ST.GALLEN: Regierung will ein Dach für drei Fachhochschulen

Die St.Galler Regierung will die drei Fachhochschulen in Buchs, Rapperswil und St.Gallen unter einer Leitung zusammenführen und gegenüber den mitbeteiligten Kantonen den Lead übernehmen. Die geplante Reform bedingt höhere Ausgaben.

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Der Vorschlag des St.Galler Regierungsrats zur Einmaleinlage in die Pensionskasse stiess in der Finanzkommission des Kantonsrats auf taube Ohren. (Bild: Regina Kühne)

Der Vorschlag des St.Galler Regierungsrats zur Einmaleinlage in die Pensionskasse stiess in der Finanzkommission des Kantonsrats auf taube Ohren. (Bild: Regina Kühne)

Der Druck kommt vom Bund: Im neuen Hochschulgesetz werden Bedingungen für die Akkreditierung von Fachhochschulen definiert, die unter anderem das NTB Buchs alleine nicht mehr erfüllen könnte. Als Konsequenzen drohen Streichungen von Bundesbeiträgen.

Am Donnerstag haben nun gleich drei St.Galler Regierungsräte über die künftige Marschroute informiert. Es gebe das Tagesgeschäft - und es gebe wichtige bildungs- und wirtschaftspolitische Entscheide wie diese kapitale Vorlage, sagte dazu Finanzchef Benedikt Würth (CVP).

Konkret schlägt die Regierung für die drei Fachhochschulen eine einheitliche Trägerschaft vor. Sie soll interkantonal - und wegen der Beteiligung des Fürstentums Liechtenstein - auch interstaatlich funktionieren.

Alles unter einer Leitung

Künftig würde es damit noch einen Hochschulrat, nur noch einen Rektor oder eine Rektorin sowie drei Standortleitungen geben. Im Organigramm ist mit Standort-Beiräten ein weiteres Gremium vorgesehen.

Dieser Grundsatzentscheid muss allerdings noch vom Parlament abgesegnet werden. «Zeit für Schlaufen» gebe es allerdings nicht mehr, warnte Bildungschef Stefan Kölliker (SVP). Die vom Bund vorgegebene Frist laufe 2022 ab. Es brauche auch noch Verhandlungen mit den Nachbarkantonen sowie dem Fürstentum Liechtenstein und die könnten dauern, erinnerte Regierungspräsident Martin Klöti (FDP).

Dem Entscheid für eine einzige Trägerschaft gingen unter anderem Konsultationen der mitbeteiligten Kantone voraus. Der Kantonsrat wollte nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden und hatte in einem Postulat verlangt, dass drei Führungsmodelle zur Auswahl stehen sollten.

Unabhängiges Gutachten vorgelegt

Dieser Auftrag wurde durch ein unabhängiges Gutachten erfüllt. Es stellte die Vor- und Nachteile einer einzigen Fachhochschule je einer Variante mit zwei Schulen gegenüber: Dabei wäre St.Gallen entweder alleine geblieben oder mit Buchs zusammengeführt worden.

Die Regierung sah sich in ihrem Kurs durch die Schlussfolgerungen der unabhängigen Experten gestützt. Die Trägerschaft unter einem Dach sei das einzige Modell, das «hundertprozentig eine Akkreditierung durch den Bund bekommt», so Kölliker.

Man müsse die Kräfte bündeln, hiess es an der Medienorientierung mehrmals. Die neu zusammengeführte Fachhochschule könnte rund 3500 Studierende vorweisen - und wäre im Vergleich mit anderen Regionen der Schweiz weiterhin der kleinste Verbund. Sogar die Tessiner Fachhochschulen werden von mehr Studierenden besucht.

Zur vorgeschlagenen neuen Struktur gehört auch der strategische Entscheid, dass St.Gallen gegenüber den mitbeteiligten Kantonen Thurgau, Schwyz, Glarus, Appenzell Ausser- und Innerrhoden sowie dem Fürstentum Liechtenstein den Lead übernimmt. Das bedeute aber auch, dass sich diese Kantone nicht stärker finanziell beteiligen müssten. Ihre Beiträge blieben gleich oder würden gesenkt.

Lead und Mehrkosten für St.Gallen

Die Reform hat deshalb auch Mehrkosten zur Folge. Zum einen wirkt sich der Ausstieg des Kantons Graubünden aus der Mitfinanzierung des NTB Buchs für St.Gallen mit zusätzlichen Ausgaben von 1,5 Mio. Franken aus. Weitere 1,2 Mio. Franken kommen durch den neuen Finanzierungsmodus dazu.

Erster Prüfstein für den Vorschlag der Regierung ist die Septembersession. Dort wird der Kantonsrat über den Bericht und das unabhängige Gutachten diskutieren und wohl auch einen Grundsatzentscheid fällen. (sda)