ST.GALLER MILLIONENPROJEKT: Ein Schritt näher am neuen Busdepot

Die Pläne für ein neues Busdepot an der Rechenstrasse werden langsam konkret. Geht es nach dem Stadtrat, soll in dem Depot-Neubau auch Wohnraum entstehen. Bis es so weit ist, muss das Projekt aber noch einige politische Hürden nehmen.

Luca Ghiselli
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Die Stadt will auf dem Areal zwischen der Badi Lerchenfeld und der Rechenstrasse ein neues VBSG-Depot bauen. (Bild: Jil Lohse)

Die Stadt will auf dem Areal zwischen der Badi Lerchenfeld und der Rechenstrasse ein neues VBSG-Depot bauen. (Bild: Jil Lohse)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Für den Stadtrat ist der Fall klar: Die Vorteile eines Depot-Neubaus an der Rechenstrasse überwiegen. Mehr Platz für die Werkstatt, effizienteres Aufkolonnieren und vor allem: weniger einengende bauliche Rahmenbedingungen. Das rund 15000 Quadratmeter grosse Areal zwischen Freibad Lerchenfeld, Zürcher Strasse und Rechenstrasse eigne sich nicht nur wegen des gestiegenen Flächenbedarfs der Verkehrsbetriebe St. Gallen (VBSG) besser als Depotstandort, sondern sei auch in der Nähe des Bahnhofs und in unmittelbarer Nähe zur Hauptverkehrsachse der Stadt. Bis anhin war geplant, das heutige Depot an der Steinachstrasse zu sanieren und erweitern (siehe Zweittext). Diese Pläne werden nun aber zumindest vorläufig auf Eis gelegt.

Mantelnutzung soll Wohnen im Busdepot ermöglichen

«Die Absicht des Stadtrats ist es, nun einen Neubau konkret ins Auge zu fassen und diese Pläne weiter zu verfolgen», sagt Peter Jans, Direktor der Technischen Betriebe. Noch sei aber kein definitiver Entscheid gefallen. Denn bis dahin gelte es noch, weitere Punkte zu klären. Ein wichtiger Faktor für das weitere Vorgehen sei die Planungssicherheit, sagt Jans. «Die Arrondierung des Grundstücks muss noch abgeschlossen werden, damit wir weiterplanen können.» Der Neubau soll aber nicht nur als Busdepot der VBSG genutzt werden, findet der Stadtrat. Er strebt eine Mantelnutzung an. «Im Sinn einer inneren Verdichtung streben wir an, dass oberhalb des Depots Wohnraum entsteht», sagt Jans. Dies würde der Maxime eines schonenden Umgangs mit Bauland entsprechen.

Die Suche nach Investoren

Das geht auch aus dem Musterprojekt, welches das Hochbauamt erstellt hat, hervor. «Wir haben diese Projektstudie erstellt, um Äpfel mit Äpfeln vergleichen zu können», sagt Stadtbaumeister Hans­ueli Rechsteiner. Soll heissen: Man habe den Standort Rechenstrasse und den Standort Steinachstrasse unmittelbar miteinander vergleichen wollen.

Dieses Musterprojekt ist aber mehr Referenz als Vorgabe. «Wir werden im Rahmen eines Investorenwettbewerbs nach geeigneten Projekten suchen», sagt Rechsteiner. Die Absicht des Stadtrats sei es nämlich, eine Kooperation zwischen der Stadt und Privaten anzustreben. «Bau und Betrieb des Depots wären Sache der Stadt, beziehungsweise der VBSG. Die Mantelnutzung würde von Privaten finanziert.» Für Peter Jans hat der Investorenwettbewerb den zusätzlichen Zweck, die Wirtschaftlichkeit eines solchen Unterfangens abzuklären. «Sollte das so sein, würde der erste wichtige Entscheid des Stadtrats gefällt werden.» Und zwar in Form eines «politischen Commitments», diesen Weg konkret weiter zu verfolgen.

Die Idee für eine Wohnnutzung stammt aus Zürich. Über dem Neubau des Tramdepots der Zürcher Verkehrsbetriebe in der Kalkbreite ist 2010 genossenschaftlicher Wohnraum entstanden. Etwas Ähnliches könnte nun also bald auch in St. Gallen gebaut werden.

Das Stimmvolk hat das letzte Wort

Bis es so weit ist, müssen die Pläne des Stadtrats aber noch einige Hürden nehmen. Zunächst wird die Liegenschaften- und Baukommission (LBK) des Stadtparlaments über die Absicht des Stadtrats für den Standort Rechenstrasse informiert, und diese muss der Arrondierung zustimmen. Danach wird der Wettbewerb vorbereitet, und erst dann kommen die Vorlagen ins Parlament. Das letzte Wort hat ohnehin die Stimmbevölkerung. Weil die Kosten für den Neubau – selbst wenn man nur den städtischen Beitrag daran berücksichtigt – 15 Millionen Franken deutlich überschreiten dürften und somit ein Referendum obligatorisch wird. Heute ist das Areal an der Rechenstrasse nur sehr spärlich bebaut. Neben dem ehemaligen Bürgerasyl der Gemeinde Straubenzell stehen einige Mehrfamilienhäuser im Westen des Areals sowie drei Holzbaracken im Osten auf dem Gebiet. In einer der Baracken ist der Jugendtreff Lollypop untergebracht, die anderen beiden werden bewohnt. Sowohl die Wohnhäuser an der Zürcher Strasse als auch die Baracken müssten dem Depot-Neubau weichen.

Bis Baubeginn dauert es noch Jahre

Am Anfang der Pläne für einen Neubau des VBSG-Depots stand eine unverbindliche Anfrage: «Der Stadtrat kam Mitte 2016 auf uns zu und fragte, ob der Depot-Standort an der Steinachstrasse noch den aktuellen Bedürfnissen entspreche», sagt Rechsteiner. Dies habe man zunächst aus stadtplanerischer Sicht analysiert und dann nach Grundstücken gesucht, die sich als Alternative anbieten würden. Nach einem Auswahlverfahren aufgrund verschiedener Kriterien prüfte das Hochbauamt das Areal Rechenstrasse vertieft. Mit positivem Bescheid. Bis zwischen Badi und Tankstelle die Bagger auffahren, dürfte es aber noch mehrere Jahre dauern.