St.Galler Modeläden in Aktionswut

Winterjacken und Pullis sind wahre Ladenhüter. Modegeschäfte beginnen daher bereits mit dem Ausverkauf. Schuld ist für einmal nicht der starke Franken, sondern der milde Herbst.

Elisabeth Reisp
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Rabattaktion zu ungewohntem Zeitpunkt: Jacken und Pullover waren bisher in diesem Herbst Ladenhüter. (Bild: Beat Belser)

Rabattaktion zu ungewohntem Zeitpunkt: Jacken und Pullover waren bisher in diesem Herbst Ladenhüter. (Bild: Beat Belser)

Es ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, dass der Ausverkauf begonnen hat. Erst beim zweiten Blick fällt auf, dass in den Modegeschäften – und nur dort – Rabattschilder in den Schaufenstern den Ausverkauf ankünden. Bis zu 70 Prozent Preisnachlass gibt es auf die warmen Kleidungsstücke – jetzt, wo es kalt geworden ist. Solche Schnäppchen sind sonst erst im Nachweihnachtsverkauf zu ergattern. «Die Sachen müssen raus», sagt etwa Marcella Valvo, Geschäftsführerin der Boutique Anouk. Nächsten Monat kommt die Frühlingskollektion.

Drei Namen, ein Phänomen

In der Boutique Anouk in der Neugasse sind die Preise bis zu 30 Prozent gesenkt. «Wir bleiben auf den warmen Pullis und den Winterjacken sitzen», sagt Valvo. Hauptursache für den schlechten Verkauf sei in erster Linie der viel zu warme Herbst. Valvo vermutet aber, dass auch die Nachwehen des Frankenschocks zu spüren seien. «Ganz generell ist der Verkauf im vergangenen Jahr zurückgegangen.» Trotzdem müssen die Kleidungsstücke nun raus und der neuen Kollektion Platz machen. Valvo: «Im Dezember kommen die ersten Stücke der Frühlingskollektion.»

Viele Modegeschäfte in der Stadt locken ebenfalls mit Preisnachlass. Tally Weijl in der Neugasse erlässt 70 Prozent und nennt das «Mid Season Sale». Schräg gegenüber hat die Boutique Roma ihre Preise um 50 bis 60 Prozent reduziert – dort heisst es «Second Season Sale». Ochsner Schuhe in der Multergasse hat seine Preise im Rahmen seines «Presale» reduziert. Es sind unterschiedliche Beschreibungen für dasselbe Phänomen: Die Ware ist nicht wie geplant verkauft worden.

Black Friday bei Manor

Mit der Einführung eines Black Fridays will Manor übermorgen Freitag Kunden anlocken. Der Black Friday gilt in Amerika als der grosse Ausverkauf am Freitag nach dem Erntedankfest Thanksgiving. An diesem Tag stürmen die Amerikaner die Geschäfte und kämpfen um die einmalig günstigen Schnäppchen. Zwar nicht einmalig günstig, aber doch einen Rabatt von 30 Prozent aufs ganze Sortiment bietet Manor allen Inhabern einer Manorkarte an. Die Aktion führt Manor zum ersten Mal durch.

«Hilflosigkeit» im Gewerbe

Der städtische Detailhandelsorganisation Pro City beobachtet die Situation beunruhigt. «Diese Entwicklung ist nicht gut», sagt Präsident Ralph Bleuer. Seit dem 15. Januar, seit der Aufhebung des Euromindestkurses, sei alles anders geworden, die gesamtwirtschaftliche Anspannung sei zu gross. Bleuer vermutet hinter dem frühen Ausverkauf eine Hilflosigkeit der Geschäfte. «Sie wollen attraktiv sein und sich abheben.» Verbote oder Weisungen gegen einen frühen Ausverkauf könne Pro City nicht aussprechen. Er könne nur für Zurückhaltung plädieren, sagt Bleuer. «Ein Ausverkauf vor Weihnachten ist ungeschickt.»

Dominoeffekt bei Modeläden

Bleuer ortet das Problem vor allem in der ungewöhnlich verschärften Konkurrenzsituation etwa zum Onlinehandel, zu den günstigeren Nachbarländern, aber auch unter den lokalen Anbietern. «Setzt ein grosses Modehaus seine Preise runter, müssen alle anderen mitziehen. Es ist ein Dominoeffekt.»