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ST.GALLEN: St.Galler Traditionsfirma: Betrugsfall treibt Calzavara AG in den Konkurs

Die Nachwirkungen eines 2014 aufgedeckten Betrugsfalls bei der St.Galler Baufirma Calzavara AG haben dem Unternehmen letztlich das Genick gebrochen. In einem emotionalen Brief schreibt der Chef, dass er nach 40 Jahren in der Firma den Konkurs bekannt geben müsse.
David Gadze
Zurzeit wartet der Betrieb noch auf den Bescheid des Konkursamtes, ob die laufenden Baustellen noch zu Ende geführt werden dürfen. (Bild: Hannes Thalmann)

Zurzeit wartet der Betrieb noch auf den Bescheid des Konkursamtes, ob die laufenden Baustellen noch zu Ende geführt werden dürfen. (Bild: Hannes Thalmann)

Es gibt nicht viele Bauwerke in der Stadt St.Gallen, die den Einwohnerinnen und Einwohnern so bekannt sind wie die Haupttribüne des Stadions Espenmoos. Seit 1969 prägt ihr geschwungenes Dach und die nach aussen gewölbte Rückseite das Wohnquartier zwischen dem Bahnhof St.Fiden und dem Heiligkreuz. Erbaut hat sie Carlo Calzavara, zusammen mit dem damaligen FC-St.Gallen-Präsidenten Elio Cellere. 1957 hatte Calzavara, Sohn italienischer Einwanderer und von 1975 bis 1978 als Nachfolger von Cellere selbst FCSG-Präsident, sein eigenes Bauunternehmen gegründet, das später auch in die Region expandierte. Doch nun endet die Geschichte des Familienunternehmens. Denn während die bald 50-jährige Tribüne, die Risse und andere Schäden aufweist, demnächst geflickt wird, lässt sich der Schaden, den die Calzavara AG vor vier Jahren aus dem Nichts erlitt, nicht mehr reparieren.

Tag für Tag um den Fortbestand gekämpft

2014 war ans Licht gekommen, dass der ehemalige Finanzchef einen Millionenbetrag veruntreut hatte. Gemäss Ermittlungen der Behörden waren es rund 2,8 Millionen Franken. Intern geht man von einer weitaus höheren Summe aus. Daraufhin geriet das Bauunternehmen in Schieflage. Jetzt ist es unter der Last der Verbindlichkeiten zusammengebrochen: In einem Brief an seine Kunden und Geschäftspartner schreibt Geschäftsführer Marcus Calzavara, der Sohn von Carlo, dass die Firma aufgrund des angerichteten Schadens und der daraus resultierenden Altlasten gezwungen war, die Bilanz beim Konkursrichter zu deponieren. Daraufhin habe das Kreisgericht am Mittwoch den Konkurs über die Calzavara AG eröffnet.

In den vergangenen Jahren habe die Calzavara AG wortwörtlich Tag für Tag um ihren Fortbestand gekämpft, teilt Marcus Calzavara im emotionalen Schreiben mit. Die deliktischen Machenschaften des ehemaligen Finanzleiters und Verwaltungsrates hätten tiefe Wunden in den Betrieb gerissen. «Der Schock war gross. Das Vertrauen schandlos missbraucht.» Danach habe man «alles Menschenmögliche» versucht, um den Betrieb wieder auf Vordermann zu bringen. Ein mühsamer, langwieriger und kräftezehrender Sanierungsprozess sei initiiert worden. Die finanziellen Altlasten sowie das organisatorische und administrative Fiasko, welches der ehemalige Finanzchef hinterlassen habe, seien immens gewesen und für Dritte kaum vorstellbar. «Wir versuchten, uns gegen aussen nichts anmerken zu lassen, doch wir mussten seit jeher tagtäglich um das Überleben der Calzavara AG ringen.» Das verdeutlicht auch die Zahl der Mitarbeiter: Wie Luca Calzavara, Sohn von Marcus und für die Administration zuständig, am Donnerstag gegenüber dem «Tagblatt» sagte, waren am Schluss von den einst rund 150 Angestellten noch acht übrig. Für sie suche man eine Übergangslösung.

Herzblut und finanzielle Ressourcen eingebracht

Er habe über 40 Jahre lang seine ganze Energie und Motivation in die Führung des Familienbetriebs investiert, schreibt Marcus Calzavara weiter. Und mehr als das: In den vergangenen Jahren hätten die Defizite noch aus privaten Mitteln überbrückt und gedeckt werden können. «All mein Herzblut und meine finanziellen Ressourcen habe ich über Jahre hinweg in die Firma eingebracht, doch am Schluss waren auch diese ausgeschöpft.» Intern habe man die Gründung einer Auffanggesellschaft geprüft, welche es ermöglicht hätte, einen Schuldenschnitt zu machen und von der positiven Auftragslage für das laufende Jahr zu profitieren. Er habe sich jedoch eingestehen müssen, dass ihm die Kraft sowie die finanziellen Mittel für ein solches Unternehmen fehlten, schreibt Calzavara. «Wir haben aus dieser aussichtslosen Situation versucht, das Beste zu machen und das Unmögliche zu leisten. Leider waren die entgegenwirkenden Kräfte zu gross.»

Marcus Calzavara hofft nun, dass das Konkursamt es erlaubt, die laufenden Bauprojekte abzuschliessen. Spätestens dann wird der Name Calzavara von den Baustellen in der Stadt und der Region verschwinden.

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