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ST.GALLEN: St.Gallen verliert Einwohner: Hauseigentümerverband kritisiert Stadtrat

Die Zahl der Einwohner ist 2017 zum dritten Mal in Folge gesunken. Im vergangenen Jahr lag auch der Ertrag der Steuern von natürlichen Personen unter dem Budget. Der Hauseigentümerverband hält nicht zurück mit Kritik am Stadtrat.
Daniel Wirth
Bauboom im Westen: In Bruggen entstehen derzeit 200 Wohnungen, neun Einfamilienhäuser und vier Villen. (Bild: Urs Bucher)

Bauboom im Westen: In Bruggen entstehen derzeit 200 Wohnungen, neun Einfamilienhäuser und vier Villen. (Bild: Urs Bucher)

Um 177 ist die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner in der Stadt St.Gallen im vorigen Jahr gesunken. Nicht nur, aber auch deswegen lässt der Stadtrat nun eine Wohnraumstrategie erarbeiten; er will dem Bevölkerungsschwund auf den Grund gehen. Die Rechnung 2017 schloss mit einem Überschuss statt eines Defizits und gut 16 Millionen Franken besser als budgetiert. Das ist umso bemerkenswert, weil die natürlichen Personen trotz anhaltend guter Wirtschaftslage 2,9 Millionen Franken weniger Einkommens- und Vermögenssteuern zahlten, als im Budget veranschlagt worden war.

Christoph Solenthaler, der Präsident des Hauseigentümerverbandes (HEV) der Stadt St.Gallen, sieht im Bevölkerungsschwund und dem sinkenden Steuersubstrat einen engen Zusammenhang (siehe Zweittext). Und er hält namens des Verbands mit Kritik am Stadtrat nicht zurück. «Wir hatten den Stadtrat schon im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass er die stagnierenden Bevölkerungszahlen nicht einfach ignorieren sollte», sagt Solenthaler auf Anfrage. Dafür habe der HEV einige Schelte eingesteckt. «Wir würden zu sehr Schwarzmalen, hiess es noch vor kurzem», sagt der HEV-Präsident. «Nachdenklich machte uns vor allem, weshalb andere Städte nicht stagnieren, während es in St.Gallen seit 2015 mehr Wegzüge als Zuzüge gibt.» Es sei sicher nicht falsch, wenn sich der Stadtrat nun nicht aufs Zählen der Studenten fokussiere, sondern mit einer Wohnraumstrategie den Ursachen auf den Grund gehe. Daher begrüsse der HEV es grundsätzlich, dass die Arbeiten hiefür aufgenommen wurden. Es sei auch eine gewisse Genugtuung die Hartnäckigkeit des Verbandes uns seiner 4000 Mitglieder, die offenbar nötig gewesen sei.

"St.Gallen hat neben Biel die höchste Ziffer an Leerwohnungen", sagt Christoph Solenthaler, Präsident HEV Stadt St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

"St.Gallen hat neben Biel die höchste Ziffer an Leerwohnungen", sagt Christoph Solenthaler, Präsident HEV Stadt St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Kritikpunkt I: Die Stadt sitze auf veralteten Liegenschaften

Im «Tagblatt»-Interview sagte Stadträtin Maria Pappa, es gebe die These, wonach in der Stadt St.Gallen viele Wohnungen nicht dem neusten Standard entsprächen. Was ist die Meinung des HEV-Präsidenten? «Es ist hauptsächlich die Stadt selber, die auf einem unrentablen und veralteten Liegenschaftenbestand sitzt», antwortet Solenthaler. Neubauprojekte im Wohnbereich könnten in der Stadt St.Gallen bereits heute rasch und zu guten Konditionen verkauft oder vermietet werden; da gebe es eine Nachfrage und da könne die Stadt noch viel öfter punkten. Die St.Galler Architektur-, Bau- und Immobilienwirtschaft beweise immer wieder aufs Neue, dass sie den Puls der Käufer und Mieter richtig spüre, sagt der HEV-Präsident.

Während der Anteil von Wohngebäuden ab Baujahr 2000 in der Stadt St.Gallen bei 7,8 Prozent liege, seien es im Kanton 13,9 und im schweizweiten Vergleich 14,5 Prozent. Beim Baujahr 2010 liegt der Anteil in der Stadt gemäss Solenthaler bei 2,6 Prozent, schweizweit seien es 4,9 Prozent. Die Leerwohnungsziffer betrug Mitte 2017 in der Stadt St.Gallen gemäss Solenthaler 1,86 Prozent. Im Vergleich mit anderen Schweizer Städten weise St.Gallen nebst Biel die höchste Leerwohnungsziffer auf. In diesen Zahlen schwinge auch die städtische Politik mit. «In dem man über das Liegenschaftenamt über Jahre hinweg Altliegenschaften erworben hat, wurden diese dem Markt für private Bauinvestoren faktisch entzogen», kritisiert Solenthaler. «Würde man diese für private Investoren freigeben, könnte der Altliegenschaftenbestand der Stadt nach und nach wieder reduziert werden – und zwar mit innovativen Neu- oder Umbauten.»

Kritikpunkt II: St.Gallen habe ein Flair fürs Bewahren

St.Gallen sei beim innovativen Wohnungsbau ein weisser Fleck auf der Landkarte, sagt Baudirektorin Maria Pappa. Auch hierzu hat Christoph Solenthaler vom HEV eine Meinung: «Grössere Investoren wurden in den vergangenen Jahren vom Stadtrat und den Behörden immer wieder vor den Kopf gestossen, selbst wenn auswärtige und heimische Investoren mit innovativen Konzepten antraten.» Schützenswerte Gebäude stünden in St.Gallen überdurchschnittlich oft einem Neuanfang im Weg. St.Gallen scheine ein Flair zu haben für das Bewahren, kritisiert Solenthaler. Innovationen sprössen zudem immer dort, wo man diesen auch Raum lasse. Die Baubehörden der Stadt hätten nicht immer im Ruf gestanden, neue und pfiffige Ideen zeitnah umsetzen zu lassen. Schliesslich hätten praktisch alle Arealentwicklungen der letzten Jahre ins Abseits geführt. Da habe sich in der Zwischenzeit zwar einiges getan, und die Hoffnung sterbe bekanntlich zuletzt, sagt der Präsident des städtischen Hauseigentümerverbandes.

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