ST.GALLEN: Zwei Tonnen Hanf verbrannt

Die Stadt- und die Kantonspolizei stellen regelmässig Drogen in St.Gallen sicher. Diese Substanzen werden an einem geheimen Ort gelagert und einmal im Jahr vernichtet: Cannabis, Heroin und Kokain landen in der Verbrennungsanlage.

Katharina Brenner
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Die Zahl der Indoor-Plantagen in der Stadt St. Gallen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. (Bild: fotolia/Iriana Shiyan)

Die Zahl der Indoor-Plantagen in der Stadt St. Gallen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. (Bild: fotolia/Iriana Shiyan)

ST.GALLEN. 300 Kilo Hanfprodukte, sechs Kilo Heroin, rund sechs Kilo Kokain, 76 Kilo Khat, 1,8 Kilo halluzinogene Pilze, rund zwei Liter K.-o.-Tropfen und einige hundert Pillen Ecstasy und LSD – diese Drogen hat die Kantonspolizei im Jahr 2015 im Kanton St.Gallen sichergestellt. Zahlen für die Stadt liegen weder der Stadtpolizei noch der Kantonspolizei vor.

Die Stadtpolizei kann jedoch sagen, welche Drogen sie derzeit am häufigsten sicherstellt: Heroin, Kokain und Cannabisprodukte. Das habe sich in den vergangenen Jahren nicht gross verändert, sagt Mediensprecher Roman Kohler. Die meisten Drogen finde die Stadtpolizei bei normalen Personenkontrollen oder bei der Aktion Ameise, bei welcher sie die Kantonspolizei unterstützt. Im Rahmen dieser Aktion kaufen Polizisten in Zivil Drogen und überführen Dealer und Käufer. Clubs oder andere Lokalitäten werden nur auf einen konkreten Verdacht hin kontrolliert, sagt Kohler.

Drogen in Halle gelagert

Die sichergestellten Substanzen gibt die Stadtpolizei der Kantonspolizei. Diese lagert sie in einer Sicherstellungshalle. Der Ort bleibt geheim. Einmal im Jahr überprüft der Kantonsapotheker des Kantonsspitals St. Gallen, ob die Menge der Drogen mit der Buchhaltung übereinstimmt. Dass etwas fehlte, sei in den vergangenen 20 Jahren nie der Fall gewesen, sagt Eugen Rentsch, Leiter Betäubungsmitteldelikte bei der Kantonspolizei.

Nach der Überprüfung werden diejenigen Drogen vernichtet, die nicht mehr als Beweis dienen. Zieht sich ein Verfahren hin, lagern manche Substanzen mehrere Jahre in der Halle. Deshalb ist die Menge der sichergestellten Drogen eines Jahres nicht deckungsgleich mit der Menge der vernichteten.

Polizisten begleiten den Drogentransport von der Sicherstellungshalle zur Kehrichtverbrennungsanlage in St. Gallen und in Buchs. «Wir bleiben vor Ort, bis alles verbrannt ist. Der Vorgang ist definitiv sehr sicher», sagt Rentsch. Im vergangenen Jahr seien an einem Tag 2,16 Tonnen Hanf, 15 Kilo Heroin, zwölf Kilo Kokain und andere Drogen vernichtet worden. Grosse Mengen Hanf werden mit dem Krahn in den Verbrennungstrichter befördert. «Heroin, Kokain und die anderen Drogen werden in Schachteln von Hand direkt in die Verbrennungstrichter geworfen», sagt Rentsch.

Seine Dienststelle mit 15 Mitarbeitern ermittelt vor allem international. Netzwerke aus Osteuropa, die über Österreich in die Ostschweiz kommen, hätten einen starken Einfluss auf den Handel. Während Bayern ein grosses Problem mit Crystal Meth aus Tschechien habe, sei diese Welle hier noch nicht angekommen – auch wenn seit Jahren davor gewarnt werde.

Handel ist auf hohem Niveau

«Der Drogenhandel im Kanton ist bereits seit einigen Jahren auf einem hohen Niveau», sagt Rentsch. Die Stadt St. Gallen habe dabei eine Art Zentrumsfunktion. Zugenommen habe in den vergangenen Jahren die Zahl der Indoor-Plantagen in der Stadt. Meist handle es sich dabei um rund 100 Pflanzen, die in Zimmern, Wohnungen und Garagen wachsen. Häufig wiesen Nachbarn die Polizei darauf hin.

Die Seite der Konsumenten

Wie sieht es auf der Seite der Konsumenten aus? Jürg Niggli, Geschäftsleiter der Stiftung Suchthilfe sagt, dass der Drogenkonsum in der Stadt seit einigen Jahren auf einem gleichbleibenden Niveau sei, «einem moderaten». Diese Ansicht hänge aber vom Massstab ab. Im Vergleich zur ehemals offenen Drogenszene sei die Situation jetzt viel besser. Die Stiftung Suchthilfe betreut derzeit etwa 700 Personen.

Eine Trendwende, was die Beliebtheit bestimmter Drogen angehe, habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben, sagt Niggli. «Gott sei Dank, ist Crystal Meth noch nicht hier angekommen.» Wie die Kantonspolizei beobachtet auch die Stiftung Suchthilfe die Ausbreitung dieser Droge sehr genau. «Sie führt sehr schnell zu Kontrollverlust und zu einer körperlichen Abhängigkeit», sagt Niggli. Häufig konsumierte Drogen in der Stadt seien nach wie vor Cannabis, Ecstasy, Medikamente, Amphetamine und Heroin.