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ST.GALLEN UND UMGEBUNG: Der Gemeindepräsident muss Profi sein - eine schwierige Suche

Ein Rücktritt und zwei weitere Präsidenten, die vor der Pension stehen: An den Gemeindespitzen rund um St.Gallen zeichnen sich Rochaden ab. Die Suche nach geeignetem Personal ist nicht einfach.
Noemi Heule
Der Amtstälteste: Paul Bühler führt die Gemeinde Mörschwil seit 26 Jahren. (Bild: Michel Canonica)

Der Amtstälteste: Paul Bühler führt die Gemeinde Mörschwil seit 26 Jahren. (Bild: Michel Canonica)

In Wittenbach steht ein Präsidentenwechsel an. Ende 2018 tritt Fredi Widmer zurück. Er ist nicht der einzige Gemeindepräsident rund um St.Gallen im Pensionsalter. Es zeichnen sich deshalb weitere Rochaden an den Gemeindespitzen ab. Etwa in Häggenschwil oder Mörschwil, wo Paul Bühler waltet, der mit Abstand Amtsälteste unter den Gemeindepräsidenten. Seit 26 Jahren steht die steuergünstigste Gemeinde des Kantons unter seiner Obrigkeit.

Der Amtstälteste: Paul Bühler führt die Gemeinde Mörschwil seit 26 Jahren. (Bild: Michel Canonica)

Der Amtstälteste: Paul Bühler führt die Gemeinde Mörschwil seit 26 Jahren. (Bild: Michel Canonica)


Sie alle gehören der CVP an, die in Wittenbach fast seit einem Jahrhundert alle Gemeindepräsidenten stellte. Ob Fredi Widmers Nachfolger wiederum ein Christdemokraten ist, bleibt fraglich. Schliesslich haben sich erstmals in der Geschichte der Gemeinde alle Parteien zu einer Findungskommission zusammengerauft. Gemeinsam wollen sie einen Kandidaten aufstellen. Dafür strecken sie ihre Fühler über die Gemeindegrenzen aus.

Dass der künftige Präsident von einer Findungsgruppe rekrutiert wird, ist heute fast die Regel. Auch Sandro Parissenti (Berg), Aurelio Zaccari (Waldkirch), Roger Hochreutener (Eggersriet) oder Boris Tschirky (Gaiserwald) wurden von einer Findungkommission aufgestellt. Letztere zwei stammten ebenfalls von ausserhalb. Roger Hochreutener stand zuvor bereits Tübach und Lichtensteig vor.

Der Präsident auf Wanderschaft: Roger Hochreutener herrscht heute über Eggersriet. (Bild: Michel Canonica)

Der Präsident auf Wanderschaft: Roger Hochreutener herrscht heute über Eggersriet. (Bild: Michel Canonica)

Die schwindende Macht der Parteien

Der Zusammenschluss zu Findungsgruppen zeugt von der schwindender Macht der Parteien, wie Sara Kurmann Meyer sagt. Sie ist Leiterin des Ostschweizer Zentrums für Gemeinden an der Fachhochschule St.Gallen (FHS). Sie spricht von einer Abschwächung der Parteiensysteme, verringerten Parteiaktivitäten sowie sinkenden Mitgliederzahlen. «Damit einher geht eine Zunahme parteiloser Kandidatinnen und Kandidaten», sagt sie. Jüngstes Beispiel ist der frisch gewählte Stadtpräsident von Gossau. Um den parteilosen Wolfgang Giella wurde gar über die Kantonsgrenze hinweg geworben. War die Region – mit Ausnahme von Gossau – vor sechs Jahren noch fest in CVP-Hand, ist mit Toni Thoma heute ein SVPler in Andwil an der Macht, in Waldkirch steht mit Aurelio Zaccari ein Liberaler und in Berg mit Sandro Parissenti ein Parteiloser an der Spitze.

Die Suche nach Personal für das Präsidentenamt gestaltet sich auch für Findungsgruppen schwierig. Gemeinden müssten sich auf langwierige und ressourcenaufwendige Personalsuche begeben, sagt Kurmann. Sie führt diverse Gründe an: «Die Komplexität der Aufgabe hat zugenommen, der Status womöglich abgenommen», sagt sie. Zudem seien die Erwartungen der Bürger an den Service Public hoch. «Es muss die Bereitschaft da sein, sich zu exponieren. Innerhalb der Gemeinde, aber auch medial.»

«Die Anspruchshaltung der Bürgerschaft hat klar zugenommen», bestätigt Boris Tschirky in seiner Funktion als Präsident der St.Galler Gemeindepräsidenten. Auch seien die Anforderungen in der Informations- und Projektarbeit gestiegen. Tschirky führt ebenfalls die kommunikative Kompetenz und die hohe Präsenz ins Feld. Dennoch betont er: «Das Amt ist hochspannend und herausfordernd.»

Der Ambitionierte: Boris Tschirky bleibt (vorerst) Gemeindepräsident von Gaiserwald. (Bild: Claudio Heller)

Der Ambitionierte: Boris Tschirky bleibt (vorerst) Gemeindepräsident von Gaiserwald. (Bild: Claudio Heller)

Das Präsidentenamt, ein Sprungbrett

Während drei Gemeindepräsidenten vor der Pension stehen, ist das Amt für andere nicht die letzte Station – sondern ein Sprungbrett in die Politik auf Stadt-, Kantons- oder Bundesebene. Ambitionen nachgesagt werden nach wie vor Boris Tschirky, der sich 2017 für den St.Galler Stadtrat bewarb. Genauso wie der Andwiler Toni Thoma sitzt er im Kantonsrat. Bernhard Keller, der 2004 mit nur 27 Jahren zum Muoler Präsidenten gewählt wurde, dürfte ebenfalls nach Grösserem streben. «Wer einige Jahre als Gemeindepräsident geamtet hat, weist sicherlich eine breite Erfahrung auf und weiss, was politische Arbeit auf verschiedenen Ebenen bedeutet», sagt Tschirky. Er verweist auf Nationalrat Thomas Ammann, der seine Karriere als Präsident von Rüthi startete. Regierungsrat Martin Klöti amtete als Stadtpräsident von Arbon, während Alt-Regierungsrat Martin Gehrer einst Gaiserwald vorstand.

Ob mit oder ohne Ambitionen, mit oder ohne Partei im Rücken, auswärtig oder einheimisch. Allgemein gilt: Ein Präsident muss heute praktisch Profi sein. Dies sei insbesondere in der Ostschweiz so, sagt Sara Kurmann. Im Gegensatz zu anderen deutschsprachigen Kantonen arbeiten drei Viertel der St.Galler Gemeindepräsidenten Vollzeit. Ähnlich einem CEO in der Privatwirschaft sei dafür fachliches, juristisches und politisches Know-How nötig.

Geht in Pension: Fredi Widmer lässt das Wittenbacher Gemeindepräsidium nach sieben Jahren hinter sich (Bild: Urs Jaudas)

Geht in Pension: Fredi Widmer lässt das Wittenbacher Gemeindepräsidium nach sieben Jahren hinter sich (Bild: Urs Jaudas)

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