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ST.GALLEN: Strohfeuer lodert seit 25 Jahren

1991 haben Mac Baertsch und Werner Burger «Die Fliege» gegründet. Aus finanziellen Gründen musste Baertsch bald wieder abspringen. 25 Jahre später floriert der Velokurier und beschäftigt 25 Leute.
Kathrin Reimann
Sebastian Schefer (links mit Kurier-Käppi und Kurier-Velo) und Mac Baertsch vor der «Militärkantine». (Bild: (Ralph Ribi))

Sebastian Schefer (links mit Kurier-Käppi und Kurier-Velo) und Mac Baertsch vor der «Militärkantine». (Bild: (Ralph Ribi))

ST.GALLEN. Die Idee, in St.Gallen einen Velokurierdienst zu gründen, hatte Mac Baertsch bereits 1989. Damals brach er mit seiner damaligen Freundin zu einer zweijährigen Veloreise von Trogen nach Nordamerika auf. «In London begegneten mir zum ersten Mal Velokuriere», erzählt der 52jährige St.Galler. Beeindruckt von diesem coolen Anblick, skizziert er in seinem Reisetagebuch seine Vorstellung des perfekten Kuriervelos. «Auch der Name stand zwei Jahre vor der Gründung für mich bereits fest: <Die Fliege>.» Dies, weil das Insekt schnell, klein, wendig aber durchaus auch nervig sei. «Dieser Gedanke stammte aus den 1980er-Jahren: Ich verstand mich als gesellschaftskritischen militanten Velofahrer und Bürgerschreck.»

Velofahrer mit Gasmaske

Baertschs Reise endete dann frühzeitig, weil sich das Paar unterwegs trennte. «Etwas orientierungslos kam ich zurück in die Schweiz.» Dort fand er einen Job im grössten Veloladen der Stadt. Der Mann, der ihn damals einstellte, ist der Vater des heutigen Velokurier-Geschäftsleitungsmitglieds Sebastian Schefer.

Während Baertsch bereits wieder die nächste Veloreise nach Island plante, teilte ihm sein Kollege Werner Burger mit, dass die Zeit reif für «Die Fliege» sei. Völlig unbedarft und ohne jeglichen Businessplan eröffneten die jungen Männer den Kurierdienst. In neonfarbenen Anzügen und mit Funkgeräten düsten sie fortan durch die Stadt.

«Am ersten Tag hatten wir zehn Aufträge, am zweiten vier, am dritten einen und am vierten null.» Da sie viel tote Zeit hatten, blieb genügend Zeit für Kundenkontakt. «Ich musste im braunen Anzug meines Kollegen die Klinken putzen und habe mich für den Aufzug irrsinnig geschämt», sagt Mac Baertsch im Gespräch.

Der 27-Jährige lebte von der Hand in den Mund, verkehrte in der links-alternativen Szene und fühlte sich frei. Nach sieben Monaten stieg er aus und suchte sich einen neuen Job. «In meinem Leben gab es immer wieder Strohfeuer, einmal waren es Reisen, dann der Kurierdienst, danach die Musik.» Baertsch liess sich vom «Die Fliege»-Partner auszahlen und kaufte sich mit dem Geld ein Schlagzeug.

Derweil führte Werner Burger «Die Fliege» weiter. In dem Vierteljahrhundert nach der Gründung wechselten einige Male die Geschäftsführer, das Unternehmen wuchs stetig und weitete seine Angebote und Zusammenarbeiten aus. Mitarbeiter kamen und gingen, und darunter befanden sich auch Legenden. «Ende 1990er-Jahre gab es einen Fahrer, der über Autos fuhr, wenn sie ihm im Weg waren.» Eine Fahrerin wurde wegen ihres Aufzuges im Lift des Silberturms für eine Fallschirmspringerin gehalten, die sich gleich vom Turm stürzt. Und auch Mac Baertsch polarisierte, wenn er mit einer Gasmaske auf seinem Velo durch die Stadt fuhr.

An guten Tagen bis zu 200 Aufträge

Heute arbeiten bei «Die Fliege» vor allem langjährige Kuriere, der älteste Fahrer ist 53 Jahre alt. «Wir leben von Stammkunden», sagt Sebastian Schefer, der seit 2012 zur Geschäftsleitung gehört. Die Kuriere fahren im Auftrag für Labors, Gerichte, Copy-Stores, Bibliotheken und liefern auch Essen aus. «Wir fahren aber auch für Privatkunden, die etwa ihren Rucksack vergessen haben oder einen Schlüssel brauchen.» An einem guten Tag gehen bei «Die Fliege» bis zu 200 Aufträge ein. Die Kuriere verdienen unabhängig von Alter oder Anstellungsdauer gleich viel, bezahlt werden sie im Stundenlohn. Momentan baut der Velokurier gerade neue Büros an der Turnerstrasse im St. Otmar-Quartier. Die Räume der Zentrale hinter dem Bürgerspital sind zu eng geworden, wie Schefer sagt.

Mac Baertsch, der heute als Signaletiker arbeitet, will nach 25jähriger Pause ebenfalls wieder Teilzeit als Velokurier arbeiten. Vor kurzem fuhr er zur Probe mit einem «Die Fliege»-Kurier mit – und sein «Strohfeuer» wurde prompt wieder entfacht.

Mac Baertsch (links) und Werner Burger bei der Gründung von «Die Fliege» 1991 in der St. Galler Altstadt. (Bild: Ralph Hug/Archiv)

Mac Baertsch (links) und Werner Burger bei der Gründung von «Die Fliege» 1991 in der St. Galler Altstadt. (Bild: Ralph Hug/Archiv)

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