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ST.GALLEN: Vergessene Kunst wiederentdeckt

An der Unterstrasse versuchen seit bald 22 Jahren kleine Monster aus der Mauer zu brechen. Die Skulptur der Künstlerin Eva Lips ist fast in Vergessenheit geraten. Jetzt erinnert sich die Stadt wieder und will ihr mehr Beachtung schenken.
Elisabeth Reisp
Ein Rüsseltier, das sich auf seinem strengen Weg aus der Wand ans Licht erholt – so oder ähnlich könnten die Figuren der Künstlerin Eva Lips an der Unterstrasse zu interpretieren sein. (Bild: Urs Bucher)

Ein Rüsseltier, das sich auf seinem strengen Weg aus der Wand ans Licht erholt – so oder ähnlich könnten die Figuren der Künstlerin Eva Lips an der Unterstrasse zu interpretieren sein. (Bild: Urs Bucher)

ST.GALLEN. Noch zehn weitere Jahre und die Geschichte wäre zur ausgewachsenen Lokalposse geworden. Denn dann hätte sich wahrscheinlich niemand mehr erinnern können, welche Amtsstelle denn für die Skulpturen an der Unterstrasse verantwortlich ist. So haben die Verantwortlichen bei der Stadt die Kurve – nach mehreren Telefonaten und internen Abklärungen – gerade noch erwischt. Und die Geschichte bleibt eine hübsche Anekdote.

Ritzen als Kunstraum genutzt

Erschaffen hat die Figuren die St.Galler Künstlerin Eva Lips vor fast 22 Jahren. Die Stützmauer sollte sowieso saniert werden, weshalb sie nicht mit Kunst anreichern? Die Figuren suchen den Weg aus der Erde ans Licht. Wer das erste Mönsterchen entdeckt hat, sucht wie unter Zwang in jeder Ritze das nächste. In der seltsam verwunschen anmutenden Grotte verstecken sich gleich zwei dieser grotesken Figuren.

Mittlerweile wird die Grotte aber zur illegalen Abfalldeponie zweckentfremdet. Unerwünschte Graffitis an der Stützmauer werten die Idee ab. Es ist an der Zeit, die Skulpturen aufzuwerten. Das findet auch Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. Nur wusste er erst gar nicht, dass die Skulpturen in die Zuständigkeit der Stadt gehören. Aufgrund vieler personeller Wechsel bei zuständigen Amtsstellen in den letzten zwei Jahrzehnten sind die stillen Figuren fast in Vergessenheit geraten.

Wer ist für Mauer zuständig?

Die städtischen Dienststellen wissen in der Regel, was in ihren Verantwortungsbereich gehört. Das Tiefbauamt ist zuständig für Strassen, das Hochbauamt für oberirdische Bauten, und das Strasseninspektorat hält Ordnung auf den Strassen und das Gartenbauamt in den Parkanlagen. «Eine Stützmauer ist ein Bauteil in einer Zwischenwelt», sagt Rechsteiner. Erst interne Abklärungen haben die Zuständigkeit für die Skulpturen wieder in Erinnerung gerufen. «Wir haben einen <fliegenden> Hauswart, der Kleinsachen wie diese wöchentlich beobachten und bei Bedarf Ordnung machen muss.» Denn es sei tatsächlich ein Ort, an dem die Leute Abfälle entsorgen wollen. Nach 20 Jahren sei es aber sowieso an der Zeit, das Kunstwerk zu sanieren. «Teilweise benötigen die Skulpturen eine Aufprofilierung, und die Graffitis müssen weggeputzt werden.»

Durchaus im Sinn der Künstlerin sei aber eine organische Verbindung der Skulpturen. Efeu und Flechten stören nicht, sind im Gegenteil sogar erwünscht. «Wenn möglich, versuchen wir, einen Bewuchs mit Kryptogamen, im weitesten Sinne verschieden Flechtenarten, zu bewirken», sagt Rechsteiner. Das sei aber ein langwieriger Prozess. Den Efeubewuchs gelte es zu beobachten, da sich die Wurzeln der Rankpflanzen im Gemäuer festklammern und dieses beschädigen können.

Beschriftung wird erwägt

Im Zuge der Wiederentdeckung macht man sich beim Hochbauamt Gedanken über eine mögliche Beschriftung der Skulpturen. «Wir haben keine einheitliche Beschilderung für Kunstwerke in der Stadt, aber falls es gewünscht und sinnvoll ist, diese Figuren zu beschriften, werden wir uns mit der Künstlerin eine Lösung überlegen.»

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