ST.GALLEN: Sich gehen lassen beim «Lodi goo»

«Lodi goo» ist ein Treff für Menschen mit und ohne Behinderung. Er feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen und diese Woche seine 100. Veranstaltung. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sagen, es gebe nichts Vergleichbares.

Katharina Brenner
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Vereinsmitglied Natascha Oberholzer und Präsidentin Beatrice Degen sind seit der Eröffnung des Treffs vor zehn Jahren beim «Lodi goo» dabei. (Bild: Urs Bucher)

Vereinsmitglied Natascha Oberholzer und Präsidentin Beatrice Degen sind seit der Eröffnung des Treffs vor zehn Jahren beim «Lodi goo» dabei. (Bild: Urs Bucher)

Der Name des Freizeittreffs ist bei einem Wettbewerb der Teilnehmerinnen und Teilnehmer entstanden. «<Lodi goo>, lass dich gehen, hat uns gut gefallen, weil hier wirklich jeder sein darf, wie er ist», sagt Beatrice Degen. Sie war vor zehn Jahren eine der Gründerinnen des Vereins und ist seitdem dessen Präsidentin. In diesem Jahr feiern die Vorstands- und Vereinsmitglieder und die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur das zehnjährige Bestehen von «Lodi goo», sondern auch die 100. Veranstaltung.

Als Mensch angenommen

«Hier nimmt man mich als Mensch wahr», sagt Natascha Oberholzer. Sie hat Epilepsie und besucht zusammen mit ihrem Mann und bis zu 100 anderen Personen einmal im Monat den Treff «Lodi goo» für Menschen mit und ohne Behinderung. Die Besucherinnen und Besucher kommen aus 15 unterschiedlichen Institutionen aus der Stadt St. Gallen, aber auch aus Wil oder Walzenhausen. «Wir kommen vor allem wegen der Leute. Es ist schön, sie alle wiederzusehen», sagt Oberholzer.

Jeweils am letzten Dienstag im Monat, insgesamt zehnmal pro Jahr, findet der Treff statt. Gestern abend hat «Lodi goo» mit einem Grillplausch seine 100. Veranstaltung gefeiert. Das Programm für die Abende erstellen die Mitglieder des Vereins. Auch während der Veranstaltungen wirken sie in den unterschiedlichen Betriebsgruppen mit. Sandra Gälli etwa ist Mitglied in der Betriebsgruppe Technik. Sie ist für die Dekoration und das Licht während der Disco zuständig. Denn häufig stehen Musik und Tanz auf dem Programm.

Der Ausgang ist zu teuer

«Menschen mit Beeinträchtigung haben sonst kaum eine Möglichkeit, in den Ausgang zu gehen», sagt Gälli. Die Restaurants seien teuer und dort gebe es Alkohol. Gälli sagt, sie habe eine leichte geistige Beeinträchtigung. Auch sie lebt in keiner Einrichtung, sondern zusammen mit ihrem Partner in einer Wohnung. Sie arbeitet in der Obvita.

Das Wort Behinderung könne sie überhaupt nicht leiden, sagt sie. Es klinge abwertend und verletzend. Deshalb verwende sie lieber den Ausdruck «Menschen mit Beeinträchtigung», wenn sie über sich und die Teilnehmer des Treffs spricht.

Der Treff ist offen für alle

«Irgendeine Beeinträchtigung hat jeder Mensch», sagt Präsidentin Beatrice Degen. Ihr ist es wichtig zu betonen, dass der Treff offen sei für alle. Die Anmeldungen gehen bisher bei ihr ein. Gerne würde sie das ändern, sagt sie. Bereits seit längerem suche der Verein mit seinen 24 aktiven Mitgliedern eine ehrenamtliche Hauptverantwortliche. Alle zwei Monate trifft sich der Vorstand mit den Mitgliedern der Betriebsgruppen, um über das Programm zu sprechen.

Lanciert hatte Degen den Treff vor gut zwölf Jahren. Damals betreute sie Menschen mit Wahrnehmungsstörung. «Sie hatten das Bedürfnis, Freundschaften zu schliessen», sagt Degen. Deshalb organisierte sie einen kleinen Treff für sie. Zwei Studenten der Fachhochschule haben über das Projekt ihre Diplomarbeit geschrieben und es weiterentwickelt. Daraus ist der Freizeittreff «Lodi goo» entstanden.

«Der Raum ist etwas versteckt»

Der Raum, den der Treff nutzt, gehört zum Wolfganghof. Es ist der Quartiertreff der Evangelischen Jugendarbeit an der Oberstrasse 298. «Er ist etwas versteckt. Manche müssen suchen, bis sie uns finden», sagt Degen. Besucher wie Natascha Oberholzer finden ihn auf jeden Fall. Sie ist seit zehn Jahren, also von Anfang an, mit dabei.