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ST.GALLEN: St.Gallens letzter Souvenirladen steht vor dem Aus

Der einzige Souvenirladen der Stadt könnte bald schliessen. Die bisherigen Betreiber denken nach 35 Jahren ans Aufhören. Einen Nachfolger haben sie noch nicht gefunden.
Luca Ghiselli
Elisabeth und Kurt Meier in ihrem Souvenirladen an der Schmiedgasse (Bild: Samuel Schalch)

Elisabeth und Kurt Meier in ihrem Souvenirladen an der Schmiedgasse (Bild: Samuel Schalch)

ST.GALLEN. Vor der Eingangstür zum hübschen Riegelhaus hängt eine Schweizer Fahne, Postkarten und Glocken-Ständer sind ausgestellt. Kurz nach Mittag ist es ruhig im «Gschenklädeli» an der Schmiedgasse 28. Wer eintritt, wird vom Ehepaar Meier freundlich begrüsst und im Geschäft herumgeführt.

Die Vielfalt an Schweizer und St.Galler Souvenirs, die es hier auf zwei Stockwerken zu kaufen gibt, ist gross. Vom Chüeli-Gurt über den Edelweiss-Baby-Body bis zum Victorinox-Messer und dem Fondue-Rechaud gibt's hier alles, was das Touristen-Herz begehrt. «Vieles lassen wir eigens anfertigen, weil es im Handel nicht erhältlich ist», sagt Kurt Meier. Der gelernte Schriftsetzer betreibt seit 1981 den Geschenkladen an der Schmiedgasse. Anfangs war er noch weiter östlich einquartiert: Dort wo heute tibetisch gegessen wird. 1994 übersiedelte er dann einige Häuser weiter, zur Ecke, wo das Schmittengässlein vom Paul-Grüniger-Platz zur Multergasse führt. «Dieser Standort ist für uns ideal», sagt Meier.

«Vielfalt ist wichtig für die Innenstadt»

Trotzdem denken er und seine Frau ans Aufhören. Gerne würde Kurt Meier es sehen, wenn ein anderer sein Lebenswerk, den einzigen Souvenirladen der Stadt, weiterführen würde. «Ich finde es wichtig für eine attraktive Stadt, dass es in der Altstadt einen ausgewogenen Mix an Läden gibt», sagt auch Elisabeth Meier. Dieser sei aber immer mehr bedroht, wenn für kleine, spezielle Läden keine ähnliche Nachfolgelösung gefunden werden könne. Deshalb hat sich das Ehepaar Meier nun in einem Brief an den Stadtpräsidenten Thomas Scheitlin, St.Gallen-Bodensee Tourismus und den Gewerbeverband gewandt. «Wir wollen alles in Bewegung setzen, damit es den Souvenirladen auch dann noch gibt, wenn wir kürzertreten», sagt Kurt Meier.

Kunden aus aller Welt verewigen sich

Der grosse Stolz von Kurt und Elisabeth Meier ist ihr Gästebuch. Vor 15 Jahren haben sie damit begonnen, Kundinnen und Kunden einen Eintrag schreiben zu lassen. «Ursprünglich wollten wir mit dem Gästebuch herausfinden, woher die Leute kommen, die bei uns einkaufen», erinnert sich Meier. Daraus habe sich dann eine spannende Tradition entwickelt. Ein Blick in die letzten Einträge zeigt: Brasilien, Lettland, Südkorea. Die Kundschaft im Geschenkladen ist international, und alle schreiben freundlich «Danke», «Tolle Auswahl» oder «Wunderschöne Stadt» in ihrer Landessprache. Der erste Eintrag stammt von einer Frau aus Puerto Rico, die damals eine Kuckucksuhr kaufte. Der Austausch mit verschiedenen Kulturen sei es auch, was die Arbeit im Souvenirshop so spannend gemacht habe. «Herzblut und Idealismus braucht es aber auch, um so lange dranzubleiben», sagt Elisabeth Meier.

Geschichten gibt es viele zu erzählen. Da wäre zum Beispiel der südamerikanische Starsänger, der im Stadttheater zu Gast war und im Souvenirladen eine Arie schmetterte oder die Sambatänzer, die ihr Können direkt im Geschäft unter Beweis stellten. Obwohl sie die meisten Kunden nur einmal bedienen, sei der Kontakt mit ihnen dennoch das schönste am Job.

Jetzt beginnt die Suche nach dem Nachfolger

Wer einen Souvenirladen betreibt, muss sich auch in verschiedenen Sprachen verständigen können. «Ich habe mir ein Heft angelegt mit wichtigen Wörtern und Sätzen», sagt Elisabeth Meier. «Wenn Kunden aus Spanien oder Südamerika im Laden sind, ergänzen sie immer wieder meinen Wortschatz mit neuen Vokabeln – das ist für alle ein Spass.» Auch dies zeugt von der unkomplizierten und herzlichen Beziehung, die das Ehepaar mit seiner Kundschaft pflegt.

Den Mietvertrag haben Kurt und Elisabeth Meier noch nicht gekündigt. Noch wollen sie abwarten, ob sich eine passende Nachfolgelösung ergibt. «Ob das nun eine Souvenir-Genossenschaft oder eine einfache Übernahme wird, ist für uns nicht von Bedeutung», sagt Kurt Meier. Wichtig sei ihnen aber, dass im Laden an der Schmiedgasse weiterhin Souvenirs angeboten werden. «Der Laden ist der einzige seiner Art in der Stadt und trägt viel zur Branchenvielfalt bei. Wenn hier einfach ein weiterer Kleiderladen entsteht, wäre das schade für uns und für die Vielfalt der Stadt.» Er wüsste nicht mehr, wohin er Touristen auf der Suche nach Souvenirs schicken sollte, sagt Meier. Das Geschäft sei in der Stadt nach 35 Jahren fest verankert und nicht mehr wegzudenken. Das Ehepaar wünscht sich, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Interessierte wenden sich an info@souvenirs-st-gallen.ch

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