ST.GALLEN: Wo das Leben pulsiert, funktioniert die Bibliothek

Bis 2019 müssen Stadt und Kanton St.Gallen ein Konzept für eine neue Bibliothek vorlegen. Gestern wurden erste Überlegungen präsentiert.

Nina Rudnicki
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Seit 2012 ist die Bibliothek provisorisch in der St. Galler Hauptpost untergebracht. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Seit 2012 ist die Bibliothek provisorisch in der St. Galler Hauptpost untergebracht. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

ST. GALLEN. «Die zukünftige Bibliothek von St. Gallen muss genau hier in der Hauptpost liegen», sagte der deutsche Bibliotheksforscher Konrad Umlauf gestern im Raum für Literatur in der Hauptpost. Der St. Galler Verein «Pro Stadtbibliothek» hatte ihn zu einer Diskussionsveranstaltung mit Regierungspräsident Martin Klöti und Stadtrat Markus Buschor eingeladen. Dies, weil das Bibliotheksprovisorium in der Post in den nächsten Jahren durch eine neue und grössere Publikumsbibliothek für Stadt und Kanton abgelöst werden soll (siehe Kasten). Derzeit sind Bücher und Medien an verschiedenen Standorten in der Stadt untergebracht. «Die Zeit ist knapp. Spätestens in zweieinhalb Jahren muss ein Konzept für die neue Bibliothek vorliegen», sagte Christian Crottogini, Präsident von «Pro Stadtbibliothek». «Wir wollen daher heute über die nächsten Schritte sprechen.»

«Das sagen wir Ihnen nicht»

Viel Neues erfuhren die rund 60 anwesenden Personen im Publikum allerdings nicht. Regierungspräsident Martin Klöti nahm gleich vorweg: «Sie möchten erfahren, wo wir die künftige Bibliothek zusammenführen. Das sagen wir Ihnen heute aber nicht. Wir werden über den Inhalt diskutieren, nicht über die Form.»

Die Bibliothek in der Hauptpost sei seit der Eröffnung vor eineinhalb Jahren eine Erfolgsgeschichte. Mit seinem Café St. Gall und den hundert Arbeitsplätzen für Besucher sei sie ein Begegnungsort für die Bevölkerung geworden und alles andere als eine verstaubte Bibliothek. Ungünstig sei lediglich, dass die Bibliotheksbenutzer derzeit noch zwischen den verschiedenen Standorten wie der wissenschaftlichen Abteilung in der Vadiana sowie der Kinder- und Jugendbibliothek Katharinen hin- und herpendeln müssten, und dass die Mitarbeiter nicht unter einem Dach arbeiten würden. «Der Kanton ist derzeit zusammen mit der Stadt mit den ersten Vorbereitungsarbeiten beschäftigt», sagt Klöti. «Beide Parteien sind daran interessiert, die Bibliothek an einem Ort zusammenzuführen, wo das öffentliche Leben pulsiert.»

Ein solch pulsierender Ort sei die Hauptpost. «Es ist der idealste Standort, den ich mir denken kann», sagte denn auch Bibliotheksforscher Umlaut. Die Bedingungen dafür, dass eine Bibliothek besucht und genutzt werde, sei, dass sie so verkehrsgünstig wie möglich liege, sich im Stadtzentrum befinde und es in der Nähe einen Supermarkt gebe. Das sind alles Faktoren, die auf den aktuellen Standort der Bibliothek in der Hauptpost zutreffen.

Umlaut zeigte aber auch auf, wie ein alternativer Standort, etwa in einem Industriegebiet, aussehen muss, damit dort eine Bibliothek funktioniert. «Wenn sie am Stadtrand liegt oder nur mühsam zu erreichen ist, muss die Bibliothek so einmalig und attraktiv wie nur möglich sein», sagte er. «Ihr abgelegener und ruhiger Standort kann dann sogar zum Vorteil werden, der die Besucher trotz mühsamer Anreise anzieht.» Damit dies funktioniere, müsse man aber wahnsinnig viel Geld investieren.

Zu schön für ein Provisorium

So weit braucht man in St. Gallen laut Stadtrat Buschor nicht zu gehen. Er machte deutlich, wie sehr er den heutigen Standort schätzt. «Die Hauptpost ist ein so schöner und lebendiger Ort, dass es mir schwer- fällt, von einem Provisorium zu sprechen», sagte er. Die Zahl der ausgeliehenen Medien und der neueingeschriebenen Personen sei seit der Eröffnung rasant gestiegen. Und seit es die Kinder- und Jugendbibliothek Katharinen gebe, liessen sich auch junge Menschen wieder vermehrt auf Bücher ein. «Inhaltlich hat St. Gallen das umfassendste Bibliotheksgesetz der Schweiz. Halten wir dieses Tempo hoch», sagte er. Das Ziel müsse sein, bis 2019 einen gemeinsamen Ort für die Publikumsbibliothek gefunden zu haben. St. Gallen solle als Buchstadt noch bekannter werden.

Regierungsrat Martin Klöti sagte gestern nichts zum Standort der neuen Bibliothek. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Regierungsrat Martin Klöti sagte gestern nichts zum Standort der neuen Bibliothek. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

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