ST.GALLEN: Zu alt für den Fortschritt

Bahnfans wundern sich, wieso der SGA-Veteran "Föfi" schon jetzt Abschied von der Ruckhalde genommen hat. Falscher Strom und ein zu enges Profil sind die Gründe.

Peter Hummel
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Der Nostalgietriebwagen "Föfi" auf einer seiner letzten Fahrten im Riethüsli. Am 13. November war er letztmals mit Eisenbahnfans von St.Gallen nach Teufen unterwegs. (Bild: Peter Hummel)

Der Nostalgietriebwagen "Föfi" auf einer seiner letzten Fahrten im Riethüsli. Am 13. November war er letztmals mit Eisenbahnfans von St.Gallen nach Teufen unterwegs. (Bild: Peter Hummel)

Die Situation an der Zahnradstrecke über die Ruckhalde erinnerte Mitte November im Kleinen an den Gotthard: Während dort ab Fahrplanwechsel im Dezember der Schnellzugsverkehr eingestellt und durch den Basistunnel geleitet wird, machte hier eine grünweisse Komposition der ehemaligen St.Gallen-Gais-Appenzell-Bahn (SGA) ihre Abschiedsfahrten zwischen St.Gallen und Teufen. Im Einsatz stand der Veteranentriebwagen BCFeh 4/4, Nummer 5. Er wird vom Personal und den Fans liebevoll "Föfi" genannt. Derweil am Gotthard nach dem Fahrplanwechsel noch Regionalzüge verkehren werden, ist nach Eröffnung des Ruckhaldetunnels in St.Gallen ganz Schluss mit dem Bahnbetrieb über den "Riethüslipass".

Neuer AB-Bahnhof macht ein Ende
Viele der zahlreichen Nostalgiefans, die Mitte November mit dem "Föfi" unterwegs waren, fragten sich, warum eigentlich dieser Abschied schon rund anderthalb Jahre vor Stilllegung der Zahnradstrecke stattfinden musste. Alexander Liniger, Pressesprecher der Appenzeller Bahnen (AB), klärt auf: "Der Grund ist die Inbetriebnahme des auf zwei Durchgangsgleise umgebauten Gaiserbahnhofs am 11. Dezember."

Während der zweijährigen Übergangszeit gibt es zwar noch keinen Durchgangsverkehr, dafür verschiedene Stromspannungen: Die Fahrleitung über dem bisherigen Gleis nach Trogen hat weiter die Trolleybusspannung von 600 Volt (ab dem Burggraben sind es 1000 Volt) für die TB-Züge. Das neue Gleis nördlich davon weist aber schon die künftig fürs ganze Netz geltende AB-Spannung von 1500 Volt auf. Weil es im östlichen Bahnhofsteil keine Weichen mehr gibt, ist das Umfahren der mitgeführten Wagen (um den Triebwagen von einem Ende des Zuges ans andere zu stellen) unmöglich.

"Föfi" bald auch auf der Stammstrecke rar
Nach Inbetriebnahme des Ruckhaldetunnels dürfte der Veteran schon wegen dessen schmäleren Lichtraumprofils nicht mehr nach St.Gallen fahren können. Dazu sei ungewiss, wie gut der Oldtimer die neue Steigung im reinen Adhäsionsbetrieb (ohne Zahnstange) von gegen 80 Promille vor und im Tunnel schaffen würde, sagt Alexander Liniger.

Ganz allgemein ist gemäss dem AB-Sprecher der Aufwand für Sonderfahrten mit Veteranen ohne Zugsicherung aufgrund verschärfter Vorschriften seitens des Bundesamtes für Verkehr (BAV) seit diesem Jahr markant gestiegen. Die AB haben – zur Überraschung vieler Eisenbahnliebhaber – daher jetzt erstmals verlauten lassen, dass sie mit dem BCFeh 4/4 vom Depot in Gais aus überhaupt nicht mehr auf der einstigen SGA-Stammstrecke nach Teufen zu fahren gedenken. Dies, obwohl solche Fahrten technisch bis in die Liebegg weiterhin möglich wären. Uneingeschränkt einsetzbar bleiben soll der Veteran dagegen auf der Strecke von Gais nach Appenzell und auf der Stammlinie der einstigen Appenzeller Bahn von Gossau nach Wasserauen.