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ST.GALLEN: Sie brachte Glamour in die Stadt

Das Geschäft von Berty Fride-Malinsky galt als Märchenland der Stoffe. Zu ihren Kunden zählten Filmstars und Königshäuser. Gitta Hassler vom Stadtarchiv stellte die glamouröse St. Gallerin vor.
Christina Weder
Ein Gespür für Stoffe, Farben und Mode: Berty Fride-Malinsky in ihrem Laden in den 1940er-Jahren.

Ein Gespür für Stoffe, Farben und Mode: Berty Fride-Malinsky in ihrem Laden in den 1940er-Jahren.

Christina Weder

christina.weder@tagblatt.ch

Es ist ein bisschen eine Aschenputtel-Geschichte. Berty Fride-Malinsky stammte aus einer jüdischen Flüchtlingsfamilie. Sie arbeitete sich hoch, eröffnete einen exquisiten Stoffladen an der Neugasse 33 und zählte schliesslich Königshäuser und Filmstars zu ihren Kunden. «Sie ist eine der wenigen Frauen aus unserer Stadt, die man als glamourös bezeichnen kann», sagt Gitta Hassler vom Stadtarchiv der politischen Gemeinde St. Gallen.

Der Nachlass der glamourösen St. Gallerin lagert seit 2004 im Stadtarchiv an der Unterstrasse. Gitta Hassler stellte am Montag Trouvaillen daraus vor und las aus einem Tagebuch. Der Andrang im Raum für Literatur in der Hauptpost war gross. Rund 80 ältere Damen und einige wenige Herren fanden sich ein. Vielen von ihnen ist der Stoffladen, den Berty Fride-Malinsky bis 1968 führte, noch heute ein Begriff. «Meine Mutter war Schneiderin und kaufte dort die Stoffe ein», erinnerte sich eine Frau. Eine andere Besucherin erzählte, ihre Mutter sei die Haushälterin von Fride-Malinsky gewesen.

Ein Geschäft für ein «verwöhntes Publikum»

Berty Malinsky (1909–2000) wurde als jüngste von drei Töchtern geboren. Ihre Eltern, die 1904 vor den Pogromen im heutigen Polen nach St. Gallen geflüchtet waren, führten im Linsebühl einen Mercerie-Laden. Nach der Heirat 1931 eröffnete Berty Fride-Malinsky mit ihrem Mann 1939 ein eigenes Stoffgeschäft an der Neugasse, wo sich heute der Finnshop befindet. Es hiess wie ihr Mann «Alex Fride». Ihr schwebte ein «exklusives Geschäft für ein verwöhntes Publikum» vor. Später schrieb die Zeitschrift Annabelle von einem «Märchenland der Stoffe».

Nach eigenen Angaben machte Berty Fride-Malinsky mit der ersten Neonbeleuchtung in der Schweiz Furore. Sie fiel zudem mit ihren Schaufenstern auf. Denn sie entwickelte eine neue Art, diese zu dekorieren. Damals war es üblich, die Schaufenster möglichst vollzustopfen, um der Kundschaft das Sortiment vor Augen zu führen. Berty Fride-Malinsky machte es anders. Sie entrümpelte die Auslage, bestellte Schaufensterpuppen aus Paris, lieh sich Objekte aus dem Historischen Museum für die Dekoration. Ihre Schaufenster entwickelten sich zu Publikumsmagneten. Doch sie brachte sich nicht nur mit der Schaufensterdekoration ins Gespräch. Ihre Spezialität war es auch, Kleider zu «stecken». Mit einer raffinierten Technik drapierte sie die exquisiten Stoffe an Puppen und Mannequins und fixierte sie nur mit Stecknadeln. Denn sie wollte die Stoffe hinterher noch verkaufen.

In ihrem Laden führte sie Baumwoll-, Woll- und Seidenstoffe, aber auch Kostbarkeiten, die in der Haute Couture verwendet wurden. «Ich liebte sehr exklusive St. Galler Stickereien», schrieb sie und schilderte die Schwierigkeiten, diese zu bekommen. Die Fabrikanten hätten Angst gehabt, sie könnten kopiert werden. Da sei sie hartnäckig geblieben und habe erklärt, «dass gerade in der Stickerei-Stadt St. Gallen dringend solche ausgestellt sein müssten».

Der Ruf ihres Geschäfts ging in alle Welt. Die Zeitschrift Annabelle beschrieb Fride-Malinsky, die insgesamt dreimal heiratete, als tüchtige Geschäftsfrau. Sie habe schon als Mädchen eine Leidenschaft für das Schöne gehabt. Und sie habe es verstanden, eine prominente internationale Kundschaft anzulocken. Davon zeugen die Alben mit Fotos und Dankesbriefen aus aller Welt, die zum Nachlass zählen.

Inspiration im Stadtpark

Berty Fride-Malinskys Ziel war es auch – wie Gitta Hassler sagt – den jungen Leuten in der Nachkriegszeit ein Gespür für Mode und für Farben zu vermitteln. In ihren Augen waren sie nach dem Krieg «modisch ausgehungert». Sie selbst liess sich von der Natur inspirieren. So ging sie immer wieder zur Voliere im Stadtpark, studierte das Federkleid der Vögel und schaute sich Farbkombinationen ab.

Trotz ihres Erfolgs entschloss sie sich 1968 aus gesundheitlichen Gründen, das Geschäft aufzugeben. Seit 1992 befindet sich darin der Finnshop. «Mit ihrem Tod ging ein Stück Modegeschichte zu Ende», sagt Gitta Hassler. Die Bekanntheit von Fride-Malinsky habe deutlich gemacht, wie sehr in und nach der Kriegszeit Raum für erfolgreiches und kreatives Geschäft war. Und für einen Hauch Glamour.

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