ST.GALLEN: Wegen Lärmklagen: Polizei drohte «Weihern Openair» mit Festivalabbruch

Das «Weihern Openair» in St.Gallen endet im Streit. Die Veranstalter beklagen einen unverhältnismässigen Polizeieinsatz. Man habe die Lautstärkengrenzwerte sauber eingehalten.

Julia Nehmiz
Drucken
Teilen
Auch am letzten Abend des dreitägigen Festivals genossen die Besucher die Konzerte. (Bild: Ralph Ribi)

Auch am letzten Abend des dreitägigen Festivals genossen die Besucher die Konzerte. (Bild: Ralph Ribi)

ST.GALLEN. Dario Aemisegger ist aufgebracht und enttäuscht zugleich. «Ich bin immer der Bösewicht», sagt er am Samstagmittag. «Dieser Groove zieht sich durch unsere fünfjährige Festivalgeschichte.» Der Gründer und Organisator des kleinen Musikfestivals ist erbost über eine Polizeikontrolle am Freitagabend.

Noch vor dem Konzertbeginn um 18 Uhr hatte sich Aemisegger mit dem Quartierpolizisten zusammengesetzt. Keine Klagen, hiess es da. Alles sei ruhig und friedlich verlaufen bezüglich Lärm und Sicherheit. Man könne gut in den zweiten Konzertabend starten. Als Aemisegger dann seine Mailbox abhörte, fiel er aus allen Wolken. Der Lärmschutzbeauftragte der Stadt St.Gallen hatte ihm draufgesprochen, es seien viele Lärmklagen eingegangen. Aemisegger rief sofort zurück. «Ich erwiderte, dass wir alle Grenzwerte eingehalten hätten», erzählt Aemisegger. «Daraufhin sagte er, das sei jetzt eine offizielle Verwarnung, bei der nächsten werde das Festival abgebrochen.» Der Quartierpolizist fand heraus, dass eine Lärmschutzklage vom Donnerstagabend vorliege. «Dann ist so eine Drohung doch unverhältnismässig», sagt Aemisegger.

Die Stadtpolizei widerspricht

Aber es sei noch weitergegangen. «Gegen 22 Uhr Uhr kamen drei Polizisten mit Kastenwagen, sie sagten, es hätte haufenweise Lärmschutzklagen gegeben.» Ein Polizist habe auf aggressive Art und Weise durch die Eingangskontrolle gewollt. Aemisegger habe ihnen den plombierten Dezibelmesser gezeigt. «Wir haben die Grenzwerte immer eingehalten», sagt er. Eineinhalb Stunden habe er den Polizisten Red und Antwort stehen müssen. Eigentlich hätte er auf der Bühne Bands ansagen sollen. «Dieser Einsatz ist reine Schikane.»

Das sieht der Mediensprecher der Stadtpolizei anders. «Ich kann bestätigen, dass wir Lärmklagen hatten», sagt Roman Kohler. Diese hätten sich am Freitag nach 22 Uhr gehäuft. Deswegen seien zwei Polizisten zum Festivalgelände gefahren um zu kontrollieren, ob alle in der Bewilligung vereinbarten Grenzwerte eingehalten würden. Der Dezibelwert sei zum Schutz des Publikums an Ort festgelegt. Wenn sich Anwohner vom Lärm massiv gestört fühlten, könne die Polizei aufgrund des Emissionsschutzreglements vom Veranstalter sogar verlangen, die Lautstärke zu reduzieren.

Wie viele Lärmklagen am Freitag eingegangen seien, kann Kohler nur schätzen: «Bei der Einsatzzentrale sind weniger als zehn eingegangen.» Vom Donnerstag weiss er nur von ein bis zwei Lärmklagen und von einer schriftlichen Beschwerde, die an die Stadt St.Gallen ging. Zwei Polizisten seien gegen 22 Uhr auf dem Festivalgelände erschienen. Kohler merkt an, dass Aemisegger es nicht als Angriff sehen sollte, wenn Polizisten bei einem Festival vorbeikämen. An Veranstaltungen sei die Polizei immer präsent, vor allem in der heutigen Zeit. «Das ist unser Job.»

Information von offizieller Stelle gewünscht

Dario Aemisegger sagt, er hätte sich gewünscht, von einer offiziellen Stelle über Lärmklagen informiert zu werden. «Es geht doch nicht, dass der Lärmschutzbeauftragte von seinem Privathandy anruft und eine offizielle Verwarnung ausspricht.»

Trotz aller Querelen sei die Stimmung gut. 1000 Personen wurden am Samstagabend erwartet. Doch Aemisegger will die Vorkommnisse nicht hinnehmen. «Wir fühlen und drangsaliert und wollen uns wehren.»