ST.GALLEN: Vom Pausenplatz zur Sitterbühne

Der Ostschweizer Band Panda Lux kommt eine besondere Ehre zu: Sie eröffnet das diesjährige St. Galler OpenAir. Und zwar auf der Sitterbühne. Ihr aktueller Song «Oben» läuft auf allen Sendern, trotzdem spielen die Musiker auch Anti-Pop.

Kathrin Reimann
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Samuel und Silvan Kuntz, Moritz Widrig, Janos Mijnnsen (von links) im Tropenhaus des Botanischen Gartens. (Bild: pd)

Samuel und Silvan Kuntz, Moritz Widrig, Janos Mijnnsen (von links) im Tropenhaus des Botanischen Gartens. (Bild: pd)

ST.GALLEN. Auf einem Pausenplatz in Rorschach fing alles an: 2006 sprachen die musikalischen Brüder Silvan und Samuel Kuntz den Schlagzeuger Moritz Widrig an und fragten, ob er ein Schlagzeug besitze. Wenig später warben sie einer befreundeten Band den singenden Gitarristen Janos Mijnssen ab.

Gitarre nicht mehr gehört

Zehn Jahre, einige Bandnamen-Wechsel und zahlreiche Auftritte später, fällt Panda Lux die Ehre zu, das St. Galler OpenAir zu eröffnen. Die vier spielen das erste Konzert auf der Hauptbühne. «Das ist eine riesige Ehre und fühlt sich total surreal an», sagt Widrig. Zwar haben Panda Lux bereits am letzten OpenAir im Sittertobel gespielt, damals aber noch auf einer Nebenbühne für Nachwuchsbands. «Doch schon damals erschien massenhaft Publikum, teilweise hörte ich meine Gitarre nicht mehr, weil die so laut klatschten», sagt Samuel Kuntz.

Das Label der Chartsstürmer

Besuchermassen wie am OpenAir sind sich die vier Musiker im Alter zwischen 22 und 24 Jahren nicht gewohnt: Normalerweise treten sie vor 50 bis 100 Zuschauern auf. «Manchmal sind es auch nur 40 – noch kennt man uns nicht so», ergänzt Sänger Silvan Kuntz. Eine Tatsache, die sich bald ändern könnte. In den vergangenen drei Wochen haben die Deutsch-Pop-Rocker «gewaltige Sprünge» gemacht. Dazu gehört der Zuschlag das OpenAir zu eröffnen ebenso, wie der Wechsel zum Label Phonag, bei dem Künstler wie DJ Antoine, Bastian Baker und Nickless unter Vertrag stehen.

Ausserdem wird ihre soeben herausgegebene Single «Oben» von allen Deutschschweizer Radiostationen gespielt. Der tanzbare Popsong wurde von SRF 3 sogar zum «Song des Tages» gewählt und dementsprechend gepusht. Ob die Ostschweizer also bald Bastian Baker den Rang ablaufen werden? «Wohl kaum, aber wir wollen schon eine professionelle Richtung einschlagen – nur so kann unsere Musik Geld abwerfen», sagt Widrig. Nichtsdestotrotz haben sie lustige, aber keine guten Erfahrungen mit Bastian-Baker-Fans gemacht. «Wir haben an einem Festival vor ihm gespielt», erzählt Silvan Kuntz. In der ersten Reihe hätten sich seine weiblichen Fans bereits positioniert, um dem Idol ganz nahe zu sein. «Bei einigen unserer härteren Songs haben die sich dann demonstrativ die Ohren zugehalten und sich sogar umgedreht.»

Popsongs und Pop-Verneinung

Panda Lux sind mehr als eine radiotaugliche Popband. «Wir versuchen einen Spagat zwischen fein geschliffenen Popsongs und ihrer absoluten Verneinung zu machen.» Auf ihrem Album – es soll im Spätsommer unter dem Namen «Versailles» herauskommen – werden auch zehnminütige rockige und experimentelle Lieder zu hören sein. Was für die Pop-Welt ein absolutes No-go ist.

Ausserdem befassen sich alle vier Panda-Lux-Mitglieder auch auf beruflicher Ebene mit Musik – studieren Musik, unterrichten Gitarre oder komponieren Filmmusik. «Das ist auch gut so, wenn sich jeder in der Band verwirklichen wollte, würden wir uns nur noch streiten», sagt Silvan Kuntz. Mittlerweile hätten sie sich diesbezüglich zwar gebessert und ihre Proben und Jams – die sie noch immer in der St. Galler Reithalle durchführen, obwohl alle Mitglieder in Luzern oder Basel wohnen – seien effizienter geworden «Früher haben wir manchmal wegen drei Schlägen auf dem Schlagzeug drei Stunden lang diskutiert und manchmal sogar gestritten», sagt Moritz Widrig.

Zehn Jahre in derselben Bandbesetzung zu spielen, sei eben extrem anstrengend. «Es ist aber genauso geil. Wir haben immer wieder Differenzen, aber das ist nicht schlimm.»

Das Bröckeln hinter der Kulisse

Einig sind sich die vier, wo sie ihre Wochenenden verbringen: «Dann fahren wir immer nach St. Gallen.» Proben, besuchen Konzerte und Anlässe in der Stadt und selten auch die AFG-Arena. «Ich war vor kurzem zum ersten Mal an einem Fussballmatch, fand es aber so langweilig, dass ich nach der Hälfte ging», sagt Silvan Kuntz. Danach habe es aber fünf Tore gegeben.

Auch ihre Bandfotos sind in der Stadt entstanden; im Tropenhaus des Botanischen Gartens. «Das Tropenhaus passt gut zum Album – es ist etwas Realitätsfremdes.» «Versailles» heisse das erste Album, weil die Songs von Prunk handelten. Davon, wie es hinter der Kulisse bröckle und von paradoxen Wünschen.

Im Herbst gehen Panda Lux mit ihrem Débutalbum auf Tour. Zuvor werden Silvan und Samuel Kuntz, Moritz Widrig und Janos Mijnssen aber das OpenAir eröffnen, weiter an ihren Anti-Pop-Songs und Popsongs feilen und über grosse und kleine Details ihrer Musik diskutieren.

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