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ST.GALLEN: Zollibolli steht vor ungewisser Zukunft

Das Zollibolli-Gebäude am Bärenplatz hat den Besitzer für mehrere Millionen gewechselt. Das Spielwarengeschäft bleibt vorerst in der Innenstadt. Der Mietvertrag läuft noch bis 2021. Danach ist alles möglich.
Christoph Renn
Das Spielwarengeschäft Zollibolli ist seit 1872 im Gebäude am Bärenplatz zuhause. (Bild: Benjamin Manser)

Das Spielwarengeschäft Zollibolli ist seit 1872 im Gebäude am Bärenplatz zuhause. (Bild: Benjamin Manser)

In der aktuellen Diskussion um die Mobilitäts-Initiative fällt immer wieder der Begriff des Lädelisterbens. Für Detailhändler sei die Stadt nicht mehr attraktiv, wenn es keine Parkplätze mehr gebe, sagen die Initianten. Einkaufstourismus und die Digitalisierung vermuten hingegen die Gegner als Hauptgründe. Nun kursiert ein neues Gerücht zum Thema Lädelisterben: Zollibolli habe seine Liegenschaft an der Marktgasse 19 verkauft und werde die Innenstadt bald verlassen. "Das Haus ist verkauft", bestätigt Markus Eugster, Filialleiter bei Zollibolli. Dass das Spielwarengeschäft diese Filiale schliessen werde, stimme hingegen überhaupt nicht.
Dass die Liegenschaft ihren Besitzer wechselt, aber Zollibolli weiter in diesen Räumlichkeiten bleibt, hat einen bestimmten Grund: Das Haus gehört nicht den Inhabern des Spielwarengeschäfts. 2011 übernahm die Amsler Spielwaren AG den Zollibolli von der Familie Zollikofer. Die Zollikofers aber behielten das Gebäude. Nun haben sie es verkauft. "Wir haben damals einen Mietvertrag über zehn Jahre abgeschlossen. Folglich verfügen wir noch über einen gültigen Vertrag bis Ende 2021", sagt Eugster. Solange werde das Spielwarengeschäft sicher noch am Bärenplatz Puzzles und Puppen verkaufen. Wie es danach weitergehe, könne er nicht sagen. "Eine Schliessung steht momentan aber nicht zur Diskussion."

Der Online-Handel als grosse Herausforderung

Für wie viel Geld das Haus "Unterer Scheggen" den Besitzer gewechselt hat, verschweigen beide Parteien. Von 15 Millionen Franken ist gerüchteweise die Rede. So viel war es aber laut Insidern nicht. Auch über die Gründe des Verkaufs schweigen die Parteien. Was die neuen Besitzer, die AG für städtisches Wohnen, mit dem Haus an der Marktgasse 19 für die Zukunft planen, bleibt ebenso noch ungewiss. Für Spieleliebhaber bleibt hingegen die Sicherheit, dass Zollibolli mindestens für die kommenden drei Jahre Teil des Bärenplatzes bleiben wird.

Das Gesicht des Platzes wird sich trotzdem noch dieses Jahr verändern. Denn ein anderes Unternehmen wird voraussichtlich im Juli den Standort wechseln. Die zur Orell Füssli Thalia AG gehörende Filiale Rösslitor zügelt in die Räumlichkeiten an der Ecke Markt-/Spitalgasse, in denen der Musik Hug über 100 Jahre lang Platten und Instrumente verkauft hat. Die traditionsreiche Buchhandlung wird also nicht wie Musik Hug aus der Innenstadt verschwinden, wie auch das Spielwarengeschäft noch lange nicht totgeschrieben werden darf.

Trotzdem bleibt ein fader Nachgeschmack. Die AG für städtisches Wohnen antwortet derzeit nicht auf Anfragen. Was mit dem Zollibolli am Bärenplatz nach 2021 passiert, bleibt also offen. Zumal das Spielwarengeschäft seit Juni vergangenen Jahres eine zweite Filiale im ersten Obergeschoss des Neumarktes 2 betreibt.

Dass es für Detailisten in der heutigen Zeit schwierig ist, bestätigt Sandro Küng, Pressesprecher des Spielwaren Verbandes Schweiz (SVS). Auch er sieht die Verschiebung vom stationären zum Einkauf per Internet als grosse Herausforderung. Auch wenn der Anteil Online-Handel im Vergleich zu Deutschland gering sei. Trotzdem hat der stationare Non-Food-Handel in den letzten sechs Jahren 8,3 Milliarden Franken an Umsatz eingebusst. "Schweizer Konsumenten bestellen Waren aus Non-Food-Sortimenten zu 15,3 Prozent online", sagt Küng. Dieser Anteil werde voraussichtlich 2019 bei 20 Prozent liegen. Die Leerstandsquote bei Ladenflächen erhöhe sich dadurch substanziell.

In die Zukunft mit gut geschultem Personal

Trotz der vielen Herausforderungen für die Detailhändler bleibt Sandro Küng optimistisch. So könne sich der Fachhandel vor allem über gut geschultes Personal positionieren, das Kunden beraten kann und die Produkte gut kennt. "Zum Beispiel muss das Personal wissen: Wenn jemand gerne mit dem Produkt X spielt, kommt möglicherweise auch Produkt Y gut an."

Auch in der Digitalisierung sieht er eine Chance für Spielwarengeschäfte wie Zollibolli. So könnten Kunden beispielsweise personalisiert über Kurznachrichten über neue Produkte informiert werden. So bleibt die Hoffnung, dass sich Zollibolli noch viele Jahre in der Innenstadt behaupten kann. Das Unternehmen, das 1856 von Karolina Zollikofer als Spiel- und Korbwarengeschäft an der Multergasse 1 eröffnet wurde. 1872 zügelte sie das gesamte Sortiment in den Laden im "Unteren Scheggen" an der Marktgasse 19. Seit diesem Umzug hat sich Zollibolli am Bärenplatz behauptet.

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