ST.GALLEN: Sek und Real unter einem Dach

Die Stadt St. Gallen krempelt die Oberstufe um. Ab dem Sommer werden an allen Schulhäusern sowohl Real- als auch Sekundarklassen unterrichtet. 2019 kommt die «Flade» hinzu. Das bringt viele Änderungen.

David Gadze
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Realschüler können mit Einführung der Oberstufe 2020 gewisse Fächer künftig mit Sekundarschülern zusammen besuchen. (Bild: Hannes Thalmann)

Realschüler können mit Einführung der Oberstufe 2020 gewisse Fächer künftig mit Sekundarschülern zusammen besuchen. (Bild: Hannes Thalmann)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Die Oberstufe in der Stadt St. Gallen startet diesen Sommer in eine neue Ära. Fünf der sechs Schulhäuser führten bisher entweder nur Sekundar- oder nur Realklassen. Das ändert sich nun. Mit Beginn des neuen Schuljahres gibt es neu drei Oberstufenzentren: Centrum (Bürgli und Blumenau), Ost (Zil und Buchental) und West (Schönau und Engelwies). Und alle sechs Schulhäuser führen ab diesem August sowohl Sekundar- als auch Real- und Kleinklassen.

«St. Gallen ist bekannt für eine chancengerechte und hochwertige Bildung in der städtischen Volksschule», zitierte Markus Buschor gestern vor den ­Medien aus der Vision 2030 des Stadtrats. Chancengerecht bedeute, dass die Herkunft oder der soziale Status keine Rolle spielen dürfe. «Das ist heute leider nicht überall der Fall», sagte der Schuldirektor. Und hochwertig heisse, dass die Stadt allen Schülerin­nen und Schülern an sämtlichen Schulen ein leistungsgerechtes Niveau garantiere.

Umsetzung in drei Phasen

Die Umsetzung der Oberstufe 2020 gliedert sich in drei Phasen. Phase eins dauert von diesem Sommer bis Sommer 2019. Dabei wird die Oberstufe strukturell ­reorganisiert durch die Schaf­fung der drei Oberstufenzentren. Ausserdem steht in pädagogischer Hinsicht die Umsetzung des Lehrplans an. Danach beginnt die Phase zwei: Auf das Schuljahr 2019/20 hin kommt mit der «Flade» ein viertes Oberstufenzentrum hinzu. Ab dann ist der zwischen der Stadt und dem katholischen Konfessionsteil als Träger der «Flade» geschlossene Vertrag rechtskräftig. Die «Flade» wird ab dann ebenfalls Sekundar-, Real- und Kleinklassen führen und städtischen Schülern aller Konfessionen ohne Einschränkungen offen stehen. Im Sommer 2022 startet schliesslich die Phase drei. Sie steht unter dem Motto «Pädagogische Weiterentwicklung».

Die Oberstufe 2020 wird an jedem Oberstufenzentrum etwas anders umgesetzt – und stellt jedes vor andere Herausforderungen. Im Centrum habe man sich für das Modell der sogenannten Jahrgangsklassen entschieden, sagte Schulleiter Gianluca Zanatta. Das bedeutet, dass sämtliche Schülerinnen und Schüler der nächsten drei Jahrgänge jeweils abwechselnd am Bürgli oder an der Blumenau beginnen. Jene Schüler, die jetzt schon eine der beiden Schulen besuchen, beenden dort die Schulzeit. Eine Herausforderung der Oberstufe 2020 sei, dass die Lehrpersonen aufgrund der bisherigen Trennung der Schulhäuser nach Ni­veaus sich zum einen gegenseitig nicht gut kennen und sie zum anderen über die Schwierigkeiten des jeweils anderen Niveaus nicht genau Bescheid wüssten. Deshalb startet im Centrum nach den Sommerferien das «Teamteaching», bei dem ein Sekundar- und ein Reallehrer gemeinsam beide Niveaus unterrichten.

Schüler müssen Schulhaus wechseln

Bei den Oberstufenzentren Ost und West kommt hinzu, dass deren Schulhäuser rund zwei beziehungsweise eineinhalb Kilometer auseinanderliegen. Für Schüler, die das Niveau wechseln, sei das aber ein Vorteil, da sie nicht mehr auch das Schulhaus wechseln müssten, sagte Riccardo Rizza, Schulleiter der Oberstufe Ost. Ein wichtige Aufgabe sei, der «Stigmatisierung» von Schulhäusern wie dem Buchental oder dem Engelwies zu begegnen.

In der Schönau, die als einziges Schulhaus schon jetzt Real- und Sekundarklassen führt, und im Engelwies müssen nach den Sommerferien gleich ganze Klassen das Schulhaus wechseln. Die Klassen- und die Fachlehrpersonen zügeln aber mit. «So entsteht eine neue Dynamik und eine neue Kultur in den Schulhäusern und zwischen den Lehrern», sagte Rolf Breu, Schulleiter Oberstufe West.