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ST.GALLEN: Wirtschaft wirft der Stadt St.Gallen Mutlosigkeit vor

Eine Vereinigung verschiedener Wirtschaftsverbände kritisiert die Pläne der Stadt St. Gallen für die weitere Entwicklung des Areals beim Bahnhof St. Fiden. Aus ihrer Sicht werden zwei zentrale Elemente vernachlässigt und so Chancen vergeben.
David Gadze
Wirtschaftsverbände halten an ihrer Forderung fest, eine Überdachung des Bahnareals in St. Fiden zu prüfen. (Bild: Ralph Ribi (10. April 2017))

Wirtschaftsverbände halten an ihrer Forderung fest, eine Überdachung des Bahnareals in St. Fiden zu prüfen. (Bild: Ralph Ribi (10. April 2017))

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Rund um den Bahnhof St. Fiden soll dereinst ein neuer Stadtteil entstehen. Ein neues, urbanes Zentrum mit Hochhäusern für Wohnen, Arbeiten und Dienstleistungen. Gleichzeitig würde es die beiden nördlich und südlich angrenzenden Quartiere miteinander verbinden. So zumindest sieht es die in einer Testplanung erarbeitete Vision der Stadt St. Gallen vor («Tagblatt» vom 8. Dezember). Die IG Wirtschaft St. Fiden, ein Zusammenschluss verschiedener Wirtschaftsverbände, gehört zum Gremium, das die Testplanung begleitet hat. In einer Stellungnahme spricht die IG von «Licht und Schatten». Das Resultat enttäusche vor allem in zwei Punkten: Zum einen bemängelt die IG den «fehlenden Mut zur Schaffung einer Mobilitätsdrehscheibe». Zum anderen kritisiert sie, dass die Frage der Überdachung der Gleise zwischen der Splügen- und der Spinnereibrücke nicht abschliessend geklärt beziehungsweise vorzeitig verworfen worden sei.

IG ist im Austausch mit möglichen Investoren

Die IG Wirtschaft St. Fiden hatte bereits rund einen Monat vor der Präsentation der Resultate der Testplanung über ihre Ideen informiert. Damit erweckte sie den Eindruck, vorzeitig Druck auf die Stadt ausüben zu wollen. Remo Daguati, als Geschäftsführer des kantonalen und städtischen Hauseigentümerverbands in der IG vertreten, verteidigt dieses Vorgehen. «Uns ging es lediglich darum, die Chancen aufzuzeigen, die sich hier bieten.»

Diese würden durch eine schrittweise Überdachung des Bahnareals wesentlich gesteigert, sagt Daguati. Ein «Brückenschlag» sei allein mit einer neuen Passerelle über die Gleise für den Langsamverkehr nicht zu schaffen. Die Stadt hatte sich aus finanziellen, technischen und städtebaulichen Gründen gegen die Überdachung ausgesprochen. Inwieweit ein Dach über den Gleisen technisch und finanziell realisiert werden könne, sei zu diesem Zeitpunkt Kaffeesatzlesen, sagt Daguati. Die Idee jetzt schon zu begraben, sei deshalb ein Fehler. Die von der Stadt genannten städtebaulichen Überlegungen gegen die Überdachung beziehungsweise gegen das notwendige Bauvolumen lässt Daguati nicht gelten. Diese Gebäude würden nicht höher als das Rathaus, das Fachhochschulzentrum oder das Bundesverwaltungsgericht. Zudem eigne sich das Areal geradezu für innere Verdichtung, wie sie die Stadt propagiere und das übergeordnete Entwicklungskonzept des Kantons vorsehe. Die IG Wirtschaft St. Fiden sei «im Austausch» mit Investoren, die sich die Finanzierung eines Deckels oder zumindest eine finanzielle Beteiligung daran durchaus vorstellen könnten. Namen will Daguati jedoch nicht nennen.

Aggressive Aufwertung über die Mobilität

Bedingung für eine Überdachung sei jedoch die Aufwertung des Bahnhofs zu einer «Mobilitätsdrehscheibe», sagt Daguati. «St. Fiden kann als Zentrum nur dann funktionieren, wenn man eine aggressive Aufwertung über die Mobilität macht.» Das schliesse alle Verkehrsträger ein. Doch was heisst das konkret? Die Beziehungen zum Bahnhof St. Fiden müssten verbessert werden. Das bestehende S-Bahn-Angebot sei ausreichend, werde aber viel zu wenig genutzt. Das liege auch daran, dass die Verknüpfung der S­-Bahn mit dem Busnetz, dem Langsamverkehr und dem motorisierten Individualverkehr mangelhaft sei, trotz des Autobahnanschlusses in unmittelbarer Nähe. Daran werde auch die geplante neue VBSG-Linie vom Stadtzentrum über die St.-Jakob-Strasse, die Splügen­strasse und die Bachstrasse ins Heiligkreuz wenig ändern, ebenso die anstehende Sanierung des Bahnhofs. Es brauche beispielsweise einen Park-and-Ride-Hub, aber auch «Lösungen für künftige Mobilitätsformen» wie Car-Sharing oder Elektromobilität.

Eine wesentliche Rolle für die Entwicklung spiele auch der geplante Medtech-Cluster zwischen Kantonsspital und Olma. Nirgends in der Schweiz gebe es eine so grosse Entwicklungsfläche in der Nähe eines Zentrumsspitals, sagt Daguati, der bis 2016 die nationale Standortförderung leitete. «Dieser Standort wäre ein Selbstläufer.» Er spricht gar von einem Areal von nationaler Bedeutung. «Bindet man es verkehrlich besser ans Kerngebiet um den Bahnhof an, erhält die Entwicklung zusätzliche Schubkraft.»

Die IG gibt noch nicht klein bei

Als Niederlage will Daguati die Nichtberücksichtigung der zentralen Anliegen der IG Wirtschaft St. Fiden nicht verstanden wissen. «Aber es wurmt einen, wenn man sieht, dass in anderen Regionen grosse Projekte umgesetzt werden und hier nicht, weil uns von Anfang an der Mut dazu fehlt.» Die Teilnahme an partizipativen Prozessen schliesst jedoch immer die Bereitschaft zu Kompromissen mit ein. Die Frage, ob die IG auch eine Lösung unterstützen würde, die nicht vollends in ihrem Sinn ist, lässt Daguati offen. Eine «Minimalvariante» dürfe es aber keinesfalls sein. Klein beigeben will die IG jedenfalls noch nicht: «Wir haben weiterhin die Erwartung, dass man die aus unserer Sicht offenen Punkte in der Masterplanung nochmals anschaut.» Die IG Wirtschaft St. Fiden hat dem Stadtrat deshalb bereits eine «aktive Mitwirkung» zugesichert.

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