverteilung: Unfrieden sieht anders aus. (Bild: Ralph Ribi)

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Die neugewählte Stadträtin Maria Pappa (SP) übernimmt am 1. Januar 2017 die Direktion Bau und Planung. Das muss sie, weil Stadtrat und Schuldirektor Markus Buschor (parteilos) die Direktion nicht wechseln wollte und der Stadtrat an seiner konstituierenden Sitzung seinem Wunsch nachgekommen ist (Tagblatt vom 2. Dezember). Maria Pappa, die Sozialpädagogin ist und heute als Leiterin einer städtischen Tagesbetreuung für Schulkinder Buschor unterstellt ist, sagte unmittelbar nach der Direktionsverteilung, sie sei mit der Direktion Bau und Planung zufrieden.

Doch wie sehen das die Parteipräsidenten? SP-Präsident Peter Olibet sagt, er habe damit gerechnet, dass Markus Buschor in die Baudirektion wechsle. Jetzt sei es halt anders gekommen und der Entscheid Buschors sei zu respektieren. Maria Pappa werde eine gute Baudirektorin, sagt Olibet. Sie könne vermitteln und auf die Leute zugehen. Die Baudirektion sei wichtig für die Stadt und darum freue es ihn, dass sie ab Anfang nächsten Jahres von einer Sozialdemokratin geführt werde.

Dass es zu keiner Rochade kommt im Stadtrat, das hat auch Michael Hugentobler überrascht, den Präsidenten der städtischen CVP. Wie Olibet sagt auch Hugentobler, dass der Stadtrat dem Wunsch Buschors entsprochen habe, Schuldirektor zu bleiben. Dies sei dessen Entscheid und bedürfe keines Kommentars.

Weniger diplomatisch drückt sich Daniel Rüttimann aus, der Präsident der Grünliberalen der Stadt St. Gallen: «Von der Fachkompetenz her wäre ein Wechsel Markus Buschors in die Baudirektion sinnvoll gewesen.» Maria Pappa müsse sich zuerst in die komplexe Materie einarbeiten, sagt Rüttimann. Um sogleich anzufügen: «Markus Buschor hat in der Schuldirektion bewiesen, dass das schnell gelingen kann.»

FDP-Präsident zollt Markus Buschor Respekt

Andreas Dudli, Präsident der FDP der Stadt, sagt, er habe Verständnis für Buschors Entscheid, auf eine Rochade zu verzichten, und er zolle ihm dafür auch Respekt. Buschor wolle die Reorganisation der Schulverwaltung und andere wichtige Projekte zu Ende bringen, was von Verantwortungsbewusstsein zeuge. Der Baudirektion hätte nach Ermessen Dudlis ein Fachmann an der Spitze gut getan. «Allerdings», räumt Dudli ein, «besteht in einer solchen Konstellation auch die Gefahr, dass sich ein Architekt als Baudirektor unnötigerweise in Details verzettelt.»

Überrascht vom Wunsch Bu­schors, Schuldirektor zu bleiben, war Dudli indes genau so wie GLP-Präsident Rüttimann.

Die Co-Präsidentin der städtischen SVP, Sandra Steinemann, findet es gut, wie der Stadtrat die Direktionen auf seine Mitglieder verteilt hat: «Markus Buschor kann seine aufgegleisten Projekte in der Schuldirektion fortführen.» Von Maria Pappa erhofft sich die SVP-Politikerin, dass diese die Projekte der abgewählten Baudirektorin Patrizia Adam (CVP) zu einem guten Ende bringen werde. Steinemann nennt Bahnhof Nord, Marktplatz und Langgasse als Beispiele.

Im Vorfeld der Stadtratswahlen hätten die Grünen keine Spekulationen über die zukünftige Zuteilung der Direktionen angestellt, sagt deren Präsidentin Susanne Hoare. Je mehr Einblick in ein vorerst neues Fachgebiet, desto mehr könne die Lust wachsen, daran weiterzubauen. «Deshalb nehmen wir Buschor ab, dass er in der Schuldirektion angekommen ist.» Maria Pappa käme ihre Kommissionserfahrung im Parlament zugute. Und auch durch ihre heutige Anstellung in der Stadtverwaltung kenne sie nicht nur Leute, sondern auch Abläufe und Hindernisse.