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ST.GALLEN: St.Galler Familie als Geisel genommen: Prozess unterbrochen

Ein 32-jähriger Chinese hat sich am Dienstag wegen Geiselnahme einer Familie vor dem Kreisgericht St.Gallen verantworten müssen. Er beteuerte seine Unschuld. Weil das Gericht Beweisanträge der Verteidigung guthiess, wurde die Fortsetzung der Verhandlung auf unbestimmte Zeit verschoben.
Der Betrugsfall wurde im Kreisgericht St.Gallen verhandelt. (Bild: Coralie Wenger)

Der Betrugsfall wurde im Kreisgericht St.Gallen verhandelt. (Bild: Coralie Wenger)

ST.GALLEN.Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im November 2005 zusammen mit zwei Mittätern widerrechtlich in die Wohnung eines ihnen als Geschäftsleute bekannten Ehepaares eingedrungen zu sein. Sie sollen mit schwarzen Wollmützen über dem Gesicht auf die Rückkehr der Familie gewartet haben.

Als der Vater und die beiden Töchter laut Anklageschrift am frühen Abend nach Hause kamen, wurden sie mit einer Waffe bedroht und gefesselt. Die Männer stahlen dem Geschäftsmann 3000 Franken aus der Hosentasche und durchsuchten die Wohnung. Rund eine Stunde später kam die Mutter nach Hause und wurde ebenfalls gefesselt.

Mit dem Tod gedroht
Der Angeklagte und seine Mittäter sollen gedroht haben, die acht- und die zwölfjährige Tochter mit einem Plastiksack zu ersticken, wenn das Ehepaar ihnen nicht die Bankkarte aushändige. Darauf gab die Frau den Tätern einen falschen Code an.

Während zwei der Männer zum nahegelegenen Restaurant fuhren, um die Banktresore auszuräumen, und den dritten als Aufpasser in der Wohnung zurück liessen, konnte der Vater sich und seine Familie befreien und die Polizei rufen. Die Männer flüchteten.

Hohe Haftstrafe gefordert
Zwei mutmassliche Täter wurden aufgrund von DNA-Spuren in der Wohnung identifiziert und zur Fahndung ausgeschrieben. Der dritte Täter blieb unbekannt. Der Beschuldigte wurde fast zehn Jahre nach der Tat in Bordeaux verhaftet und Ende 2015 an die Schweiz ausgeliefert. In der Zwischenzeit hatte er sich eines bewaffneten Überfalls auf einen Mann schuldig gemacht, wofür er im Jahre 2006 in Frankreich zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt wurde.

Die Staatsanwaltschaft klagte den 32-jährigen Chinesen wegen mehrfacher Geiselnahme und Raubes an und forderte eine Freiheitsstrafe von acht Jahren. An der Gerichtsverhandlung bestritt der Beschuldigte die Tat vehement. Er sei an jenem Tag nicht in St.Gallen, sondern in Paris gewesen.

Mit den aus China stammenden Geschäftsleuten habe ihn eine enge Bekanntschaft verbunden. Er habe viel über sie gewusst und deshalb sei er auch überzeugt, dass man ihn in etwas hineingezogen habe. Ihm sei bekannt, dass die Frau ohne das Wissen ihres Ehemannes in Schleppergeschäfte verwickelt sei. Sie habe einem Geschäftspartner 110'000 Dollar geschuldet, weshalb es wohl zur Geiselnahme gekommen sei.

Diese Aussage höre das Gericht zum ersten Mal, erklärte der vorsitzende Richter in der Befragung des Beschuldigten. Immer wieder erzähle er neue Versionen über sein Leben. Das mache es dem Gericht nicht einfach, sich ein Bild über die Wahrheit zu machen.

Geiseln befragen
Der Verteidiger stellte eine ganze Reihe von Beweisanträgen, die nötig seien, um die Unschuld seines Mandanten zu belegen. Unter anderem verlangte er, dass die Geiseln befragt werden. Das Ehepaar sage nicht die Wahrheit, wenn es bestreite, mit seinem Mandanten befreundet gewesen zu sein.

Das Kreisgericht St.Gallen hiess einige der Beweisanträge gut. Die Verhandlung wurde deshalb unterbrochen und auf unbestimmte Zeit verschoben. (sda)

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