ST.GALLER BUBENSCHÄNDER VOR KANTONSGERICHT: "Ein Psychopath ohne Einsicht und Reue"

Ein 62-jähriger Mann, dem sexuelle Handlungen mit Kindern und Pornografie vorgeworfen werden, wehrt sich vor dem St.Galler Kantonsgericht gegen seine Verwahrung. Zu den Opfern gehören auch zwei Enkel des Angeklagten.

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Der Mann vergriff sich unter anderem an seinen Enkeln. (Bild: Archiv/Keystone (Symbolbild))

Der Mann vergriff sich unter anderem an seinen Enkeln. (Bild: Archiv/Keystone (Symbolbild))

Das Kantonsgericht verhandelte den Berufungsfall am Dienstag. Das Urteil steht noch aus. Der mehrfach einschlägig vorbestrafte Schweizer soll seine Enkel zwischen 2011 und 2015 missbraucht und dabei gefilmt haben. Einer der beiden war damals erst acht Jahre alt.

Einen weiteren minderjährigen Knaben hatte er über das Internet kennengelernt. Mit ihm soll er in den Jahren 2007 und 2008 eine sexuelle Beziehung unterhalten haben. Laut Anklage lud er den Knaben regelmässig in seine Wohnung ein und machte ihm Geschenke.

Das Kreisgericht St.Gallen verurteilte den Mann Mitte 2016 wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern und Pornografie zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Anschliessend sollte der Mann verwahrt werden. Laut einem Gutachten ist er nicht therapierbar, und es besteht Wiederholungsgefahr.


Schlechte Prognose

Gegenüber dem Kantonsgericht beschrieb der Psychiater den Angeklagten als Psychopathen ohne Einsicht und Reue. Auch sein fortgeschrittenes Alter habe ihn nicht von schweren Übergriffen abgehalten. Eine Therapie einschliesslich Kastration mit Medikamenten hätte keine Aussicht auf Erfolg.

Dazu fehlten dem Beschuldigten die Reue und der Wille, sich auf eine Veränderung einzulassen. Er fühle sich in der pädophilen Szene wohl und sei deshalb immer wieder in sein Verhaltensmuster zurückgekehrt. Seine Taten habe er nur gestanden, weil die Beweislast erdrückend gewesen sei.


Kritik am Gutachten

Auch für den Verteidiger war klar, dass sein Mandant für seine Taten bestraft werden müsse. Eine Verwahrung sei aber nicht angemessen. Der Gutachter habe den Angeklagten tendenziös beurteilt, der Mann zeige durchaus Einsicht und Reue. Was er brauche und auch selber wolle, sei die richtige Therapie.

Die Vorinstanz habe strafmildernde Aspekte nicht gewürdigt. Das Geständnis und der Umstand, dass seinem Mandanten in einem früheren Gutachten eine leichte organische Hirnschädigung diagnostiziert worden sei, müssten berücksichtigt werden.

Der Verteidiger beantragte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und eine stationäre Massnahme (sogenannte kleine Verwahrung). Der Staatsanwalt verlangte die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils.

Als Kind selber missbraucht

Der Angeklagte sagte den Richtern, auch er sei in seiner Kindheit missbraucht worden. Hätte er dies nicht erleben müssen, wäre vielleicht vieles anders gekommen. Er sei von frühester Kindheit an von allen im Stich gelassen worden. Anstatt ihm zu helfen, habe man auf ihn eingeprügelt und ihn klein gemacht.

Jeden Tag bete er, dass seine Enkel das Geschehene verarbeiten könnten. Er könne es selber nicht fassen, was er vor allem dem Jüngeren angetan habe. Das Alter jenes Knaben, den er im Internet kontaktiert habe, habe er nicht gekannt. Der Jugendliche habe ihn ausgenützt und zu einer Beziehung gedrängt. (sda)

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