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ST.GALLEN: Pförtneranlagen scheiden Geister

Die Idee von Lichtsignalen, welche den Verkehr an der Stadtgrenze dosieren, kommt nicht überall gut an. Kritiker sagen, man löse die Herausforderung der steigenden Mobilität nicht.
David Gadze
Mit einer Pförtneranlage in der Liebegg will die Stadt erreichen, dass der Verkehr auf der Teufener Strasse in Spitzenstunden fliesst. (Bild: Benjamin Manser)

Mit einer Pförtneranlage in der Liebegg will die Stadt erreichen, dass der Verkehr auf der Teufener Strasse in Spitzenstunden fliesst. (Bild: Benjamin Manser)

Die Stadt St. Gallen will an den Hauptachsen rund um die Stadt sogenannte Pförtneranlagen errichten. Lichtsignale, die nur so viel Verkehr durchlassen, wie die Strassen davor schlucken können: Dadurch sollen Staus an den Siedlungsrand verlagert werden, damit der Verkehr auf den Strassen fliessen kann (Tagblatt vom 31. August und vom 9. September).

Folge einer missglückten Verkehrspolitik

Die Idee kommt nicht überall gut an. Marcel Aebischer, Präsident der TCS-Regionalgruppe St. Gallen und Umgebung, zeigt sich «mässig begeistert». Wenn man die Stadt St. Gallen isoliert betrachte, sei das Ansinnen zwar nachvollziehbar. Aus ganzheitlicher Sicht überzeuge es jedoch nicht. «Man verschiebt die Staus bloss, anstatt zu versuchen, ihre Ursache zu lösen.» Letztlich handle es sich um Symptombekämpfung. «Pförtneranlagen sind die Folge der missglückten Verkehrspolitik der Stadt.» Um so wichtiger werde sein, dass die technische Umsetzung nicht zu zusätzlichen Problemen führe.

FDP-Fraktionspräsident Roger Dornier bezeichnet die Idee der Pförtneranlagen als «guten Ansatz». Allerdings sei dieser wenig innovativ. Damit kapituliere man vor dem eigentlichen Problem, der steigenden Mobilität. «Es braucht neue Ideen.» Als Beispiel nennt Dornier das Vorhaben, von Dornbirn nach Bersbuch im Bregenzerwald eine Seilbahn zu bauen, welche im Minutentakt fahren und die dortigen Strassen entlasten soll. «Von solchen Ideen hört man in St. Gallen nichts. Leider negiert auch der Kanton die sich anbahnende technische Revolution mit Sensoren, selbstfahrender Mobilität oder neuen Transportmitteln.»

Verlagerung kann nicht alleinige Lösung sein

Dornier deutet die Pförtneranlagen als «Zeichen, dass die Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs auf den öffentlichen Verkehr und den Langsamverkehr zwar unbedingt anzustreben ist». Dies könne aber nie die alleinige Lösung sein. Der Autoverkehr spiele eine enorm grosse Rolle. Es sei richtig, dass es letztlich nicht darauf ankomme, ob man in der Stadt oder davor im Stau stehe. Doch um die Stadt wirklich vom Verkehr zu entlasten, brauche es neue Ansätze – etwa unterirdische Lösungen.

Die VCS-Sektion St. Gallen/Appenzell begrüsst die Pförtneranlagen. Staus an den Siedlungsrand zu verschieben und so den Verkehr in der Stadt zu verflüssigen sei sinnvoll, sagt Geschäftsleiterin Helene Guillong. Allerdings dürfe dies nicht dazu führen, dass Autofahrer auf die Quartierstrassen ausweichen und sich dadurch das Problem in die Wohngebiete verlagere. «Die Pförtneranlagen müssen an strategisch richtigen Orten sein.»

«Man muss die Ansätze nur sehen wollen»

Daniel Kehl, Präsident der SP/Juso/PFG-Fraktion im Stadtparlament, zeigt sich «hocherfreut, dass die Stadt so zielstrebig ans Werk geht». Erfreulich sei auch, dass auch der Kanton Appenzell Ausserrhoden hinter der Idee einer Pförtneranlage in der Liebegg stehe. Das sei mehr als nur Symptombekämpfung: Gerade dort brauche es schnelle Lösungen für die heutigen Verkehrsprobleme, nicht erst in 20 Jahren. «Es leuchtet wohl jedem ein, dass es für die Autofahrer keinen Unterschied macht, ob sie in der Stadt oder vor ihr im Stau stehen, für die Quartiere aber sehr wohl.» Ausserdem werde auch die Eröffnung der Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen Ende 2018 Verlagerungseffekte mit sich bringen. «Es gibt also durchaus Ansätze zur Verkehrsbewältigung, man muss sie nur sehen wollen.»

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