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ST.GALLEN: Statt Noten gibt's Blumen

Erhalten Drittklässler der Schulhäuser Rotmonten und Gerhalde einen Test zurück, steht keine Note mehr darunter. Stattdessen gibt es eine wörtliche Rückmeldung und die Farbe einer wachsenden Pflanze.
Christina Weder
Für Drittklässler im Schulhaus Rotmonten stehen Noten nur noch im Zeugnis. (Bild: Ralph Ribi)

Für Drittklässler im Schulhaus Rotmonten stehen Noten nur noch im Zeugnis. (Bild: Ralph Ribi)

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Eine Mutter aus Rotmonten staunte nicht schlecht, als ihre Tochter in diesem Schuljahr die ersten Lernkontrollen nach Hause brachte. Statt einer Note erhielt die Drittklässlerin eine vierfarbige Skala zurück. Unter einem gelben Feld hatte die Lehrperson ein Häkchen gemacht. Dazu hiess es: «Das ist dir sehr gut gelungen.» Die Mutter wunderte sich, was es mit dem «Farbcodesystem» auf sich habe. Wie ihr ging es auch anderen Eltern.

Vom Braun der Wurzel zum Gelb der Blüte

Tatsächlich erhalten Drittklässler aus dem Schulquartier Rotmonten-Gerhalde unter dem Schuljahr keine Noten mehr, wie Schulleiter Marius Ettlinger bestätigt. Es sei aber nicht die Idee, die Noten einfach durch Farben zu ersetzen. Wichtiger sei die wörtliche Rückmeldung an die Kinder. «Diese wird durch eine entsprechende Farbgebung unterstützt.»

Die vier Farben, die dabei verwendet werden, entsprechen jenen einer wachsenden Blume – vom Braun der Wurzel bis zum Gelb der Blüte. Braun bedeutet so viel wie: «Das ist dir noch nicht gelungen.» Grün und Orange sind Zwischenstufen auf dem Weg zum Lernziel. Über «Gelb» können sich jene Schülerinnen und Schüler freuen, die den Schulstoff beherrschen. Das Pflänzchen ist sozusagen zur Reife gelangt und blüht.

Die Rückmeldung mit Farben und Worten wurde vorerst bei den Drittklässlern der Schulhäuser Rotmonten und Ger­halde eingeführt – was nicht ohne Rumoren vonstatten ging. Schulleiter Marius Ettlinger ist erstaunt, was es ausgelöst hat, zeigt aber auch Verständnis für die Eltern: «Sie müssen sich umgewöhnen und umdenken.» Ettlinger hat die neue Beurteilungspraxis an einer Elterninfo im November erklärt und sie schriftlich im Infoblatt der Schule dargelegt. Sie erfolge in Zusammenhang mit dem städtischen Projekt «Kompetenzen fördern und abbilden», in dessen Rahmen das Schulamt Ganznotenzeugnisse einführt. Im Sommer haben die Zweitklässler der Stadt als Erste solche «neuen» Zeugnisse erhalten. Noten werden darin nicht mehr als Zahlen verstanden, sondern als Codes dafür, welche Kompetenzen am Semesterende erreicht wurden.

«Kindgerechtere Art der Beurteilung»

Unter dem Schuljahr wolle man den Drittklässlern im Schulquartier Rotmonten-Ger­halde keine Noten oder Zahlen mehr geben, sagt Marius Ettlinger. Er ist überzeugt: «Wortrückmeldungen, die durch Farben unterstützt werden, sind eine kindgerechtere Art der Beurteilung.» Es sei schliesslich ein Unterschied, ob ein Kind die nackte Note 3 erhalte oder ein braunes Feld, das mit dem Kommentar versehen sei: «Das klappt noch nicht. Ich brauche Hilfe und Unterstützung.» Die Rückmeldung soll laut Ettlinger möglichst wertfrei sein. «Das Kind soll nicht frustriert werden.»

Bis jetzt erhalten erst die Drittklässler eine Rückmeldung in Form von Farben. Auch auf der Grundstufe suche man Wege für eine «kindgerechte Rückmeldung auf Lernkontrollen», sagt Ettlinger. Die erste Idee, dafür Smileys zu verwenden, habe man wieder verworfen, da der Smiley mit dem «Lätsch» nicht gerade «förderorientiert» sei.

Von einer Abschaffung der Noten könne nicht die Rede sein. Am Ende des Semesters wird bei den Drittklässlern von Rotmonten und Gerhalde nach wie vor eine Note im Zeugnis stehen – so wie es der Kanton vorgibt.

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