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ST.GALLER STADTRATSWAHL: Andri Bösch: Antiautoritärer Optimist

Andri Bösch schreibt Gedichte, stöbert in Brockenhäusern und staunt über Wolken. Pläne für die Zukunft macht er nicht. Dafür hat er aber einen Traum und weiss genau, was er nicht mag.
Marlen Hämmerli
Von seiner Dachterrasse aus hat Andri Bösch beste Sicht auf den Silberturm. Anfangs mochte er den Anblick nicht. (Bild: Urs Bucher)

Von seiner Dachterrasse aus hat Andri Bösch beste Sicht auf den Silberturm. Anfangs mochte er den Anblick nicht. (Bild: Urs Bucher)

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Anfangs mochte er den Silberturm nicht. «Aber jetzt gefällt er mir», sagt Andri Bösch und blickt zum Turm rüber. Im Fensterglas erscheinen die Wolken grösser und verzerrt. Er habe darin schon die faszinierendsten Wolkenformationen gesehen. «Aber ich bin nicht oft auf der Dachterrasse. Derzeit sowieso nicht.» Die Stadtratswahlen seien aufwendiger als gedacht.

Die Dachterrasse ist einfach möbliert. Vor einem braunen Sofa steht ein Tisch, darauf ein Aschenbecher. Daneben sind farbige Stühle platziert. «Kletterrosen am Balkongitter wären schön», sagt Bösch. «Aber ich hab die Gelegenheit verpasst, sie anzupflanzen.» Und eigentlich gärtnert Bösch auch gar nicht. In seiner Freizeit schreibt er Gedichte für Poetry Slams, spielt Gitarre, zeichnet und fotografiert. «Ich mache alles ein wenig, aber nichts so richtig.» Ihm gefalle die Abwechslung.

Oft stöbert Bösch in Brockenhäusern. Das sei entspannend. Bösch blickt an sich hinunter. Pulli, Hose und Mantel. Bis auf die Schuhe habe er alles aus dem Brocki. «Ich lasse die Sachen mich finden. Bei Brockenhäusern weiss man nie, ob es das Gesuchte gibt.» Findet er etwas, ist die Überraschung umso grösser. «Hat es etwas? Passt es mir?»

Was die Zukunft auch bringt, es ist gut

Seine Zukunft geht Bösch ähnlich an, wie das Kaufen von Kleidern. Nächsten Sommer schliesst er an der Interstaatlichen Maturitätsschule für Erwachsene (ISME) die Zweitwegmatura ab. Daneben arbeitet er Teilzeit im Sekretariat der kantonalen SP, ist Präsident der Juso des Kantons St.Gallen, arbeitet in der Jugendbeiz Talhof und gestaltet dort den Facebook-Aufritt. Was sind seine Pläne, falls er nicht in den Stadtrat gewählt wird? «Ich mache nicht aktiv Pläne. Bis jetzt kam noch immer alles, wie ich es wollte.» Er vertraue darauf, dass alles richtig kommt. «Wahrscheinlich kommt diese Einstellung daher, da ich die Monterana-Schule ­besuchte», sinniert Bösch. Die Privatschule, die bis 2009 in St.Georgen war, funktioniert ohne Noten und Klassen. Selbstbestimmtes Lernen wird grossgeschrieben. Lesen lernte Bösch, weil er Lust hatte. Nicht, weil er musste. «Ich verabscheue Autorität», sagt Bösch. Er möge es nicht, wenn jemand ihm vorschreibe, was er lernen müsse. «Meist erscheint es mir dann nicht sinnvoll und macht entsprechend weniger Freude.»

Aufgewachsen ist Bösch in einem Bauernhaus in der Lustmühle. Als er zwölf Jahre alt war, zog die vierköpfige Familie nach Degersheim, wo heute auch die Monterana-Schule ist. Obwohl Bösch Autorität nicht ausstehen kann, hatten es seine Eltern mit ihm nicht schwer. Wo kein Druck vorhanden, da sei auch kein Gegendruck. «Sie haben mich nicht autoritär erzogen. Stattdessen gaben sie mir immer das Gefühl, gut zu sein, so wie ich bin.

Endlich da, wo auch die Freunde sind

Vergangenen April zog Bösch nach St. Fiden. «Endlich bin ich dort, wo auch mein Lebensmittelpunkt ist.» In St.Gallen hatte er schon die Fachmittelschule mit Schwerpunkt Gesundheit besucht, bevor er an die ISME wechselte. Hier in der Stadt geht er in den Ausgang und hat seinen Freundeskreis. Mit seinen Kollegen geht Bösch etwas trinken oder zu den Drei Weieren. «Dann kann ich auch mal über anderes als die Stadtratswahlen reden.»

Bösch blickt wieder zum Silberturm. Ein Gewitter zieht auf. Zwar hat er keine Zukunftspläne, dafür aber einen Traum. «Es ist sehr unkonkret. Aber ich möchte das machen, wo ich mein volles Potenzial ausschöpfen kann.» Noch wisse er nicht, was es sein wird. «Ich bin jedoch sicher, dass ich es rausfinden werde.»

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